Das Wir gewinnt

Elternarbeit - Herausforderung und Chance

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Peter Philipzen steht im Schulflur und lächelt in die Kamera.

Eltern und Kinder müssen Vertrauen zu uns fassen können.

Peter Philipzen, Förderschullehrer
Sabine Maier steht im Schulflur und lächelt in die Kamera.

An einer anderen Schule hätte unsere Tochter Probleme gehabt.

Sabine Maier, zweifache Mutter
Rainer Tigges steht im Schulflur und lehnt sich an die Wand. Er lächelt in die Kamera.

Ich bin ein Fan von Inklusion.

Rainer Tigges, Vorsitzender der Schulpflegschaft
Andrea Hültz steht im Schulflur und lächelt in die Kamera.

Eltern haben Angst, dass ihre Kinder nicht gesehen werden.

Andrea Hültz, Lehrerin für Geschichte und Chemie
Stefan Richter sitzt im Lehrerzimmer und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sieht man viele Postfächer.

Auch Kinder ohne diagnostizierten Förderbedarf profitieren von zusätzlicher Unterstützung.

Stefan Richter, Sonderpädagoge

So gelingt die Elternarbeit

Die Elternarbeit ist ein wichtiger Baustein im Schulleben der Marie-Kahle-Gesamtschule. Inklusion soll auch von den Müttern und Vätern der Schüler aktiv mit umgesetzt werden. Damit das gelingt, beherzigt die Bonner Schule einige Grundsätze und einige Regeln, Arbeits- und Verhaltensweisen sind fest im Schulalltag verankert. Auf diese Dinge lohnt es sich zu achten:
  • Aufnahmegespräche

    Damit Eltern und Kinder von Anfang an einen guten Start haben und sich willkommen fühlen, sind immer zwei Lehrer*innen bei den Aufnahmegesprächen dabei. Wenn die Eltern etwas über den Hintergrund einer Behinderung erzählen, zeigt ein*e Lehrer*in dem Kind in der Zwischenzeit die Schule. Der Hintergrund: Eltern sind durch frühere Aufnahmegespräche oder Kita- und Schulerfahrungen oft traumatisiert. In dieser Umgebung können sie darüber frei sprechen. „In Anwesenheit der Kinder sprechen wir aber nie über sie – das wäre respektlos“, sagt Schulleiterin Sabine Kreutzer. (siehe auch Beratungstag)
  • Barrierefreiheit

    An einer inklusiven Schule ist Barrierefreiheit ein wichtiges Thema. Dabei geht es um Räume oder technische Ausstattung aber auch um Sprache und Kommunikation. Davon profitieren Schüler*innen aber auch Eltern. Die Kommunikation wird deshalb barrierefrei und so einfach wie möglich gestaltet, damit jede*r versteht, worum es geht. Einige Beispiele: Einladungen zu wichtigen Events werden auf rotem Papier gedruckt. Das bedeutet: Wichtig, da müssen Eltern dabei sein, auch wenn sie nicht genau verstehen, was im Brief geschrieben ist. Informationen werden immer bebildert und auf Beamtendeutsch wird möglichst verzichtet.

  • Beratungstag

    Elternsprechtage, bei denen die Lehrer*innen mit den Eltern über ihre Schüler*innen sprechen, gibt es an der Marie-Kahle-Gesamtschule nicht. Stattdessen treffen sich Lehrer*innen, Kinder und Eltern beim Beratungstag. Gemeinsam sprechen sie über die Leistungen, Erfolge und Probleme des Kindes. Der Vorteil: Alle arbeiten gemeinsam an einer Lösung. Die Teilnahme am Beratungstag ist Pflicht für Eltern und Schüler*innen.
  • Disziplinarmaßnahmen

    Auch sie können im Schulalltag notwendig sein. Die Marie-Kahle-Gesamtschule setzt dabei auf den Gedanken der Erziehungspartnerschaft. Die Eltern werden so weit wie möglich in alle Entscheidungen mit einbezogen. Die Idee dahinter: Wir ziehen an einem Strang, um Disziplinarmaßnahmen selten zu machen und die Dinge schneller in Ordnung zu bringen.
  • Elternabende

