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Eine Tafel, auf die eine Hand ein Frage- und Ausrufezeichen schreibt.

Inklusion in der Bildung: Fragen und Antworten

03.05.2018
Praxis-Tipps
Ich habe das Gefühl, zum Thema Inklusion gibt es mittlerweile viele Fortbildungsangebote, aber wo finde ich diese beziehungsweise was zeichnet ein gutes Fortbildungsformat zu diesem Thema eigentlich aus?

Das richtige Angebot zu finden ist nicht immer einfach, da die Inklusion ein weites und komplexes Feld ist. Die eine Veranstaltung, in der ich alles Wesentliche gleich lernen und dies dann in die Praxis umsetzen kann, gibt es vermutlich nicht. Dennoch gibt es Überlegungen, die bei der Suche hilfreich sind:

  • Suche ich Angebote für den schulischen oder den außerschulischen Bereich?
  • Benötige ich Grundlagen-Wissen (Theorie, Hintergründe, Basiswissen unter anderem zum Thema Behinderung)?
  • Geht es mir um die Initiierung von Projekten, Prozessen oder Strukturen?
  • Geht es mir um die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Eltern?
  • Brauche ich neue pädagogische Konzepte und Methoden für meine Arbeit?
  • Benötige ich konkrete Hilfestellungen zum Transfer in die Praxis?
  • Will ich Kooperationen und Netzwerke aufbauen?
  • Benötige ich Wissen zur Finanzierung inklusiver Projekt- und Prozessarbeit?

Empfehlenswert sind Weiterbildungen, die verschiedene Themen abdecken, sich dann aber auch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Wichtigste Akteure – schulisch und außerschulisch

Das Angebot umfasst sowohl Einzelveranstaltungen als auch mehrtägige Fort- und längerfristige Weiterbildungen. Entscheidend ist auch hier die Frage, was konkret für die aktuelle Situation gebraucht wird und wie akut der Bildungsbedarf ist.

Den schulischen Bedarf an Angeboten decken die Bildungsakademien der Kultusministerien inzwischen sehr gut ab.

Interessante Angebote für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit gibt es beispielsweise hier:

Interessante Angebote gibt es in Bezug auf das „sozialräumliche Arbeiten“, da sich dieses Fachkonzept für eine Umsetzung inklusiver Projekte und die Gestaltung inklusiver Prozesse in der Praxis als sehr hilfreich erweist: Ein Anbieter ist beispielsweise das Institut Lüttringhaus – Institut für Sozialraumorientierung, Quartier- und Case-Management.

Außerdem empfehlenswert sind folgende Weiterbildungen:

Auf dem freien Markt gibt es zudem freiberufliche Dozentinnen und Dozenten, die selbst aus der Praxis kommen und Inhouse-Veranstaltungen anbieten, welche sehr konkret auf die Dienste und Einrichtungen zugeschnitten werden können. Hier empfiehlt sich etwa:

  • die Anfrage bei Inklusionsbüros beziehungsweise -agenturen freier gemeinnütziger Träger oder Inklusionsnetzwerken (z.B. Inklusionsagentur WIR ALLE Aachen, Netzwerk Inklusion Region Freiburg, Inklusionsbüro Schleswig-Holstein, Invema e.V. Siegen, Martinsclub Bremen, Netzwerk Inklusion Hameln). Sie stehen mitten in der Praxis, haben selbst eine Reihe von Fortbildungen durchlaufen und sind regional wie überregional sehr gut vernetzt. Sie bieten teilweise auch selbst Inhouse-Schulungen an.
  • die Inklusionslandkarte. Dort kann gezielt nach Referentinnen und Referenten beziehungsweise Ansprechpartnern gesucht werden, die teilweise bundesweit unterwegs sind beziehungsweise gut mit Referentinnen und Referenten vernetzt sind.
  • ein Blick in die Fortbildungsprogramme der Akademien von Bundes- und Wohlfahrtsverbänden, beispielsweise
    • Paritätisches Bildungswerk Bundesverband
    • inform – Bildungsinstitut der Lebenshilfe Bundesvereinigung

Hier können Sie gezielt nach Inhouse-Veranstaltungen fragen. Bei der Suche nach Referentinnen und Referenten werden Sie unterstützt.

Die wichtigsten Qualitätskriterien: Woran erkenne ich die Guten?

