Das wir gewinnt
Zwei Frau und ein Mann  sitzen nebeneinander an einem Besprechungstisch. Vor ihnen liegen Notizblöcke und Notebooks.  Die Frauen gucken beide zu dem Mann, der ihnen gestenreich etwas erklärt.
Zwei Frau und ein Mann  sitzen nebeneinander an einem Besprechungstisch. Vor ihnen liegen Notizblöcke und Notebooks.  Die Frauen gucken beide zu dem Mann, der ihnen gestenreich etwas erklärt.
Zwei Frau und ein Mann  sitzen nebeneinander an einem Besprechungstisch. Vor ihnen liegen Notizblöcke und Notebooks.  Die Frauen gucken beide zu dem Mann, der ihnen gestenreich etwas erklärt.

Studie zum Teilhabeplan-
verfahren

Praxiserfahrungen von Menschen mit Behinderung
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Eine aktuelle Studie der Aktion Mensch untersucht erstmals, wie Menschen mit Behinderung das Teilhabeplanverfahren nach dem Bundesteilhabegesetz beurteilen. Ergebnis: Das Verfahren bietet viel Potenzial für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe – wird aber zu selten genutzt. Das liegt in erster Linie an seiner geringen Bekanntheit, dem großen bürokratischen Aufwand, der damit verbunden ist, und unzureichender Beratung im Vorfeld. Erfahren Sie mehr über die Ergebnisse und die Handlungsempfehlungen, die sich daraus ableiten.

Hintergrund der Studie

Seit Januar 2018 gibt es das sogenannte Teilhabeplanverfahren. Es wurde im Zusammenhang mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) eingeführt, damit Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe besser an die Bedarfe und Wünsche von Menschen mit Behinderung angepasst werden. Auch deren Beantragung sollte durch die neuen Regelungen einfacher werden als früher - gerade wenn verschiedene Behörden involviert sind. 

Das Teilhabeplanverfahren sieht vor, dass alle beteiligten Träger unter Federführung des hauptsächlich zuständigen Reha-Trägers (beispielsweise Krankenkasse oder Kommune) zusammen mit der antragsstellenden Person klären, welche Bedarfe bestehen und welche Leistungen sinnvoll und gewünscht sind. Erreicht werden soll dadurch, dass die Situation eines Menschen mit Behinderung ganzheitlich wahrgenommen wird, seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen und er Leistungen "wie aus einer Hand" bekommt.

Bislang fehlte eine systematische Befragung derjenigen, denen dieses Verfahren in erster Linie nutzen soll: den Antragstellenden. Wie sie das Verfahren erleben und bewerten, wollte die Aktion Mensch herausfinden.

Fragebogen und vertiefende Interviews

Zu diesem Zweck hat die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut Ipsos die gemeinsam aufgebaute "Teilhabe-Community" befragt. Dieses Befragungs-Panel besteht ausschließlich aus Menschen mit Beeinträchtigung. Knapp 540 Mitglieder des Panels haben an der Online-Befragung teilgenommen.

Aus der Gruppe der 68 Befragten, die angaben, bereits ein Teilhabeplanverfahren durchlaufen zu haben, wurde mit 12 Personen ein vertiefendes Leitfaden-Interview geführt. Die Antworten der Befragten lieferten wichtige Hinweise darauf, wie Menschen mit Behinderung das Verfahren erleben, welchen Nutzen es für sie hat und wie es aus Sicht der Zielgruppe weiterentwickelt werden müsste. Insgesamt ergab sich auf diese Weise ein eindeutiges Bild.

Titelseite der Aktion-Mensch-Studie zum Teilhabeplanverfahren

Studie zu den Erfahrungen von Menschen mit Behinderung mit dem Teilhabeplanverfahren

  • Veröffentlicht: 24.03.2026
  • 75 Seiten
  • 25 Abbildungen
  • Dateigröße: 2,2 MB

Fazit der Studie

Nur eine Minderheit der Studienteilnehmer*innen kennt das Teilhabeplanverfahren bislang, geschweige denn aus eigener Erfahrung: Nur jede*r achte hatte ein solches Verfahren bislang durchlaufen. Diejenigen, die Erfahrungen mit dem Instrument gesammelt haben, sind mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden. Aber den Prozess selbst beschreiben sie als sehr bürokratisch und herausfordernd. 

Ein zentrales Problem scheint also die geringe Bekanntheit des Verfahrens zu sein. Das trifft auch auf die Beratungs-Angebote zu, die Antragsteller*innen in der Vorbereitung unterstützen sollen. So ist die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB®) nur einem Teil der Befragten ein Begriff. Das führt dazu, dass Anspruchsberechtigte nicht wissen, welche Rechte und Optionen ihnen zustehen. Diese Unkenntnis verhindert, dass Personen überhaupt in Kontakt mit dem Verfahren kommen und es nutzen.

Eine große Rolle bei der Frage, wer das Verfahren nutzt, scheinen auch persönliche und soziale Ressourcen zu spielen. Jüngere, männliche, berufstätige oder zumindest sozial gut vernetzte Personen finden der Studie zufolge eher Zugang zum Verfahren und können ihre Belange in dessen Verlauf besser durchsetzen. Wer weniger gut vernetzt ist und weniger geübt in der Informationsbeschaffung und dem Umgang mit Behörden, bleibt häufiger außen vor und ist unzufriedener mit dem Ergebnis. 

 

Ich wünsche mir deutlich weniger Bürokratie

Zitat aus einem der Leitfaden-Interviews mit Teilnehmer*innen der Studie

Zentrale Ergebnisse der Studie auf einen Blick

13%
Nur eine*r von acht Studienteilnehmenden hat bislang überhaupt ein Teilhabeplanverfahren durchlaufen.
90%
Unter denen, die Erfahrungen mit dem  Teilhabeplanverfahren haben, wünschen sich 9 von 10 eine verständlichere Sprache und weniger Bürokratie.
88%
In der Gruppe derjenigen, die bislang kein  Teilhabeplanverfahren durchlaufen haben, geben rund 9 von 10 Befragten an, dass zu wenig Informationen und Unterstützung der Grund dafür ist.

Handlungsempfehlungen

Vor diesem Hintergrund formuliert die Studie konkrete Empfehlungen, wie unter anderem:

  • Systematische Aufklärung und Informationsarbeit über die im BTHG verankerten Rechte auf Mitwirkung an der eigenen Teilhabeplanung.
  • Stärkung, bessere Vernetzung und Qualitätssicherung unabhängiger Beratungsangebote wie der EUTB®, um niedrigschwellige Unterstützung zu garantieren; 
  • Bürokratieabbau und technische Vereinfachungen, beispielsweise ein bundesweit einheitliches, verständliches Instrument zur Erhebung der Bedarfe und barrierearme digitale Antragswege; 
  • Feste*r Ansprechpartner*in im Teilhabeplanverfahren und transparente Informationen zum Verfahrensprozess;
  • Die Einbindung Betroffener in Monitoring  und Qualitätsinstrumente zum Verfahren, damit Rückmeldungen kontinuierlich in Verbesserungen münden.

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