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Eine Tafel, auf die eine Hand ein Frage- und Ausrufezeichen schreibt.

Inklusion in der Bildung: Fragen und Antworten

17.05.2019
Sensibilisieren Unsicherheit
Wie kommuniziere ich das Thema Inklusion am besten gegenüber Eltern, insbesondere den Eltern, die skeptisch oder gar ablehnend sind?
Antwort von Bernd Kochanek

„Inklusion“ löst in der Regel eine babylonische Sprachverwirrung aus. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner reden aneinander vorbei, weil sie den Begriff unterschiedlich verstehen bzw. unterschiedliche Erfahrungen damit verbinden. Eltern hören davon, dass ihre Schule ein „Inklusionskonzept“ hat, erleben jedoch, dass die Lehrkräfte dennoch keine individuelle Förderung leisten. Insofern sollte man klarstellen, dass Inklusion genau das Gegenteil von Gleichmacherei ist und einen Unterricht erfordert, der sich um jeder/jede einzelne/r SchülerIn bemüht und in dem Lernanforderungen und Lernkompetenzen aufeinander abgestimmt werden.

Wenn ein Gespräch über „Inklusion“ über den Austausch von Vorurteilen über Schule nicht hinauskommt, lässt sich gar nicht über „Inklusion“ reden. Treffen wir aber auf eine Offenheit, Schule vom Kind aus – also neu – zu denken, kann vielleicht ein Funke überspringen, dass Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler das Schulleben gemeinsam umgestalten. Anders zu handeln ist oftmals wirksamer als zu diskutieren. Eltern, die der „Inklusion“ skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen, werden sich auf Dauer dem neuen Denken nicht entziehen.

Um Umdenken und Neuhandeln in Schulen nachhaltig zu machen, ist es ratsam, mit Selbsthilfegruppen zusammenzuarbeiten, die sich mit inklusiven Prozessen und den Gegebenheiten vor Ort auskennen. Diese könnten z.B. öffentlichkeitswirksame Aufklärungsarbeit machen, um den Prozess zu begleiten. Eltern sollten darüber hinaus Inklusionsfachverbände für kommunalpolitische Weichenstellungen in Gesprächen mit Schulleitung, Schulaufsicht, Eltern- und Schüler*innen-Vertretung sowie dem Schulausschuss hinzuziehen.

04.02.2019
Sensibilisieren Eltern
Was ist nötig, damit Schulen mit Inklusion starten können?

Ganz unabhängig von der Aufnahme eines Schülers mit einem sogenannten „sonderpädagogischen Förderbedarf“ oder einer Behinderung können Schulen jederzeit damit beginnen, einen inklusiven Schulentwicklungsprozess zu starten. Zusätzliche Ressourcen und Personal für Inklusion können für die Schulentwicklung wichtige Beiträge leisten und sind daher grundsätzlich begrüßenswert.

Sie ersetzen jedoch nicht die hierfür erforderlichen Einstellungen und Haltungen der am Schulentwicklungsprozess beteiligten Akteure. Für den Einstieg in eine inklusive Schulentwicklung ist vor allem die Bereitschaft notwendig, sich mit der vorhandenen Vielfalt in der Schülerschaft, unter den Eltern und KollegInnen aktiv auseinanderzusetzen und sich das Ziel zu setzen, auch die Diversität pädagogischer Konzepte zum Ausgangspunkt der Gestaltung des Schullebens und der Lernangebote zu machen.

Inklusion findet nicht erst statt, wenn ein Kind mit einer sogenannten geistigen oder schweren Behinderung zur Schülerschaft gehört.
Inklusive Pädagogik zielt darauf, die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen, Kompetenzen und Interessen aller Schülerinnen und Schüler stärker zu berücksichtigen und dieser Vielfalt nicht mit externen Differenzierungen oder Gruppenbildungen, sondern z.B. mit einer individualisierungsfähigen Didaktik in gemeinsamen Lernangeboten zu begegnen.

Instrumente, wie der Index für Inklusion, können die gesamte Schulgemeinschaft im Schulentwicklungsprozess und den dazu erforderlichen Reflexionen und Handlungen unterstützen.

20.09.2018
Sensibilisieren
Ein Kind mit Beeinträchtigung kommt neu in die Gruppe bzw. in der neu zusammenkommenden Klasse ist eine Schülerin oder ein Schüler mit Beeinträchtigung. Wie thematisieren Sie dies gegenüber den anderen Kindern und Jugendlichen?

Wenn die Kinder mit sichtbaren Behinderungen oder Besonderheiten im Lernverhalten von Anfang an in einer Lerngruppe sind, ist die Entwicklung des Gemeinschaftsgefühls ohnehin Thema für alle. Kinder im Grundschulalter haben ja noch kein festes Bild, wer zu einer Schulklasse in der Regel gehört, sondern für sie ist es ja normal, dass alle die, die da sind, Mitschülerinnen und Mitschüler sind. Kinder dieser Altersstufe können auch gut nachvollziehen, dass Kinder unterschiedlich behandelt werden und dass das trotzdem gerecht sein kann. Der eine braucht eben mehr Hilfe und Unterstützung, vom anderen wird verlangt, dass er eine Aufgabe allein bewältigt. Unabhängigkeit ist ja durchaus auch ein Gewinn.

Schwieriger wird das oft bei den „nicht sichtbaren Behinderungen“. Gemeint sind hier die Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten aufgrund ihrer emotional-sozialen Entwicklung. Hier muss es den Erwachsenen gelingen, mit der Klasse, aber auch mit dem schwierigen Kind klare Regeln abzusprechen. Gleichzeitig muss auch immer wieder an einer guten zwischenmenschlichen Beziehung festgehalten werden. Das gelingt oft nur, wenn man auch offen über Probleme redet und wenn man andere Lernorte – weg von den klassischen Leistungsbereichen – in das Erfahrungsspektrum der Kinder einbezieht. Klassenfahrten bewirken hier manchmal Wunder. Kinder aus wenig förderlichen häuslichen Milieus genießen die klaren Strukturen während so einer Reise und können sich wenigstens für eine begrenzte Zeit unbeschwerter verhalten. Gerade diese Kinder müssen Gelegenheiten haben, in anderen Zusammenhängen ihre Stärken zu zeigen.