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Eine Tafel, auf die eine Hand ein Frage- und Ausrufezeichen schreibt.

Inklusion in der Bildung: Fragen und Antworten

15.05.2018
Mobbing Praxis-Tipps
Ein Kind in meiner Gruppe beziehungsweise Klasse wird von den anderen Kindern nicht akzeptiert. Wie gehe ich damit um, was kann ich tun?

Die Frage ist nicht neu, Ausgrenzung oder Mobbing hat es immer gegeben. Was kann helfen?

  1. Meine Haltung, meine innere Einstellung zu jedem Kind oder Jugendlichen ist grundsätzlich positiv: du bist mir willkommen! Ich mag dich, akzeptiere dich so, wie du bist.
  2. Diese Haltung überträgt sich auf das soziale Gefüge in der Klasse, wenn ich mit den mir anvertrauten Schülerinnen und Schülern ein sehr gutes Vertrauensverhältnis aufbauen kann.
  3. Beziehungsarbeit: Zwischen den Schülerinnen und Schülern und mir als Lehrperson und auch in der Dreieckskonstruktion Schüler - Lehrperson - Eltern.

Jeder Fachunterricht bietet Raum und Zeit für soziale Themen, etwa „Wir sind verschieden – und das ist gut so!“

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten in unterschiedlichen didaktisch-methodischen Zusammenhängen:

  1. Was zeichnet den anderen aus, wo sehe ich seine Stärken?
  2. Mit welchen Besonderheiten des anderen komme ich nicht so gut klar?
  3. Was kann ich akzeptieren und wo benötige ich Unterstützung?
  4. Wie möchte ich gern von den anderen gesehen werden?

Alle in der Klasse sollten sich in ihrem möglichen Rahmen beteiligen, auch die Lehrperson, Assistenz und andere pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Mit der Beantwortung dieser Fragestellungen bekommen alle ein ganz anderes Verständnis füreinander. Es ermöglicht auch, Fragen zum Nachteilsausgleich oder zur Assistenz für den Einzelnen zu beantworten. Beziehe ich auch die Eltern ein (z.B. im Rahmen einer Präsentation der Unterrichtsergebnisse und im Rahmen eines Elternbesuches), kann ich mir auch von ihnen Unterstützung holen.

In der Konsequenz dieses Unterrichtsthemas, das auch auf eine ganze Unterrichtseinheit oder ein Projekt ausgeweitet werden kann, indem ich beispielsweise auch die Freizeitinteressen der Lernenden einbeziehe (gemeinsamer Besuch von Freizeiteinrichtungen, die einzelne Schülerinnen und Schüler nutzen), lernen alle die Stärken der anderen kennen, die wiederum für den Unterricht in anderen Fächern oder außerunterrichtlichen Aktivitäten aufgegriffen beziehungsweise genutzt werden können.

Einen „Nachteil“ hat dieser Weg: Er muss immer wieder neu gegangen werden, nur unter anderen Ausgangsbedingungen. Aber: Es wird zusehends LEICHTER!

15.05.2018
Integration Definition
Inklusion – was bedeutet das eigentlich für den schulischen und außerschulischen Bereich?
Antwort von Aktion Mensch

Der Begriff „Inklusion“ wird in Abgrenzung zum Begriff „Integration“ benutzt: Während bei der Integration nachträglich versucht wird, Menschen einzugliedern, geht es bei der Inklusion darum, die Gesellschaft von Anfang an so zu gestalten, dass jeder Mensch gleichberechtigt an allen Prozessen teilhaben und sie mitgestalten kann – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer Zugehörigkeit und sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter etc. Inklusive pädagogische Ansätze betonen Vielfalt in Bildung und Erziehung als Bereicherung für alle, da soziale Kompetenzen und gegenseitiger Respekt gefördert werden und niemand vom gemeinsamen Lernen und Leben ausgeschlossen wird.

Mehr über Inklusion erfahren

15.05.2018
Mobbing
Unter Jugendlichen ist es normal, Begriffe wie Spasti, Opfer oder auch „behindert“ zu benutzen, um andere abzuwerten. Ich würde das gerne mal in meiner Jugendgruppe thematisieren – gibt es dazu gute Materialien oder Argumentationshilfen, um das jugendgerecht zu bearbeiten?
Antwort von Uwe Nicksch

Beleidigungen dürfen sein, allerdings sollten sie doch kreativer sein als „Spasti“ oder die weit verbreitete Phrase „Bist du behindert!?“. Um Diskriminierung behinderter Menschen zu reduzieren, wird jedoch mehr als ein Austausch von Wörtern nötig sein.

