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Für die Umsetzung von Inklusion hat sich in Oldenburg ein Netzwerk gegründet - und es ist ziemlich erfolgreich. Was machen die Oldenburger richtig? Und was können sich andere abgucken?

Ein Tisch mit Zettel-Boxen auf denen Workshop-Themen stehen.

Oldenburg geht von einem weiten Inklusionsbegriff aus. Das Ziel ist es, eine Umgebung zu schaffen, die für alle Menschen lebenswert ist – alle sollen von den verschiedenen Maßnahmen und neuen Strukturen profitieren. Es geht also nicht um die Interessen Einzelner. Dies soll auch die Akzeptanz für den „Kommunalen Aktionsplan Inklusion“ in der breiten Bevölkerung sichern. Auf dem Weg zu einem inklusiven Oldenburg sollten sich von Anfang an so viele Menschen wie möglich beteiligen. Alle Bürger waren und sind gefragt, ihre Ideen einzubringen und sich für das Thema Inklusion zu engagieren. In der gesamtstädtischen Initiative machen Vertreter der Stadtverwaltung, Zivilgesellschaft, Schulen, soziale Träger, Vereine und viele andere Akteure vor Ort mit. Auf der Grundlage eines Kommunalen Aktionsplanes für Inklusion hat sich das Netzwerk Inklusionkonkret gegründet, dass Inklusion in allen Lebensbereichen voranbringen möchte. Parallel arbeitet die AG „Inklusion an Oldenburger Schulen“ daran, Inklusion im Bildungsbereich zu etablieren. Ein wichtiges Element besteht in der externen Moderation und Prozesssteuerung. Beide Prozesse sind inzwischen gut miteinander verbunden, sodass die Beteiligten sich auch untereinander austauschen.

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Warum ist der Inklusionsprozess in Oldenburg so erfolgreich?

Ob in Schule oder anderen Lebensbereichen, die Mischung macht's: Damit der Prozess voran geht und gute Ergebnisse erreicht werden, haben die Oldenburger von Anfang an auf die Mitarbeit von vielen unterschiedlichen Gruppen gesetzt. Menschen verschiedener Altersgruppen, unterschiedlicher Behinderung, Herkunft, sexueller Orientierung und Identität sowie unterschiedlichem sozialen Status werden gehört und bringen sich aktiv mit ein und übernehmen Verantwortung. In den Arbeitsgruppen, die den kommunalen Aktionsplan von 2012 bis 2015 erarbeitet haben, waren jeweils zwischen zehn und 25 Teilnehmende dabei: Bürger, Mitarbeitende aus sozialen Unternehmen, Wirtschaftsunternehmen, Interessenverbänden und Kammern sowie der Verwaltung. Gemeinsam haben sie konkrete Maßnahmen entwickelt und Empfehlungen für den Aktionsplan ausgesprochen. Es bleibt jedoch nicht bei der Theorie. Die Politik nimmt die Bemühungen der Zivilgesellschaft ernst und ist immer in den Inklusionsprozess mit einbezogen. Die zuständigen Ausschüsse und gegebenenfalls auch der Stadtrat beschließen einzelne Maßnahmen, so dass sie in die Praxis umgesetzt werden und sich die Stadt Oldenburg immer weiter der Vision einer Stadt für alle annähert.

Ebenfalls wesentlich: Oldenburg setzt auf Expertise, eine externe Projektsteuerung und die kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung von Prozessen. So wurde der gesamtstädtische Inklusionsprozess bis 2015 von außen begleitet. Die AG „Inklusion an Oldenburger Schulen“ wird seit ihrer Gründung durch eine externe Moderation und Prozesssteuerung begleitet. Schrittweise soll diese aber auslaufen, da notwendige Strukturen inzwischen erfolgreich etabliert und von den Akteuren verinnerlicht sind.

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Was sind die wichtigsten Ziele des Netzwerkes für Inklusion?

In Oldenburg wird Inklusive Bildung in Schulen forciert.

