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Eine Tafel, auf die eine Hand ein Frage- und Ausrufezeichen schreibt.

Inklusion in der Bildung: Fragen und Antworten

20.09.2018
Eltern Angst
Eltern von Kindern mit oder ohne Beeinträchtigung haben oft Ängste und Vorbehalte, wenn es um die Schulwahl ihres Kindes geht. Welche Sorgen sind das und wie können sie abgebaut werden?

Vieles hängt davon ab, wie die jeweilige Schule im Einzugsgebiet wahrgenommen wird und welchen Ruf sie genießt. An meiner damaligen Schule wurde von den Eltern nicht mehr infrage gestellt, dass es eine Schule für alle ist. Viele Eltern, die für ihr behindertes Kind eine Schule suchten, kamen ganz gezielt zu uns und wollten, dass ihr Kind unsere Schule besucht. In meiner Tätigkeit im Beirat Inklusive Schule bin ich aber auch Eltern begegnet, die den Erhalt von Förderzentren – also Schulen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf – vehement einforderten. Ich glaube, manche Eltern suchen den Schutzraum für ihr behindertes Kind.

Nachvollziehen kann ich die Angst betroffener Eltern, dass den bedürftigen Kindern der Nachteilsausgleich streitig gemacht werden könnte, bzw. dass die für die Lehrertätigkeit notwendigen „neuen“ sonderpädagogischen Kompetenzen noch nicht ausreichend in die Lehrerbildung integriert wurden. Inklusive Schulen öffnen ja ihre Türen weitgehend uneingeschränkt für alle Kinder und kein Kind sollte durch eine Statusdiagnostik etikettiert werden. Dennoch müssen wir im Prozess der Förderplanung klar feststellen, was das Kind braucht, um erfolgreich zu lernen bzw. um gefördert zu werden.

Meine Erfahrung in mehr als 20 Jahren mit schwerer behinderten Kindern hat mich aber überzeugt, dass auch geistig behinderte und schwer mehrfach behinderte Kinder in der Regel mit dem „normalen“ Schulleben zurechtkommen, wenn sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern eine weitgehend vorurteilsfreie Haltung handlungsleitend ist. Und hierfür gilt: Ängste und Vorbehalte können am besten abgebaut werden, wenn wir miteinander im Gespräch bleiben und Begegnungen von ganz unterschiedlichen Kindern der Normalfall ist – und zwar bereits vor dem Eintritt in die Schule.

Erfahren Sie mehr zum Thema "Elternarbeit" an unserem Beispiel der Marie-Kahle-Gesamtschule Bonn

14.05.2018
Eltern Angst
Ich führe immer wieder die gleichen Gespräche mit Eltern, die Angst haben, dass ihr Kind nicht genug lernt, beziehungsweise in inklusiven Settings zu kurz kommt. Was sind in diesem Kontext die fünf wichtigsten Argumente?
Antwort von Lisa Reimann

Alle Studien zum Lernerfolg zeigen: Schülerinnen und Schüler lernen nicht schlechter, wenn Kinder mit Förderbedarf die Klasse besuchen. Sie lernen genauso gut wie Schülerinnen und Schüler in nicht inklusiven Klassen. In einigen Studien weisen sie sogar bessere Ergebnisse auf als in Klassen ohne Kinder mit Behinderungen. Ein Grund für diese guten Ergebnisse ist die Differenzierung und die inklusive Didaktik. Die kooperativen Arbeitsformen und die individuelle Förderung aller Kinder wirken sich positiv auf die Lernprozesse aus. Fakt ist: Die Leistungsheterogenität, also die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerschaft in einer Klasse, ist für die Leistungsentwicklung völlig egal (vgl. DESI 2006, S. 52). Inklusive Settings mit ihren komplexeren sozialen Situationen bieten vielfältigere Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten. Die Stärkung des Sozialverhaltens, der Empathie, Rücksichtnahme und die Förderung von

Teamwork sind Softskills, die in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt immer wichtiger werden. Das Gefühl der Anerkennung und die Willkommenskultur tragen zu einem angstfreien Klima bei. Kinder, die der permanenten Angst ausgesetzt sind, „sitzen zu bleiben“, die Schule wechseln zu müssen oder zu versagen, können nicht gut lernen. Inklusive Bildung vertritt ein demokratisches Bildungsverständnis. Alle Kinder sollen gleichberechtigt und chancengleich lernen können.