    Sie sind ein wichtiges Instrument, um mit den Eltern im Austausch zu bleiben. Bei der Marie-Kahle-Gesamtschule gilt der Grundsatz: Es gibt nie einen Elternabend zu Inklusion, aber es gibt keinen Elternabend, bei dem Inklusion nicht Thema ist. „Wir haben auf Wunsch eines Elternteils einmal einen thematischen Elternabend dazu gemacht“, erinnert sich Sabine Kreutzer. Die Erfahrung damit zeigt ihr: „Es kommen nur Idealist*innen und Bedenkenträger*innen. Am Ende gehen alle mit der gleichen Haltung wieder nach Hause.“ Auf spezielle Inklusions-Infoveranstaltungen verzichtet sie deshalb. Aber: An jedem Informationsabend macht die Schule deutlich, dass sie inklusiv ist.
  • Freiwillige Eltern-Events

    Bei verschiedenen Veranstaltungen treffen sich die Eltern miteinander. Zu einigen Treffen wie dem Elternstammtisch, Treffen des Schulpflegschaftsvorsitzes oder des Fördervereins ist oft auch die Schulleitung dabei. „So haben wir einen besseren Draht zueinander und wir bekommen mit, was die Eltern beschäftigt oder sorgt“, erklärt Sabine Kreutzer. Beim Tag der offenen Tür wirken Eltern von Schüler*innen aktiv mit und beraten andere Eltern. Bei verschiedenen Infoabenden erfahren die Eltern, was es mit dem Dalton-Prinzip oder dem Lernzentrum der Schule auf sich hat. Eltern dürfen aber auch an Fachkonferenzen und Arbeitskreisen teilnehmen. Die Elternpflegschaft wird auch zu Fortbildungen der Lehrer*innen eingeladen.
  • Informationswege

    Inklusion bedeutet auch, das Informationen so einfach wie möglich und für alle zugänglich sind. „Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, Elternanliegen eher telefonisch oder persönlich zu klären“, sagt Sabine Kreutzer. Bei einem Anruf sei es aber wichtig, das Thema des Anliegens schnell zu umreißen und die Dramatik und den Schockmoment für die Eltern so klein wie möglich zu halten. Briefe per Post bekommen die Eltern jedenfalls nur, wenn es wie bei Disziplinarmaßnahmen oder einem Aufnahmebescheid unbedingt nötig ist.
  • Kommunikation

    Beim Thema Inklusion gibt es viele Fragen und Unsicherheiten. Deshalb ist eine offene und ehrliche Kommunikation wichtig. Lehrer*innen geben an Elternabenden aber keine Infos über Behinderungen einzelner Schüler*innen – es sei denn, die Eltern des Kindes wünschen dies, können oder wollen es aber selbst nicht leisten. Bei Elternabenden geht es immer um die Gruppe nicht um Einzelne. Grundsätzlich gibt es immer Infos zum Thema Inklusion – etwa wenn es um das Abitur oder Abschlüsse der Förderschule geht.
  • Konflikte bewältigen

    Wenn es schwerwiegende Konflikte gibt, werden die Eltern aller beteiligten Schüler*innen informiert. Ganz wichtig: Ist zum Beispiel ein Kind mit einer emotional-sozialen Entwicklungsstörung oder einer Behinderung der Verursacher, schützt das nicht vor Konsequenzen oder einer Strafe. Inklusive Regelschule bedeutet eben auch, dass Regeln für alle gelten.
  • Pflichtveranstaltungen

    Dazu gehören neben Elternabenden, Infoabende oder die Beteiligungsmöglichkeiten in der Klassen- und Schulpflegschaft genauso wie die Teilnahme an der Schulkonferenz. Die Eltern sollen mitmachen können und sich das Schulprofil aktiv mitgestalten können.

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