Das Buddy-Prinzip in Schule und Freizeit

Eine Alternative zum monologisierenden Frontal-Unterricht bietet das Buddy-Prinzip (Buddy englisch für Kumpel). Hier gibt es keine*n Redner*in, der*die seinen*ihren Zuhörer*innen den Stoff vorträgt, sondern Schüler*innen, die ein Thema an Mitschüler*innen weitergeben. Das „Lernen durch Lehren“ verwandelt den Schulraum in eine Lernwerkstatt. In mehreren Gruppen erklären Mitschüler*innen ihren Klassenkamerad*innen ausgewählte Inhalte. Die Lehrkraft greift nur ein, wenn sich Verständnislücken auftun.

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Der*die lehrende Schüler*in mit Expertise hat sich das Wissen eben erst selbst erschlossen, er*sie vertieft es, indem er*sie das Erarbeitete mit anderen teilt. Weitere Vorteile: Der Redeanteil der Schüler*innen steigt erheblich, Themen werden aus Lerner*innen-Perspektive greifbar, der Stoff wird deutlicher und vielseitiger behandelt. Generell sind Gleichaltrige näher am Geschehen und genießen mehr Vertrauen.

Das Buddy-Prinzip lässt sich auch auf soziale Kompetenzen anwenden, gemäß dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ stärkt es Jugendliche und soll dazu führen, dass sie Verantwortung für sich und andere übernehmen. Es geht über die reine Peer to Peer-Situation hinaus, wie etwa die Arbeit des Education Y e.V. zeigt. Für verschiedene Einrichtungen erarbeiten speziell ausgebildete buddY-Trainer*innen und -Lehrer*innen spezifische Praxisprojekte. Darin übernehmen Jugendliche etwa Patenschaften für Jüngere oder setzen sich als Streitschlichter*innen ein. Anhand dieser Erfahrungen entwickeln sie Werte und Kompetenzen fürs Leben.

Das Buddy-Prinzip reicht sogar noch weiter, es ist nicht nur in der Schule, sondern vom Kindergarten über Jugendheime und Erwachsenenbildung bis zum Seniorenheim anwendbar.

Das Buddy-Prinzip: Experten im Interview

„Das Buddy-Prinzip ist geknüpft an einen Wechsel in der Lehrer*innenrolle, denn als Lehrende*r gebe ich etwas ab und das muss ich zulassen können.“

Falko Semrau ist Didaktischer Leiter der Marie-Kahle-Gesamtschule. Er ist für die Schulprogrammarbeit, Unterrichtsentwicklung, Fortbildungsschwerpunkte und die Öffentlichkeitsarbeit an der Schule zuständig. Im Gespräch gibt er Einblicke in das Buddy-Prinzip, wichtige Rahmenbedingungen und Stolpersteine, die Pädagog*innen beachten sollten.

„Wir sehen anhand unserer Rückmeldungen, dass die Kinder eine große Selbstwirksamkeit erleben. Sie merken: ,Ich kann tatsächlich was bewegen, Erwachsene nehmen mich ernst.'“

Kara Zumbrink ist Pädagogische Leiterin der buddY- und familY-Programme für den außerunterrichtlichen Bereich der Education Y e.V. Im Interview gibt sie unter anderem Einblicke in besonders geeignete Bereiche für das Buddy-Prinzip und wichtige Voraussetzungen für die Schüler, um erfolgreich zusammenarbeiten zu können.

Literaturliste zum Buddy-Prinzip

Kurt Faller, Winfried Kneip, Rita Süssmuth: „Das Buddy-Prinzip: Soziales Lernen mit System“, 2007, Verlag: buddY (1. August 2007)  ISBN-10: 3000222847.

Schelhaas, Christine: „Lernen durch Lehren“ für einen produktions- und handlungsorientierten Fremdsprachenunterricht. Ein praktischer Leitfaden mit zahlreichen Unterrichtsideen und reichhaltiger Materialauswahl. Marburg: Tectum Verlag, 1997, ISBN 3-89608-765-7.

Grezga, Joachim und Klüsener, Bea: „LdL für Pepe, Pfeiffer und die Pauker“, Unterrichtstipps nach 30 Jahren bewährtem, kreativem und effektivem Lernen durch Lehren.

Martin, Jean-Pol: „Zum Aufbau didaktischer Teilkompetenzen beim Schüler: Fremdsprachenunterricht auf der lerntheoretischen Basis des Informationsverarbeitungsansatzes“ / Jean-Pol Martin. - Tübingen: Narr, 1985 (Giessener Beiträge Fremdsprachendidaktik). ISBN 3-87808-435-8.

Berger, Lutz / Grzega, Joachim / Spannagel, Christian: „Lernen durch Lehren im Fokus - Berichte von LdL-Einsteigern und LdL-Experten“, Berlin: epubli, 2011.

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