Inklusion beginnt nicht erst in der Schule – auch wenn das Thema im Unterricht behandelt werden sollte. Kinder werden auch durch den sozialen Umgang ihrer Eltern, vielfältige Kinderbücher und die natürliche Begegnung  mit behinderten Gleichaltrigen geprägt. Der direkte Kontakt von Kindern mit und ohne Behinderung in Schulen, Vereinen oder Ferienfreizeiten zeigt die Vielfalt der Gesellschaft und lässt Berührungsängste untereinander verschwinden. Dadurch werden daher genannte Beleidigungen womöglich hinterfragt und auch vermieden.

Tipp:
Film-Clips und Begleitheft mit Impulsen für inklusive Bildung in Schule und Freizeit mit Schwerpunktthemen Anderssein, Sprache, Mut, Zukunft, Schönheit, soziales Engagement, Vorurteile und vieles mehr
Postkarte mit Brailleschrift: So fühlt sich Respekt an

14.05.2018
Empowerment
Beim Thema Inklusion fällt oft das Stichwort „Partizipation“. Alle finden das wichtig, auch bei uns an der Schule, aber was ist damit eigentlich genau gemeint? Nur die Schülervertretung oder auch etwas anderes? Und was ist eigentlich Empowerment?

Partizipation bedeutet Beteiligung, Teilhabe, Mitbestimmung und geht weit über die Schülervertretung (SV) hinaus. Um Teilhabe zu ermöglichen, muss man überhaupt erst in der Lage sein, mitzuwirken. Das ist Empowerment (Selbstbefähigung). In der SV-Arbeit haben Schüler gleichberechtigt und selbstbestimmt an Entscheidungsprozessen im Schulalltag teil und sind an diesen Prozessen beteiligt. Dies gilt auch für das Thema Inklusion. Partizipation heißt in diesem Zusammenhang auch, dass man selbst die Initiative für Dinge ergreifen kann, die auch über den Schulalltag hinaus wichtig sind und für die Menschen sensibilisiert werden müssen.

Diesen Grundsatz verdeutlicht auch das Motto „Nichts über uns ohne uns“ der Selbstbestimmt Leben-Bewegung. Bezogen auf die inklusive SV-Arbeit bedeutet das, dass nicht über Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen bestimmt wird, ohne sie vorher an den Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

An meiner früheren Schule wurden all diese Prinzipien gelebt, da es einen Inklusionsbeirat gab, in dem Schüler mit Behinderungen vertreten waren. Der Inklusionsbeirat war an allen Fragen rund um das Thema Inklusion beteiligt.

Tipp:
Lernmaterialien „Jeder ist anders - alle sind gleich - das Thema Vielfalt für die Klassen 1-12

14.05.2018
Eltern Angst
Ich führe immer wieder die gleichen Gespräche mit Eltern, die Angst haben, dass ihr Kind nicht genug lernt, beziehungsweise in inklusiven Settings zu kurz kommt. Was sind in diesem Kontext die fünf wichtigsten Argumente?
Antwort von Lisa Reimann

Alle Studien zum Lernerfolg zeigen: Schülerinnen und Schüler lernen nicht schlechter, wenn Kinder mit Förderbedarf die Klasse besuchen. Sie lernen genauso gut wie Schülerinnen und Schüler in nicht inklusiven Klassen. In einigen Studien weisen sie sogar bessere Ergebnisse auf als in Klassen ohne Kinder mit Behinderungen. Ein Grund für diese guten Ergebnisse ist die Differenzierung und die inklusive Didaktik. Die kooperativen Arbeitsformen und die individuelle Förderung aller Kinder wirken sich positiv auf die Lernprozesse aus. Fakt ist: Die Leistungsheterogenität, also die unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerschaft in einer Klasse, ist für die Leistungsentwicklung völlig egal (vgl. DESI 2006, S. 52). Inklusive Settings mit ihren komplexeren sozialen Situationen bieten vielfältigere Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten. Die Stärkung des Sozialverhaltens, der Empathie, Rücksichtnahme und die Förderung von

Teamwork sind Softskills, die in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt immer wichtiger werden. Das Gefühl der Anerkennung und die Willkommenskultur tragen zu einem angstfreien Klima bei. Kinder, die der permanenten Angst ausgesetzt sind, „sitzen zu bleiben“, die Schule wechseln zu müssen oder zu versagen, können nicht gut lernen. Inklusive Bildung vertritt ein demokratisches Bildungsverständnis. Alle Kinder sollen gleichberechtigt und chancengleich lernen können.