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Inklusion in der Schule

Inklusion in der Schule ist ein viel diskutiertes Thema – und das aus gutem Grund. Denn wenn Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen, geht es um weit mehr als nur um Unterricht: Es geht um Teilhabe und Chancengleichheit. 

24. Juli 2026|5 Minuten Lesedauer|Aktion Mensch Redaktion
Kinder in der Schule lernen gemeinsam

Was bedeutet Inklusion in der Schule?

Inklusion in der Schule heißt: Alle Kinder lernen gemeinsam – unabhängig von Behinderung, Herkunft oder Lern­voraussetzungen. Mindestens genauso wichtig wie Lesen, Schreiben, Rechnen oder das Erlernen von Fremd­sprachen ist, die positive Persönlichkeits­­entwicklung von Menschen zu fördern. Inklusive Bildung bedeutet deshalb auch individuelle Förderung und Unterstützung.

Chancen und Potentiale

Individuelle Förderung statt Standardisierung

Jedes Kind lernt anders. Der Blick auf die Stärken und Schwächen macht deutlich, dass alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von Behinderungen oder diagnostizierten Förder­bedarfen, verschieden sind. Alle Kinder haben unter­schiedliche Interessen und Begabungen, die es zu fördern gilt. Möglich ist eine gezielte Förderung allerdings nur, wenn Lehr- und Lern­formen etabliert werden, die ein individuelles Arbeiten möglich machen. Das Ergebnis: Benachteiligungen werden besser verhindert und Begabungen besser erkannt und gefördert. Ziel­differenter Unterricht, offene Lern­settings sowie individuelle Förder­angebote machen es möglich, dass Kinder und Jugendliche ihre Potenziale besser entwickeln und entfalten können.

Vielfalt als Normalität erleben

Was Kinder und Jugendliche gelernt haben, prägt sie auch als Erwachsene: Wer früh mit Unter­schieden und Vielfalt umgeht, empfindet Inklusion im späteren Leben als ganz selbst­verständlich. Weniger auf Unter­schiede und Defizite zu schauen als vielmehr auf Gemein­samkeiten und Potenziale spielt auch im Berufs­leben eine große Rolle. Menschen mit Inklusions­erfahrung nutzen die Potenziale, die sich durch einen inklusiven Arbeits­markt und die Zusammen­arbeit in heterogenen Teams ergeben, denn Vielfalt sorgt oft auch für neue Ideen.

Menschen mit Behinderung haben durch eine inklusive Schul­laufbahn eindeutig bessere Chancen auf dem Arbeits­markt und damit auf ein selbst­bestimmtes Leben: durch den inklusiven Bildungs­weg haben sie häufig einen besseren Bildungs­abschluss. Das macht eine aufwändige Nach­qualifizierung oder spätere Unter­stützung durch Transfer­leistungen überflüssig.

Stärkung der Persönlichkeit

Der selbst­verständliche Umgang mit Viel­falt trägt zur Werte­bildung bei und schafft ein Bewusstsein für gesellschaft­liche Verantwortung. Kinder und Jugend­liche, die durch inklusive Bildung gelernt haben, mit unter­schiedlichen Menschen umzugehen, sind besser auf die Heraus­forderungen ihres weiteren Lebens- und Ausbildungs­weges vorbereitet.

Gesellschaftlicher Mehrwert

Kinder und Jugend­liche erzielen in inklusiven Settings und im gemeinsamem Unterricht teilweise bessere Leistungen. Wie erklärt sich das? Gelungene Inklusion steigert eindeutig die Qualität von Bildung. Außerdem werden die kognitiven Fähig­keiten von Kindern und Jugend­lichen geschult und verbessert. Ein deutlicher Schwer­punkt liegt auf der Vermittlung von Werten, Einstellungen und einem gesellschaft­lichen Verantwortungs­bewusstsein.

