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Eine Tafel, auf die eine Hand ein Frage- und Ausrufezeichen schreibt.

Inklusion in der Bildung: Fragen und Antworten

21.06.2019
Eltern Unsicherheit
Wie können Eltern unterstützt werden, deren Kinder gerne die Regelschule besuchen (möchten), die aber ständig zu hören bekommen, ihr Kind sei a) falsch auf dieser Schule bzw. b) ihr Kind nehme Schaden durch die Beschulung auf einer Regelschule?
 
Antwort von Bernd Kochanek

Leider erleben viele Eltern von beeinträchtigten Kindern immer wieder, dass Lehrkräfte und auch außerschulische Beratungsstellen nach Gründen suchen, warum das betreffende Kind an einer Sonderschule besser aufgehoben ist. Eltern können in einem solchen Fall lediglich unterstützt und ermutigt werden, eine Schule zu finden, an der ihr Kind willkommen ist. Hierfür ist zum aktuellen Zeitpunkt auch ein Umzug hin zu einer Schule, die das zu leisten bereit ist, nicht abwegig.

Unterstützend können Fortbildungsveranstaltungen mit Referent*innen wirken, die das Bemühen um Inklusive Bildung als Reformmotor für qualitativ höherwertige Schulbildung sehen. Solche Veranstaltungen helfen die Haltung der in der Schule tätigen Menschen zu verändern. Solche Fortbildungen müssen im inklusiven Prozess regelmäßig und verpflichtend durch die Schulleitung durchgeführt werden.

Eltern von beeinträchtigten Kindern müssen während der inklusiven schulischen Laufbahn ihrer Kinder begleitet werden. Insbesondere, wenn sie „einseitiger Wegberatung“ ausgesetzt sind, schaffen sie es nicht – neben dem Aufwand, den ein Kind mit Behinderung von seiner Familie immer auch einfordert – ihren legitimen Wunsch nach einer inklusiven Regelbeschulung zu verteidigen. Dies gelingt in der Regel nur mit allergrößter Anstrengung und im Einzelfall aufrecht zu erhalten. Bisweilen sind die Sozialen Medien dafür eine Kraftquelle, auch andere Elternforen und der Familienratgeber.

17.05.2019
Sensibilisieren Unsicherheit
Wie kommuniziere ich das Thema Inklusion am besten gegenüber Eltern, insbesondere den Eltern, die skeptisch oder gar ablehnend sind?
Antwort von Bernd Kochanek

„Inklusion“ löst in der Regel eine babylonische Sprachverwirrung aus. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner reden aneinander vorbei, weil sie den Begriff unterschiedlich verstehen bzw. unterschiedliche Erfahrungen damit verbinden. Eltern hören davon, dass ihre Schule ein „Inklusionskonzept“ hat, erleben jedoch, dass die Lehrkräfte dennoch keine individuelle Förderung leisten. Insofern sollte man klarstellen, dass Inklusion genau das Gegenteil von Gleichmacherei ist und einen Unterricht erfordert, der sich um jeder/jede einzelne/r SchülerIn bemüht und in dem Lernanforderungen und Lernkompetenzen aufeinander abgestimmt werden.

Wenn ein Gespräch über „Inklusion“ über den Austausch von Vorurteilen über Schule nicht hinauskommt, lässt sich gar nicht über „Inklusion“ reden. Treffen wir aber auf eine Offenheit, Schule vom Kind aus – also neu – zu denken, kann vielleicht ein Funke überspringen, dass Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler das Schulleben gemeinsam umgestalten. Anders zu handeln ist oftmals wirksamer als zu diskutieren. Eltern, die der „Inklusion“ skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen, werden sich auf Dauer dem neuen Denken nicht entziehen.

Um Umdenken und Neuhandeln in Schulen nachhaltig zu machen, ist es ratsam, mit Selbsthilfegruppen zusammenzuarbeiten, die sich mit inklusiven Prozessen und den Gegebenheiten vor Ort auskennen. Diese könnten z.B. öffentlichkeitswirksame Aufklärungsarbeit machen, um den Prozess zu begleiten. Eltern sollten darüber hinaus Inklusionsfachverbände für kommunalpolitische Weichenstellungen in Gesprächen mit Schulleitung, Schulaufsicht, Eltern- und Schüler*innen-Vertretung sowie dem Schulausschuss hinzuziehen.

