Praxisbeispiel: Einen gemeinsamen Trickfilm erstellen mit der App „Stop Motion Studio“

von Lidia Focke
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Kreative Medienproduktionen, mit denen Kinder oder Jugendliche gemeinsam Produkte herstellen (Videos, Podcasts, Blogs, Hörspiele, Comics etc.) bieten vielfältige Wege, mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten an einem Thema oder Lerngegenstand zu arbeiten. Gleichzeitig können assistive Technologien verwendet werden, damit die Individualität der*des Einzelnen auch innerhalb von Gruppenarbeiten berücksichtigt werden kann.

In diesem Beispiel wird die kooperative Medien-Projektarbeit mit Unterstützung einer digitalen Trickfilm-App vorgestellt.

 
Zwei Jugendliche und Bianca Rilinger sitzen nebeneinander auf einer Bank. Sie alle schauen auf ein Tablet, dass das Mädchen in der Mitte in der Hand hält.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick

Ausführliche Beschreibung

Zielsetzung

Das Ausprobieren neuer Apps und die Erstellung neuer Medienprodukte macht allen Kindern unabhängig von ihren Voraussetzungen Spaß, bringt sie zusammen und kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. 
Durch die gemeinsame Erstellung eines Trickfilms können folgende Kompetenzen erworben werden:

  • Erlernen von Grundkenntnissen einer Filmtechnik
  • Erlernen einer neuen kreativen Darstellungsmöglichkeit
  • Inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Thema
  • Vorausschauendes Handeln durch Planung eines Videodrehs
  • Stärkung der Frustrationstoleranz und des Ausdauervermögens
  • Förderung der inklusiven Teamfähigkeit

Projektgruppe

Das Projekt kann mit 6- bis 10-jährigen Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen bzw. Behinderungen durchgeführt werden.  
Die Gruppengröße sollte je nach vorhandener Technik und Betreuungsschlüssel angepasst werden. Ein Richtwert hierbei könnte sein: pro Tablet/Smartphone und pädagogischer Fachkraft ca. 5 Kinder.

Medienpädagogischer Einsatz der App

Die einfach bedienbare App „Stop Motion Studio (iOS/ Android) kann niedrigschwellig in inklusiven Settings eingesetzt werden und bedarf nicht viel Vorwissen.
Bei der Filmtechnik „Stop Motion“ werden Objekte oder Figuren durch das Abspielen aufeinander folgender Fotografien lebendig. Hierfür werden die Objekte nach und nach minimal bewegt und nach jeder Bewegung fotografiert. „Stop Motion“ funktioniert also so ähnlich wie ein Daumenkino. Je feiner die Bewegung zwischen den einzelnen Fotos ist, desto natürlicher wirkt der dadurch entstandene Film. Für Kinofilmproduktionen mit dieser Technik werden 24 Bilder pro Sekunde genutzt, um ein flüssiges Video wiederzugeben. 

Die App „Stop Motion Studio“ eignet besonders für die Erstellung eines Trickfilms, da ein aufwändiges Zusammenschneiden der einzelnen Aufnahmen entfällt. Die Fotos können direkt in der App erstellt und verschoben werden. Außerdem lässt sich die Anzahl an Bildern pro Sekunde (FPS = frames per second) mit wenigen Klicks variieren.

Screenshot der App "Stop Motion"

Die App "Stop Motion Studio" während einer Aufnahme.

Projektdurchführung

Vorbereitung

Die pädagogische Fachkraft sollte sich im Vorfeld auf jeden Fall mit der App auseinandersetzen, um die Funktionen der App erklären und bei auftretenden Fragen reagieren zu können.
Einen ausführlichen Einstieg in „Stop Motion“ und App-Tutorials bieten diese Seiten:


Außerdem sollte sichergestellt werden, dass alle Tablets oder Smartphones geladen sind und die benötigten Materialien bereit liegen. Auch die Zugangsdaten zum App-Store bzw. Google Play Store sollten vorliegen und genügend Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Einstieg

Einführungsphase „Was ist Stop Motion?“
Zunächst wird allen Kindern erklärt, was „Stop Motion“ überhaupt ist. Hier ist es ratsam, kleine Beispielvideos von bekannten Filmen, wie „Lego Star Wars“ und andere Legoproduktionen, aber auch „Wallace & Gromit“, „Der fantastische Mr. Fox“ oder „Shaun das Schaf“ zu zeigen. Das begeistert die Kinder und alle haben direkt eine Idee von „Stop Motion“. Anschließend kann der „Stop Motion Effekt“ von allen auch anhand von selbstgebastelten Daumenkinos ausprobiert und die dahintersteckende „Technik“ thematisiert werden.

Erläuterung der App „Stop Motion Studio“
Im Anschluss wird die App „Stop Motion Studio“ vorgestellt (idealerweise über einen Beamer oder großen Bildschirm).

