Viele Veranstaltungsorte bezeichnen sich selbst als „barrierefrei“, was nicht stimmt. Natürlich ist dieser Hinweis grundlegend gut gemeint. Fakt ist jedoch, dass mit „barrierefrei“ fast immer nur die so genannte „bauliche Barrierefreiheit“ gemeint ist. Also zum Beispiel die Möglichkeit des Zugangs. Die Stichworte sind häufig: „Rollstuhlrampen“, „ebenerdig“, „Fahrstühle“ und „behindertengerechte WCs“. Wünschenswert, aber seltener sind Leitlinien angebracht, die Menschen mit einer Sehbehinderung bei der Orientierung helfen würden.
Überhaupt keine Barrierefreiheit ist garantiert, wenn es um das Erlebnis der Veranstaltung geht. Menschen mit einer Hörbehinderung können gesprochene Informationen nicht oder nur eingeschränkt wahrnehmen. Dabei geht es um ganze 7,3 Millionen Menschen in Deutschland, die hochgradig schwerhörig sind, weitere 80.000 sind gehörlos. Im Zweifel bekommen sie den Hallensprecher, Halbzeit-Gewinnspiele, Sicherheitsinformationen oder auch die Einlauf-Musik nicht mit. Es helfen Untertitel auf einer Videoleinwand oder ein Gebärdensprachdolmetscher – am besten beides. Nebenbei können Untertitel auch für Deutschlernende eine sinnvolle Unterstützung darstellen.
Fast gänzlich unbeachtet ist bisher die Gruppe der sehbehinderten und blinden Menschen – rund 1,2 Millionen Personen in Deutschland – Tendenz steigend. Ihnen kann eine so genannte Audiodeskription helfen (übersetzt: Hör-Beschreibung, manchmal auch „Blindenreportage“ genannt). Es handelt sich dabei um eine Art zusätzliches Hör-Erlebnis, das je nach Veranstaltung aufgezeichnet oder auch live gesprochen werden kann. Geschulte Reporter beschreiben und erklären alles, was für Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sehen können, nicht zugänglich ist. Beispielsweise die Parade eines Torhüters, wo genau sich der Ball auf dem Spielfeld befindet oder mit wie viel Abstand eine Sprinterin ein Rennen gewonnen hat und wie sie ihren Sieg feiert.
Audiodeskription kann auch für Menschen mit bestimmten körperlichen Einschränkungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder älteren Menschen eine sinnvolle Unterstützung sein.