Viele Fortbildungen sind oft nur unzureichend beschrieben. Daher lassen sich die Qualitätsmerkmale von Veranstaltungen nur schwer ausmachen beziehungsweise vergleichen. Ich empfehle in solchen Fällen die konkrete Nachfrage bei den Anbietern.

Zu den wichtigsten Qualitätskriterien von Fortbildungsveranstaltungen zählen:

  • Ausgewogene Mischung der Programminhalte aus Theorie und dem Blick in die aktuelle Praxis
  • Erfahrene Referentinnen und Referenten, die aus der Praxis kommen und einen klaren Bezug zur Praxis haben (Hinweise lesen beziehungsweise anfordern)
  • Gestaltungs- und Methodenmix: Vermittlung wesentlicher Theorieinhalte, Dialog, interaktives Arbeiten in Arbeitsgruppen und im Plenum, Reflexion
  • Erarbeitung von Transfer des Gelernten in die Praxis
  • Blick auf erforderliche und vorhandene Ressourcen zur Umsetzung
  • Möglichkeiten des Dialogs
  • Vorhandensein hilfreicher Arbeitsmaterialien für die Arbeit in der Praxis

Ganz persönlich empfehle ich Veranstaltungen, die zeitlich nicht zu knapp bemessen sind: Mindestens sechs Stunden Lern-Arbeitszeit zuzüglich Pausen wären optimal.

08.05.2018
Unsicherheit Vorteil
Wer profitiert eigentlich von Inklusion? Im Moment habe ich das Gefühl, sie macht Pädagoginnen und Pädagogen nur viel mehr Arbeit und allen ein schwereres Leben.

Alle profitieren davon: Es wäre doch gut und sinnvoll, wenn auch unsere zukünftigen Ärzte, Richter, Lehrer, Manager etc. die Verschiedenheit von Menschen schon in der Schule erleben würden. Auf ein Leben in einer vielfältigen Gesellschaft kann im Kindergarten und in der Schule nur durch die Selbstverständlichkeit des Zusammenlebens vielfältiger Menschen vorbereitet werden. Das Zusammenleben und der angstfreie Umgang von Menschen aus verschiedenen Kulturen wird zur Selbstverständlichkeit – in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz. Gemeinsam mit Gleichaltrigen, welche in ihren Fähigkeiten eingeschränkt sind, lernen alle Rücksichtnahme und Verständnis für eingeschränkte Bewegungs- und Denkfähigkeiten. Diese Grundfähigkeit benötigen Kinder und Jugendliche in der Schule und vielleicht im Umgang mit ihren eigenen Großeltern. Die Sozialisationsfunktion von Schule wird in der Zukunft immer wichtiger werden. Der Umgang mit neuen Medien, die Nutzung von Internet und digitalem Lernen machen es notwendig, dass sich Heranwachsende angstfrei und kreativ auf ihre Zukunft vorbereiten. Da ist mehr gefordert als konkurrenzorientiertes Aneignen von Techniken und Kenntnissen.

mehr zu den "Mehrwerten von Inklusion" im Video erfahren

09.05.2018
Inklusionsquote
Bezogen auf die Entwicklung von inklusiver Bildung in Deutschland fällt auf, dass die Inklusionsanteile in allen Bundesländern ansteigen – die Zahl der Schüler an Förderschulen aber trotzdem nicht viel weniger wird. Woran liegt das, beziehungsweise was bedeutet das? Welche Zahlen beschreiben den Status Quo der Inklusion in Deutschland am besten?

Laut Statistik wurde 2016 in Deutschland bei 7,2 Prozent (Förderquote) aller Schülerinnen und Schüler ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. 4,3 Prozent davon besuchte Förderschulen (Exklusionsquote), 2,9 Prozent allgemeine Schulen (Inklusionsquote). In den Jahren seit 2008 hat sich der Anteil der exklusiv in Förderschulen unterrichteten Schülerinnen und Schüler nur um 0,6 Prozentpunkte von 4,9 Prozent auf 4,3 Prozent verringert. Damit wird die Vorgabe der UN-Konvention, allen Kindern den Zugang zu inklusiven Schulen zu bieten, verfehlt. Diese Feststellung steht im Widerspruch dazu, dass der Anteil der Kinder mit einem besonderen Förderbedarf, die allgemeine Schulen besuchen, an der Gesamtheit der zu fördernden Kinder (Inklusionsanteil) von 18,4 Prozent (2008) auf 39,3 Prozent (2016) angestiegen ist. Dies erklärt sich wie folgt: In den allgemeinen Schulen werden vermehrt schwache Schülerinnen und Schüler als "förderungsbedürftig" diagnostiziert, sodass dort die Gruppe mit sonderpädagogischem Förderbedarf wächst – ohne dass die Schülerinnen und Schüler mit diesem Bedarf in den Förderschulen entsprechend kleiner wird.

