Eine Frage der Haltung

Bei der Arbeit von Pädagogen geht es selbstverständlich viel um Fachwissen, Methoden und Ressourcen. Mindestens genauso wichtig ist aber die Frage der Haltung. Sie spielt im Zusammenhang mit Inklusion eine besondere Rolle. Doch was bedeutet Haltung im Kontext von Schule oder außerschulischem Lernen überhaupt?

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Es geht um grundlegende pädagogische Werte und Einstellungen. Haltungen entwickeln sich im Laufe des Lebens und der Berufslaufbahn. Sie sind von persönlichen, biographischen und eben auch beruflichen Erfahrungen geprägt. Diese Erfahrungen werden schließlich auf das Berufsfeld übertragen – und so werden aus Haltungen letztendlich Handlungen. Wie Pädagogen also mit Kindern und Jugendlichen aber auch Eltern oder Kollegen umgehen, ob und wie sie für eine Willkommenskultur sorgen oder sich gegen Ausgrenzung einsetzen, hat mit Haltung zu tun.

Im Kontext von Inklusion hat die Haltung vor allem folgende Ziele: Es geht darum, vielfältige Barrieren abzubauenTeilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen und Vielfalt als Mehrwert zu erkennen und zu stärken. Ziel ist es, Diskriminierung und Ausgrenzung zu vermeiden. Deshalb ist es wichtig, dass Pädagogen, Schulen und Träger sich immer wieder mit der eigenen Haltung beschäftigen. Durch Selbstreflexion befassen sich einzelne Lehrer und Mitarbeiter aber eben auch gesamte Einrichtungen zum Beispiel mit inneren Konflikten und allgemeinen Spannungen, die das Thema mit sich bringen kann. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung ist ein Schlüsselmoment in der Umsetzung der Inklusion.

Schulen und andere Einrichtungen, die sich mit ihrer Haltung auseinandersetzen, befassen sich mit verinnerlichten Strukturen und Denkweisen. Gelernte und etablierte Dinge, die vielleicht als Normalität und Standard verstanden werden, werden bewusst analysiert und hinterfragt. Im Zuge dessen können sich persönliche Haltungen verändern und strukturelle Neuerungen angestoßen werden. Die Frage der Haltung ist auch ein wichtiger Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Auch bei Supervisionen und im Zuge der Teamentwicklung sollte darauf geachtet werden. Am Ende ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Haltung ein wichtiger Baustein für mehr Professionalität.

Index für Inklusion

Übrigens: Viele Schulen, Kitas, andere Einrichtungen und Träger arbeiten beispielsweise mit dem „Index für Inklusion“, um ihre Haltung zu hinterfragen und vor allem eine gemeinsame inklusive Haltung zu entwickeln. 

Einstellungen sind zunächst einmal starre Konzepte. Sie zu verbessern oder zu ändern funktioniert nur, wenn Pädagogen im schulischen aber auch außerschulischen Bereich feststellen, dass dies für ihre persönlichen Themen und ihre Arbeit relevant ist. Fest steht: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung ist für Pädagogen und Institutionen ein dauerhafter Prozess, der Zeit, Kraft, Aufwand und Ausdauer braucht.

Haltung kann nicht verordnet werden – sie entwickelt sich durch kontinuierlichen Austausch und die Bereitschaft zu Perspektivwechseln. Am Ende hat die Haltung der Pädagogen auch eine große Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche. Wie gut Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in inklusiven Settings von der Gruppen- oder Klassengemeinschaft aufgenommen werden, hat nämlich auch mit Exempel der Pädagogen zu tun.

Strukturen schaffen

Damit Inklusion in Schulen aber auch in außerschulischen Bildungseinrichtungen gelingt, ist es wichtig, dass die handelnden Akteure dem Thema positiv gegenüberstehen und eine entsprechende Haltung zeigen. Darüber hinaus braucht es geeignete Strukturen, die Pädagogen in ihrer Arbeit unterstützen. So braucht es neben den finanziellen und personellen Ressourcen vor allem auch Zeit und Konzepte für die Zusammenarbeit von Kollegen und multiprofessionellen Teams. Regelmäßige Treffen sind wichtig für den Erfahrungsaustausch, die Planung und Umsetzung neuer Konzepte aber auch die Auswertung der Lern- und Verhaltensentwicklung einzelner Schüler. Eine Feedbackkultur und kontinuierliche Supervision müssen von Leitungsebenen fest im Konzept der Schule oder in der Arbeit von außerschulischen Trägern verankert sein. An supervisionsnahen Treffen nehmen beispielsweise Klassenlehrer, Sonderpädagogen, Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter und auch Eltern teil.

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