Kooperation als Schlüssel

In inklusiv gestalteten Umgebungen der Kinder- und Jugend­arbeit lernen alle gemeinsam und auch voneinander. Alters­klassen­übergreifende und kooperative Lern­formen und Gruppen­aktivitäten machen es möglich. Alle profitieren von den Stärken der anderen und bringen gleichzeitig ihre eigenen Fähigkeiten ein. Gemeinsam lösen Kinder und Jugend­liche Probleme und hinter­fragen die eigene Arbeits­weise. Aufgaben werden im Team nach persönlichen Stärken und Talenten verteilt.

Gute Beispiele

Dass Inklusion an Schule und OGS gelingen kann, zeigen gelungene Beispiele.

Herausforderungen und Kritik

Kritiker*innen von Inklusion in der Schule argumentieren:

  • Leistungs­starke Kinder werden nicht genug gefördert.
  • Kinder mit Behinderung bremsen das Lern­tempo.
  • Kinder mit Behinderung erleben an Regel­schulen Spott, Aus­grenzung und Versagen.
  • Es fehlen oft qualifizierte Lehr­kräfte, Assistenz­personal sowie barriere­freie Materialien.
  • Die gleiche Förderung und Unter­stützung, die Kinder mit Behinderung auf Förder­schulen erhalten, ist an der Regel­schule nicht finanzierbar.

Alle Studien zum Lern­erfolg zeigen allerdings: Schüler*innen lernen nicht schlechter, wenn Kinder mit Förder­bedarf die Klasse besuchen. Sie lernen genauso gut wie Schüler*innen in nicht inklusiven Klassen.

Es ist empirisch belegt, dass Kinder mit sogenanntem Förder­bedarf im Gemeinsamem Unterricht mehr lernen, besser abschneiden als vergleichbare Schüler*innen an Förder­schulen, im Vergleich bessere Schul­abschlüsse erreichen und weniger von Stigmatisierung betroffen sind. Das gilt unabhängig vom konkreten Förder­bedarf.

Allerdings sind inklusive Schulen und Klassen heute oft noch unzureichend mit personellen Ressourcen aus­gestattet. In der aktuellen Diskussion um die Umsetzung schulischer Inklusion ist häufig von systematischer Unter­finanzierung die Rede. Damit ist gemeint, dass die schulische Inklusion finanziell schlechter dasteht als die Separation.

Schulen, die alle Kinder gemeinsam unterrichten sind langfristig weniger kosten­intensiv als ein komplexes System unter­schiedlicher Schul­typen. Mangelhaft ausgebildete junge Menschen nach­träglich zu qualifizieren ist ebenfalls teurer.

Was sagen Lehrkräfte zu Inklusion an Schulen?

Lehrkräfte sehen die Chancen inklusiver Bildung – doch die Realität hinkt hinterher. 62 Prozent halten gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung grund­sätzlich für sinnvoll, aber nur 17 Prozent finden es unter aktuellen Bedingungen praktikabel. Haupt­probleme sind: fehlendes Fach­personal, große Klassen und mangelnde Aus­stattung.

Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) unter Lehr­kräften an allgemein­bildenden Schulen.

Zur VBE-Umfrage

So kann Inklusion in der Zukunft gelingen

Tatsache ist: Inklusion läuft nicht an allen Schulen gut. So entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, Inklusion sei der falsche Weg. Dass Inklusion aber an vielen Schulen gelingt, wird häufig übersehen. Und auch, dass für einen erfolg­reichen inklusiven Unter­richt bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen.

Zuallererst braucht es den Rück­halt durch die Politik: Land und Kommunen müssen Reformen in der Schul­organisation anstoßen und ermöglichen. Ob es nun um bauliche Veränderungen oder um Unterrichts­konzepte geht. Sie müssen Lehrer*innen auf die neue Vielfalt in den Klassen­zimmern vorbereiten und zusätzlich Sonder­pädagog*innen in den Schulen einsetzen. Und die Politik muss bereit sein, dafür Geld zu geben.

Aber: Geld ist nicht alles. Inklusion ist auch eine Frage der Haltung. Lehrer*innen müssen – ebenso wie Eltern von Kindern ohne Behinderung – offen für die Veränderungen in der Schule sein und konstruktiv zusammen arbeiten. Der Erfolg von schulischer Inklusion hängt also stark von den Menschen vor Ort ab.

Alle Beteiligten müssen sie wollen.

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