Die zentralen Ziele sind:

  • Gemeinsam stadtweite Lösungen zu entwickeln, die Inklusion befördern
  • Die Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler in Oldenburg sicherzustellen
  • Die Zusammenarbeit mit Eltern und deren Unterstützung in Fragen der Erziehung und Bildung zu organisieren
  • Die multiprofessionelle Zusammenarbeit im Kollegium und mit verschiedenen Fachkräften zu gewährleisten
  • Die Schule zu öffnen und eine Zusammenarbeit mit Unterstützungsangeboten und anderen Personen und Gruppen des sozialräumlichen Umfeldes zu gestalten.
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Wie arbeitet die AG Inklusion an Oldenburger Schulen?

Neben verschiedenen Arbeitsgruppen ist die AG „Inklusion an Oldenburger Schulen“ besonders nennenswert. Sie ist ein wesentlicher Baustein im Projekt „Weiterentwicklung der Oldenburger Bildungslandschaft“. Die Gruppe hat inzwischen mehr als 80 Mitglieder. Sie gehören Selbsthilfegruppen an, arbeiten in Schulen, der Landesschulbehörde, der Stadtverwaltung und sind Vertreter aus Stadtelternrat, Politik oder verschiedenen freien Trägern. Das Besondere: Ein Projektleiter der an der Medical School Berlin und am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg lehrt begleitet die Arbeitsprozesse seit 2012 wissenschaftlich und moderiert sie. Die AG trifft sich einmal im Monat, darüber hinaus gibt es aber zu einzelnen Themen regelmäßige Treffen in Unterarbeitsgruppen. Interessierte Bürger können jederzeit an den Treffen teilnehmen.

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Wie weit ist die Umsetzung von Inklusion an Oldenburger Schulen?

Mit Inklusion in Schule befasst sich die Arbeitsgruppe „Inklusion an Oldenburger Schulen“. Sie hat Barrierefreiheit und bauliche Maßnahmen genauso im Blick wie personelle Ressourcen, inklusive pädagogische Konzepte oder das Thema Elterninformation. Ein wesentlicher Schritt, um die Oldenburger Schulen inklusiv zu machen, war der konsequente Ausbau der Ganztagsbetreuung an allen Grundschulen. Alle Kinder haben inzwischen einen Rechtsanspruch auf ein schulisches Ganztagsangebot an bis zu fünf Tagen pro Woche. Die Teilnahme ist beitragsfrei. Für die Ganztagsangebot setzt Oldenburg auf vielfältig Kooperationen von Schulen und außerschulischen Partnern. Das soll die Bildungs- und Teilhabechancen aller Kinder im Grundschulalter verbessern. Viele der inklusiven Projekte von außerschulischen Trägern und Schulen entwickeln eine große Strahlkraft in den verschiedenen Einrichtungen und sogar in die verschiedenen Stadtviertel hinein.
Mehr zu Kooperationen erfahren

Auch mit dem Pilotprojekt „Poolbildung zur inklusiven Beschulung“ geht die Stadt Oldenburg ungewöhnliche Wege. Das Prinzip: Eltern verzichten auf den individuellen Unterstützungsbedarf ihres Kindes. Stattdessen wird der Bedarf von Kindern ermittelt, gesammelt und auf ihre jeweilige Schule verteilt. Schulbegleiter arbeiten in Schulklassen als Inklusionshelfer, allerdings ist ihre Unterstützung nicht einzelfallgebunden. Die Schulbegleiter kommen so allen Kindern zugute – auch jenen, bei denen kein oder noch kein Förderbedarf festgestellt wurde. Schulbegleiter sind dadurch eine wichtige und verlässliche Hilfe im System Schule.
Mehr zur Schulbegleitung erfahren

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Wie erfährt die Oldenburger Öffentlichkeit mehr über die Umsetzung von Inklusion?

Vor Ort berichten die lokale Presse sowie das Bürgerfernsehen „oeins“ über die Fortschritte. Ziel ist es dabei auch, auf dem Weg zu mehr Inklusion neue Mitstreiter zu gewinnen. Alle Informationen über den Prozess und aktuelle Aktionen gibt es aber auch auf der Seite der Stadt Oldenburg. Dort gibt es auch verschiedene Materialien rund ums Thema Inklusion und Diversity zum Herunterladen. Das "Praxishandbuch zur Inklusion an Oldenburger Schulen“ ist inzwischen in der dritten Auflage erschienen.

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