Weiterbildung von Ärzt*innen und Pflegepersonal im Hinblick auf die Behandlung von Menschen mit komplexen Behinderungen

Die Behandlung von Menschen mit komplexen Behinderungen ist eine Herausforderung für viele Mediziner. Hier finden Sie Weiterbildungsangebote zu diesem Thema.
Mann mit Arztkittel steht im Krankenhausflur.

Ein Mann in einem Arztkittel hält ein Klemmbrett in der Hand.

Bislang gehört die Behandlung von und der Umgang mit Menschen mit geistigen und schweren körperlichen Einschränkungen hierzulande nicht regulär zur Ausbildung von medizinischem Personal. Nur an wenigen Universitäten, wie Freiburg und Witten-Herdecke, findet das Thema im Medizinstudium statt.

Darauf, dass die Ausbildung von Ärzt*innen und Pflegekräften dringend im Hinblick auf die besonderen Bedarfe von Menschen mit geistiger und schwerer mehrfacher Behinderung im Krankenhaus reformiert werden müsste, wurde und wird von Experten allerdings vielfach hingewiesen. So zum Beispiel in einer Petition, die die Lebenshilfe Bayern im Oktober 2020 im Bayerischen Landtag einreichte.

Lehrgänge für Mediziner*innen und Pflegepersonal

 Für Mediziner*innen, die sich auf Eigeninitiative fortbilden wollen, bietet die Deutsche Gesellschaft für Medizin für Menschen mit geistiger Behinderung (DGMGB) anspruchsvolle, von der Bundesärztekammer anerkannte Lehrgänge zum Thema in verschiedenen deutschen Städten an. Für Pflegekräfte gibt es jedoch kaum derartige  Angebote. Eine Ausnahme bildet die Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld (FhdD). Sie schloss 2019 ein dreijähriges Forschungsprojekt zur barrierearmen und bedürfnisorientierten Versorgung von Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen im Krankenhaus gemeinsam mit dem Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) und dem Krankenhaus Mara ab. Darauf aufbauend wurde eine 2020 an der FHdD gestartete Fortbildungsreihe für Pflegekräfte am Krankenhaus entwickelt, die mit Menschen mit komplexer Behinderung arbeiten.

Fachabteilungen für komplexe Behinderungen

Es gibt in Deutschland einige wenige Kliniken oder Krankenhaus-Abteilungen, die sich auf die Behandlung von Patient*innen mit komplexer Behinderung spezialisiert haben: das Krankenhaus Marienstift in Braunschweig, das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) in Berlin-Lichtenberg, die Séguin-Klinik in Kehl-Kork, die St. Lukas-Klinik in Meckenbeuren und die im Aufbau befindliche Station für Inklusive Medizin an der Evangelischen Klinik Hagen-Haspe .

Man kann diese Sondereinrichtungen als separierende Institutionen kritisieren. Doch solange die meisten Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung den besonderen Bedarfen von Menschen mit komplexer Behinderung nicht gerecht werden können, erfüllen diese "Nischen-Krankenhäuser" eine wichtige Aufgabe, wenn auch für zu wenige Patient*innen. Um die Situation von Krankenhauspatient*innen mit komplexer Behinderung grundlegend zu verbessern, müsste die Politik andere strukturelle Bedingungen schaffen und für entsprechende Ausbildungsgänge des Fachpersonals sowie für eine geregelte Finanzierung des Mehraufwands und nicht zuletzt auch für eine Änderung des Assistenzpflegegesetzes sorgen.