Studie zu schulischer Inklusion

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Im Jahr 2009 ratifizierte Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Aber auch 10 Jahre nach Inkrafttreten der Konvention ist noch viel Arbeit nötig, um ein inklusives Bildungssystem zu verwirklichen. Nach wie vor wird das Thema kontrovers diskutiert. Wie ist die Einstellung zu schulischer Inklusion heute? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die repräsentative Studie des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag von DIE ZEIT und Aktion Mensch:

10 Jahre danach

Am 26. März 2019 wird die in Deutschland verabschiedete UN-BRK 10 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat die Aktion Mensch gemeinsam mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft eine Studie zum Thema „Schulische Inklusion“ durchgeführt.

Die repräsentative Umfrage setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen hat infas im Februar 2019 eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe von rund 1.500 Erwachsenen nach ihren Einstellungen zu gesellschaftlicher und schulischer Inklusion und deren Folgen befragt. In der Stichprobe waren Eltern überproportional vertreten, darunter auch Eltern schulpflichtiger Kinder mit und ohne Inklusionserfahrung.

Zum anderen wurden für die Studie bestehende Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet. Für die NEPS-Studie wurden von 2009 bis 2016 unter anderem insgesamt 11.755 Schülerinnen und Schüler mehrfach befragt.

Zentrale Fragen der Studie

Icon eines Fragezeichens
  • Wird die (schulische) Inklusion als wünschenswertes Ziel in unserer Gesellschaft anerkannt?
  • Welche Erwartungen bestehen hinsichtlich der Auswirkungen von inklusivem Unterricht?
  • Wie wird die gegenwärtige Umsetzung schulischer Inklusion bewertet?
  • Wie entwickeln sich Schüler in unterschiedlichen Lernumfeldern tatsächlich?

In der Ausgabe der ZEIT am 28. März 2019 finden Sie einen ausführlichen Bericht zur Studie sowie zu weiteren Themen rund um den Jahrestag zur UN-BRK.

Studie herunterladen

Die allgemeine Haltung zu Inklusion

Eine Grafik, die die Haltung zu Inklusion im Kindes- und Jugendalter darstellt.

10 Jahre nach Ratifizierung der UN-BRK gibt es in der Bevölkerung ein hohes Maß an Zustimmung zu den Zielen einer vollen und wirksamen Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Dabei gilt Inklusion als wünschenswertes Ziel und ist hochakzeptiert. 85 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft gleichberechtigt zusammenleben sollten.

Inklusion in Schule und Freizeit

Fast die gesamte Bevölkerung (94 Prozent) ist der Meinung, dass Kinder mit und ohne Behinderung in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben sollten, gemeinsam aufzuwachsen.

Gemeinsamen Unterricht in der Schule befürworten dagegen nur 66 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Blick auf die Gruppe der Eltern mit Inklusionserfahrung fällt auf, dass die Zustimmung mit 78 Prozent deutlich höher ist als bei Eltern ohne Inklusionserfahrung (61 Prozent).

Welche Auswirkungen hat schulische Inklusion?

Eine Grafik, die zeigt: Über 75 % der Deutschen glauben an positive Effekte von schulischer Inklusion.

Mehr als drei Viertel der deutschen Bevölkerung sind von positiven Effekten schulischer Inklusion überzeugt: Die Befragten geben an, ein inklusives Schulsystem führe zu mehr Toleranz, einem besseren Miteinander sowie zu höherer Engagement-Bereitschaft und wirke sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Zurückhaltender wird der inklusive Unterricht jedoch dann beurteilt, wenn es um Fragen der Leistungsförderung der Kinder geht: Lediglich 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sind der Meinung, dass ein inklusives Schulsystem gut auf das Berufsleben vorbereitet.

Zudem besteht die Einschätzung, dass Kinder mit unterschiedlichen Leistungsniveaus nicht gleichermaßen gefördert werden können: Rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten glaubt, das besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden. Bemerkenswert ist, dass Eltern, die eigene Erfahrungen mit Inklusionsschulen gemacht haben, die Leistungsförderung in einem inklusiven Schulsystem differenzierter sehen als Eltern ohne Inklusionserfahrung.

55 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung meinen, dass ein inklusives Schulsystem besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen bremse. Dieser Meinung sind nur 47 Prozent der Eltern ohne Inklusionserfahrung. Lediglich 48 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung erwarten eine Verbesserung der Bildungschancen für weniger leistungsstarke Kinder. In der Gruppe der Eltern ohne Inklusionserfahrung liegt dieser Anteil bei 64 Prozent.

Drei Fragen an...

Porträt von Christina Marx

Christina Marx, Leiterin Aufklärung bei der Aktion Mensch und Mitglied im UNESCO-Expertenkreis zu inklusiver Bildung.

Interview lesen

Umsetzung schulischer Inklusion

Während die Bevölkerung die Auswirkungen von inklusivem Unterricht auf das soziale Miteinander positiv einschätzt, ist sie mit Blick auf die Umsetzung schulischer Inklusion skeptischer. 40 Prozent aller Befragten bezweifeln, dass Lehrer die Herausforderungen des Unterrichts an Inklusionsschulen bewältigen können. 57 Prozent der
Befragten sind der Meinung, dass Lehrer nicht ausreichend für die Herausforderungen schulischer Inklusion ausgebildet sind und 63 Prozent der Befragten meinen, dass die Klassen für inklusiven Unterricht zu groß sind. Ein weiteres Problem wird in fehlendem Personal gesehen. 55 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass es an Inklusionsschulen nicht ausreichend Sozial- und Sonderpädagogen sowie Schulpsychologen für die Gestaltung des Unterrichts gibt. 68 Prozent der Befragten glauben sogar, dass es an den Schulen nicht genügend Lehrer für die Gestaltung inklusiven Unterrichts gibt.

Langfassung der Studie herunterladen (PDF)

Kurzfassung der Studie herunterladen (PDF)

Grafik: Ausgewählte Ergebnisse der Studie zu schulischer Inklusion (PDF)

Kurzbilanz: 10 Jahre UN-BRK (PDF)

Kommentar in der ZEIT: Opfert das Gymnasium

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