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Studie zu schulischer Inklusion

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Auch nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention ist noch viel Arbeit nötig, um ein inklusives Bildungssystem zu verwirklichen. Nach wie vor wird das Thema kontrovers diskutiert. Wie ist die Einstellung zu schulischer Inklusion heute? Antworten auf diese und weitere Fragen liefert die repräsentative Studie des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft im Auftrag von DIE ZEIT und Aktion Mensch.

Zentrale Fragen der Studie

  • Wird die (schulische) Inklusion als wünschenswertes Ziel in unserer Gesellschaft anerkannt?
  • Welche Erwartungen bestehen hinsichtlich der Auswirkungen von inklusivem Unterricht?
  • Wie wird die gegenwärtige Umsetzung schulischer Inklusion bewertet?
  • Wie entwickeln sich Schüler in unterschiedlichen Lernumfeldern tatsächlich?

In der Ausgabe der ZEIT vom 28. März 2019 finden Sie einen ausführlichen Bericht zur Studie sowie zu weiteren Themen rund um den Jahrestag zur UN-BRK.

Welche Auswirkungen hat schulische Inklusion?

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist von positiven Effekten schulischer Inklusion überzeugt. Die Befragten geben an ein inklusives Schulsystem

  • führe zu mehr Toleranz,
  • einem besseren Miteinander 
  • sowie zu höherer Engagement-Bereitschaft und
  • wirke sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung aus.

Zurückhaltender wird der inklusive Unterricht jedoch dann beurteilt, wenn es um Fragen der Leistungsförderung der Kinder geht: Lediglich 60 Prozent der Gesamtbevölkerung sind der Meinung, dass ein inklusives Schulsystem gut auf das Berufsleben vorbereitet.

Zudem besteht die Einschätzung, dass Kinder mit unterschiedlichen Leistungsniveaus nicht gleichermaßen gefördert werden können: Rund die Hälfte (52 Prozent) der Befragten glaubt, das besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen gebremst werden. Bemerkenswert ist, dass Eltern, die eigene Erfahrungen mit Inklusionsschulen gemacht haben, die Leistungsförderung in einem inklusiven Schulsystem differenzierter sehen als Eltern ohne Inklusionserfahrung.
55 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung meinen, dass ein inklusives Schulsystem besonders leistungsstarke Kinder im fachlichen Lernen bremse. Dieser Meinung sind nur 47 Prozent der Eltern ohne Inklusionserfahrung. Lediglich 48 Prozent der Eltern mit Inklusionserfahrung erwarten eine Verbesserung der Bildungschancen für weniger leistungsstarke Kinder. In der Gruppe der Eltern ohne Inklusionserfahrung liegt dieser Anteil bei 64 Prozent.

Allgemeine Haltung zu Inklusion

10 Jahre nach Ratifizierung der UN-BRK gibt es in der Bevölkerung ein hohes Maß an Zustimmung zu den Zielen einer vollen und wirksamen Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft. Dabei gilt Inklusion als wünschenswertes Ziel und ist hochakzeptiert. 85 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft gleichberechtigt zusammenleben sollten.

Inklusion in Schule und Freizeit

Fast die gesamte Bevölkerung (94 Prozent) ist der Meinung, dass Kinder mit und ohne Behinderung in ihrer Freizeit die Möglichkeit haben sollten, gemeinsam aufzuwachsen.

Gemeinsamen Unterricht in der Schule befürworten dagegen nur 66 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mit Blick auf die Gruppe der Eltern mit Inklusionserfahrung fällt auf, dass die Zustimmung mit 78 Prozent deutlich höher ist als bei Eltern ohne Inklusionserfahrung (61 Prozent).

Zwei Jungen sitzen nebeneinander. Der eine auf einem Stuhl, der andere in einem Rollstuhl. Der Junge auf dem Stuhl hat den Arm um den Jungen im Rollstuhl gelegt. Beide lachen in die Kamera.

Umsetzung schulischer Inklusion

Während die Bevölkerung die Auswirkungen von inklusivem Unterricht auf das soziale Miteinander positiv einschätzt, ist sie mit Blick auf die Umsetzung schulischer Inklusion skeptischer. 40 Prozent aller Befragten bezweifeln, dass Lehrer*innen die Herausforderungen des Unterrichts an Inklusionsschulen bewältigen können. 57 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Lehrer*innen nicht ausreichend für die Herausforderungen schulischer Inklusion ausgebildet sind und 63 Prozent der Befragten meinen, dass die Klassen für inklusiven Unterricht zu groß sind. Ein weiteres Problem wird in fehlendem Personal gesehen. 55 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass es an Inklusionsschulen nicht ausreichend Sozial- und Sonderpädagog*innen sowie Schulpsycholog*innen für die Gestaltung des Unterrichts gibt. 68 Prozent der Befragten glauben sogar, dass es an den Schulen nicht genügend Lehrer*innen für die Gestaltung inklusiven Unterrichts gibt.

Ein Porträtfoto von Christina Marx, Bereichsleiterin Aufklärung bei der Aktion Mensch.

Drei Fragen an...

Christina Marx, Leiterin Aufklärung bei der Aktion Mensch und Mitglied im UNESCO-Expertenkreis zu inklusiver Bildung.

Hintergrund der Studie zu schulischer Inklusion

Am 26. März 2019 wurde die in Deutschland verabschiedete UN-BRK 10 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat die Aktion Mensch gemeinsam mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und dem infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft eine Studie zum Thema „Schulische Inklusion“ durchgeführt.

Die repräsentative Umfrage setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Zum einen hat infas im Februar 2019 eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe von rund 1.500 Erwachsenen nach ihren Einstellungen zu gesellschaftlicher und schulischer Inklusion und deren Folgen befragt. In der Stichprobe waren Eltern überproportional vertreten, darunter auch Eltern schulpflichtiger Kinder mit und ohne Inklusionserfahrung.

Zum anderen wurden für die Studie bestehende Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet. Für die NEPS-Studie wurden von 2009 bis 2016 unter anderem insgesamt 11.755 Schüler*innen mehrfach befragt.

Titelseite der Studie "Schulische Inklusion"

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