Zahlen, Daten und Fakten zu inklusiver Bildung im Überblick

09.05.2018
DGS
Gebärdensprache finden Kinder total interessant. Dabei taucht bei uns immer wieder die Frage auf: Gibt es weltweit eigentlich eine einheitliche Gebärdensprache oder hat jedes Land seine eigene? Und wenn ja, können gehörlose Menschen sich damit trotzdem untereinander verständigen?

Obwohl es eine Art „Grundsprache“ gibt, die fast jeder Gebärdensprachnutzer beherrscht, hat jedes Land einen eigenen Gebärdenwortschatz und -dialekte, weil sie eine eigenständige Sprache ist, wie z.B. Spanisch. In Deutschland gibt es die Deutsche Gebärdensprache (DGS). Sie ist eine visuelle Sprache mit eigener Grammatik, in der Satzinhalte durch Mimik, Körperhaltung, Mundbild und Mundgestik sowie Gebärdenwörter dargestellt werden. Gebärdenwörter für Dinge wie AUTO etc. sind überall fast gleich, abstrakte Wörter z.B. für FARBEN können dagegen sehr unterschiedlich sein. Im Ausland kommt man besser mit der Internationalen Gebärdensprache (ISL) weiter, sie unterscheidet sich von Kontinent zu Kontinent. Zusätzlich zur Gebärdensprache gibt es das Fingeralphabet, um schwierige oder fremde Wörter mit den Fingern zu buchstabieren. Es ist nicht überall gleich. So ist es z.B. in England üblich, beide Hände zu nutzen. Ein Ersatz für Gebärdenworte ist das Fingeralphabet nicht. All das und mehr lernt man in DGS-Kursen. Hier erfährt man auch spannende Dinge zur Geschichte der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur.

Jetzt herunterladen:
Poster „Kurz erklärt: Die Deutsche Gebärdensprache und das Fingeralphabet“
Klappkarte mit Braille-ABC „Lesen mit dem Tastsinn. Das deutsche Braille-Alphabet“

14.05.2018
Empowerment
Beim Thema Inklusion fällt oft das Stichwort „Partizipation“. Alle finden das wichtig, auch bei uns an der Schule, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Nur die Schülervertretung oder auch etwas anderes? Und was ist eigentlich Empowerment?

Partizipation bedeutet Beteiligung, Teilhabe, Mitbestimmung und geht weit über die Schülervertretung (SV) hinaus. Um Teilhabe zu ermöglichen, muss man überhaupt erst in der Lage sein, mitzuwirken. Das ist Empowerment (Selbstbefähigung). In der SV-Arbeit haben Schüler gleichberechtigt und selbstbestimmt an Entscheidungsprozessen im Schulalltag teil und sind an diesen Prozessen beteiligt. Dies gilt auch für das Thema Inklusion. Partizipation heißt in diesem Zusammenhang auch, dass man selbst die Initiative für Dinge ergreifen kann, die auch über den Schulalltag hinaus wichtig sind und für die Menschen sensibilisiert werden müssen.

Diesen Grundsatz verdeutlicht auch das Motto „Nichts über uns ohne uns“ der Selbstbestimmt Leben-Bewegung. Bezogen auf die inklusive SV-Arbeit bedeutet das, dass nicht über Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen bestimmt wird, ohne sie vorher an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

An meiner früheren Schule wurden all diese Prinzipien gelebt, da es einen Inklusionsbeirat gab, in dem Schüler mit Behinderungen vertreten waren. Der Inklusionsbeirat war an allen Fragen rund um das Thema Inklusion beteiligt.

Tipp:
Lernmaterialien „Jeder ist anders - alle sind gleich - das Thema Vielfalt für die Klassen 1-12