Inklusives Wassersportzentrum Wilhelmshaven

Vom Segeln bis zum Kajakfahren: Im inklusiven Wassersportzentrum Wilhelmshaven gibt es vielfältige Sportarten zu entdecken. Einen besonderen Fokus legt das Zentrum dabei auf ein inklusives Angebot. Alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, können hier gemeinsam Sport treiben.
Auf einem Standup-Paddle, auf dem Wsser, sind ein Mann der auf einem Stuhl sitzt, sowie ein stehende Frau zu sehen. Beide halten ein Paddel in der Hand.
Raus aufs Wasser, den Wind und die Wellen genießen: Das geht im inklusiven Wassersportzentrum Wilhelmshaven auf ganz unterschiedliche Weise. Egal, ob Stehpaddeln, Kajakfahren oder Segeln – die inklusiven Angebote des Vereins sind so ausgelegt, dass jeder mitmachen kann – auch Nichtschwimmer. Seit April 2021 bietet das Wassersportzentrum inklusive Angebote an. Zu Beginn ging es vor allem darum, die Ängste und Vorbehalte der bisherigen Vereinsmitglieder zu überwinden. „Viele haben da noch Barrieren in den Köpfen und möchten lieber unter sich bleiben“, sagt Heinz Ehlers, der Leiter des Projekts. „Umso schöner ist es, zu sehen, wie diese Barrieren mit der Zeit durchbrochen werden und nun jeder einfach dazugehört.“
Auf einem besonderen Standup-Paddle, auf dem Wasser, ist ein Mann im Rollstuhl zu sehen, der ein Ruder in der Hand hat.

Breit gestreute Fördermöglichkeiten

Um im Wassersportzentrum inklusive Angebote zu ermöglichen, ließ sich der Verein zunächst zu den unterschiedlichen Fördermöglichkeiten beraten. So erhielt der Verein zum Beispiel im Rahmen der Sportstättenförderung, durch den regionalen Förderverein Behindertensport, den Landessportbund sowie durch die Angebote von Stiftungen, Banken und Sparkassen Unterstützung. Während das Klubhaus des Vereins und der Weg dorthin bereits ohne Umbaumaßnahmen weitgehend barrierefrei waren, wurden die Fördergelder vor allem für die Anschaffung der inklusiven Sportgeräte benötigt. Das Segelboot, ein als Inklusionssegler konzipiertes Combi-Tri-Boot, wurde gebraucht gekauft, das SUP (Stand-up-Paddle-Board) mit Seitenauslegern ist eine Neuanschaffung. 

Im kommenden Jahr plant der Verein, den Weg zwischen Klubhaus und Wasser zu verbessern, da dieser bislang noch nicht barrierefrei ist. Auch soll durch die Aktion Mensch ein barrierefreier Schwimmsteg gefördert und gebaut werden. „Man sollte schrittweise loslegen, einen langen Atem mitbringen und die Etappenziele nicht zu hoch stecken, wenn man inklusiv arbeiten möchte“, so Ehlers.

In einem kleinen Segelboot auf dem Wasser sitzt ein Mann.

Wieder raus aufs Wasser

Die inklusive Arbeit im Verein ist intensiv, doch Heinz Ehlers erlebt immer wieder, wie wertvoll sie ist. „Erst kürzlich ist eine Familie mit zwei Kindern an unserem Gelände vorbeigekommen. Der Mann saß im Rollstuhl. Ich war gerade dabei, unser inklusives Segelboot vorzubereiten, als er zu mir sagte: ‚Ich bin früher auch gesegelt. Heute geht das nicht mehr.’ Da habe ich ihm angeboten, doch gleich mit seiner Familie loszusegeln. Erst hat er mich ungläubig angesehen, dann sind wir gemeinsam raus. Er hatte das Segelband und damit den Wind in der Hand und war so begeistert, dass er nächstes Jahr gleich wiederkommen möchte. Für solche Begegnungen und Tage sind wir hier.“ 

Nicht nur im Verein werden die inklusiven Angebote mittlerweile gut aufgenommen. „Wir erfahren viel Unterstützung aus der Stadt und den verschiedenen Gremien dort. Ihnen macht es Spaß, dieses Projekt zu begleiten und im Auge zu behalten“, so Ehlers. Die Tourismusbranche der Region ist ebenfalls auf das Wassersportzentrum aufmerksam geworden und unterstützt die inklusiven Angebote.

Ein Mann mit oranger Kappe und Sonnenbrille sitzt in einem orangen Kajak und hält ein Paddel in der Hand.

Gemeinsam auf dem inklusiven Weg

Barrieren in den Köpfen überwinden und inklusive Projekte auf den Weg bringen, dabei möchte Ehlers auch anderen Wassersportvereinen in Norddeutschland helfen. Im kommenden Jahr bietet der Verein daher zwei Ausbildungsgänge für Inklusion im Paddelsport an. Sie sollen zum Beispiel die Sorge vor dem Personalaufwand von inklusiven Angeboten nehmen und auch über Fragen zu Versicherungen oder Barrierefreiheit aufklären. Denn Heinz Ehlers sagt: „Ich kann nur alle Vereine ermutigen, sich auf den inklusiven Weg zu begeben – auch wenn erst noch einige Felsen innerhalb des Vereins aus dem Weg geräumt werden müssen. Manchmal muss man einfach anfangen, ohne Netz und doppelten Boden. Eine gewisse Fachlichkeit und Sicherheitskenntnisse sind natürlich sehr wichtig. Wenn diese vorhanden sind, gibt es genügend Möglichkeiten, auch ohne viel Geld kreativ zu werden und einfach loszulegen. Alles ist möglich, man muss nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.“

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