Tipp: Falls es Kinder in der Gruppe gibt, die bereits in einem „Stop Motion App“ Projekt mitgemacht haben, können sie als Expert*innen fungieren und den Neuen erklären, wie „Stop Motion“ bzw. die App funktioniert.

Umsetzung

Ideenfindung und Materialauswahl
Die Ideen für den Film könnten z.B. gemeinsam auf einem großen Plakat festgehalten werden. Mögliche Fragen sind: Welches Thema soll der Film haben? Welche Geschichte könnte erzählt werden? Soll der Film eher lustig oder spannend sein? Welche Figuren oder Gegenstände gibt es?
Alle sollten ihre Vorschläge einbringen können, am Ende entscheidet die Gruppe gemeinsam, z.B. über eine Abstimmung.

Tipp: Gerade beim ersten Filmprojekt sollte die erzählte Geschichte recht einfach aufgebaut sein, damit ein schnelles Erfolgserlebnis entsteht.

Für die Materialauswahl können sowohl Materialien vorgeben werden oder die Kinder dürfen aus einer Reihe an Materialien wählen. Der Kreativität sind hierbei kaum Grenzen gesetzt (Lego, Knete, Bauklötze, Plüschtiere etc.).

Hier finden Sie einige Umsetzungs-Ideen für „Stop-Motion“-Projekte:

Weitere Vorschläge für die Materialauswahl finden Sie unter „Benötigte Ausstattung“.

Bau- und Bastelphase
Hat sich die Gruppe gemeinsam für eine Idee und Materialien entschieden, folgt die „Bau- und Bastelphase“. Hier sollte genügend Zeit für den Bau der Kulisse und der Objekte bzw. „Hauptdarsteller*innen“ eingeplant werden. Je nach Materialien und Unterstützungsbedarf kann dies unter Umständen 1-3 Stunden dauern. 

Dreharbeiten
Anschließend beginnen die Dreharbeiten. Auch hierfür sollten ca. 1-3 Stunden eingeplant werden. Jedes Kind kann dabei, je nach Voraussetzung, Fähigkeit oder Interesse, eine eigene Rolle bzw. Aufgabe übernehmen. Für die ganz schnellen Kinder gibt es sogar die Möglichkeit, Tonaufnahmen, Effekte und Filter hinzuzufügen. Dies geht entweder direkt in der App oder mit einem externen Programm. Mit einem externen Programm können zudem auch Hintergrundgeräusche und Musik hinzugefügt werden.


Filmpremiere
Ein schönes Erlebnis im Anschluss an die Filmaufnahmen kann eine Ausstellung der gebastelten Filmrequisiten und die Premiere des entstandenen Films (oder der Filme) sein. Hierzu können Freund*innen und Familie eingeladen werden. Dadurch erhalten die Teilnehmenden eine besondere Wertschätzung. Die Filme können als Erinnerung für alle Kinder auf einen Stick gezogen werden.

Screenshot der App "Stopp Motion"
Tipp: Während der Dreharbeiten gibt es die Möglichkeit sich einen „Schatten“ des vorher aufgenommen Bildes anzeigen zu lassen. Dies ist besonders hilfreich, um zu sehen, wo die Figuren vorher standen und wie weit man sie nun bewegt hat.

Benötigte Ausstattung

  • Stop Motion Studio (iOS/ Android) 
    Diese gibt es mit einer kostenfreien Basisversion oder mit erweiterten Funktionen als Pro-Variante (ca. 6 Euro)
  • Tablets/Smartphones
    (Anzahl variiert je nach Gruppengröße: Empfehlung 1 Tablet/Smartphone für 5 Kinder)
  • Stative mit Tablet- bzw. Smartphone-Halterung
  • Evtl. Beamer oder großer Bildschirm
  • Je nach Filmidee:
    • Lego
    • Knete (+Draht)
    • Plakate
    • Bastelmaterial (Kleber, Schere, Stifte, Buntpapier, Bügelplüsch etc.)
    • Bauklötze
    • Handpuppen, Plüschtiere
    • Magnete
    • Schnur
    • Puzzle
    • Ballons
    • Bücher
    • ggf. Kreppband (zum Abkleben von Positionen)

Vorbereitung

Tipps:

Andere Anwendungsmöglichkeiten

Die App „Stop Motion Studio“ ist sehr universell einsatzbar. Gerade die „Pixilation“-Variante eignet sich auch für ältere Zielgruppen. Pixilation bezeichnet das Filmen von Personen mit Einzelbildschaltung. 
Beispiele: https://www.youtube.com/watch?v=JU1wf33mUfQ

Daraus lassen sich spannende Kombinationen aus Wirklichkeit und Fiktion erschaffen. Weitere „Stop Motion“-Projekte können auch Urlaubsberichte, Kunstprojekte und themenspezifische Videos sein. Die Kombination aus Greenscreen und „Stop Motion“ schafft weitere Gestaltungsmöglichkeiten (App-Empfehlung: Green Screen by Do Ink. )

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