11.09.2018
Unsicherheit Praxis-Tipps
Ich bin Lehrer an einer Regelschule. Wie soll das gehen, wenn zukünftig auch Schüler mit schwerer Mehrfachbehinderung in meine Klasse kommen – ich fühle mich schon bei dem Gedanken überfordert. Wer kann mir helfen bzw. wo gibt es praxisbezogene Tipps?

Ein spontanes Überforderungsgefühl ist absolut nachvollziehbar. Denn zuerst stellt sich ja die Frage an die eigene Person:

  • Habe ich schon Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung, auf die ich positiv zurückblicke?
  • Wie geht es mir ganz privat damit?
  • Welche Einstellungen, Ängste oder Vorstellungen habe ich überhaupt in Bezug auf Menschen mit Behinderungen?

Und dann kommen weitere Fragen an die Rolle und Aufgabe des Lehrers:

  • Wie kann ich einen Schüler mit besonderen Bedürfnissen schulisch gut begleiten, zielorientiert und effektiv unterrichten?
  • Welche Hilfen und Tipps gibt es da, worauf ist zu achten?

Schüler mit einer schweren Mehrfachbehinderung sind in besonderer Weise darauf angewiesen, dass ihre Grundbedürfnisse abgesichert und Hindernisse aus dem (Lern-)Weg geräumt werden, die sie nicht selbst bewältigen können. Unabhängig vom gewählten Lernort benötigen sie Unterstützung in der Verrichtung des täglichen Lebens und der Pflege.

Darüber hinaus partizipieren sie an Kultur und Bildung, so dass eine Lehrkraft aufgefordert ist, hier passende und hilfreiche Lern-und Förderangebote zu machen. Man braucht neben der entsprechenden inneren Haltung auch das nötige didaktisch-methodische Handwerkszeug, das z.B. die Sonderpädagogik bieten kann.

Sonderpädagogische Förderzentren, Schulberatungsstellen oder Mobile Sonderpädagogische Dienste bieten je nach Bundesland unterschiedliche Anlaufstellen, bei denen Praktiker zusammen mit Ihnen einen guten Start erarbeiten.

Eine Übersicht mit Hilfen und Tipps für den Anfang habe ich auch in dieser Praxishandreichung zusammengestellt:

Für unterrichtlich sinnvolle Lernaktivitäten, die eher in einer Differenzierungssituation oder Einzelförderung angeboten werden können, habe ich hier Anregungen zusammengestellt:

Aus beruflicher Sicht kann es interessant und spannend sein, sich in neue, sonderpädagogische Felder einzuarbeiten und dabei quasi fortzubilden. Dies braucht Zeit und Freiräume, die man sich selbst auch zugestehen darf. Aus menschlicher Sicht geht es um eine zwanglose Begegnung auf Augenhöhe – den neuen Schüler kennenlernen, neugierig und offen zu sein für die Eigenheiten dieser Persönlichkeit steht dabei aus meiner Sicht immer an erster Stelle.

08.05.2018
Unsicherheit Vorteil
Wer profitiert eigentlich von Inklusion? Im Moment habe ich das Gefühl, sie macht Pädagoginnen und Pädagogen nur viel mehr Arbeit und allen ein schwereres Leben.

Alle profitieren davon: Es wäre doch gut und sinnvoll, wenn auch unsere zukünftigen Ärzte, Richter, Lehrer, Manager etc. die Verschiedenheit von Menschen schon in der Schule erleben würden. Auf ein Leben in einer vielfältigen Gesellschaft kann im Kindergarten und in der Schule nur durch die Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens vielfältiger Menschen vorbereitet werden. Das Zusammenleben und der angstfreie Umgang von Menschen aus verschiedenen Kulturen wird zur Selbstverständlichkeit – in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz. Gemeinsam mit Gleichaltrigen, welche in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind, lernen alle Rücksichtnahme und Verständnis für eingeschränkte Bewegungs- und Denkfähigkeiten. Diese Grundfähigkeit benötigen Kinder und Jugendliche in der Schule und vielleicht im Umgang mit ihren eigenen Großeltern. Die Sozialisationsfunktion von Schule wird in der Zukunft immer wichtiger werden. Der Umgang mit neuen Medien, die Nutzung von Internet und digitalem Lernen machen es notwendig, dass sich Heranwachsende angstfrei und kreativ auf ihre Zukunft vorbereiten. Da ist mehr gefordert als konkurrenzorientiertes Aneignen von Techniken und Kenntnissen.

mehr zu den "Mehrwerten von Inklusion" im Video erfahren