Ulrich Langes „Festival der guten Taten“ wird 50

Die Erfolgsstory und der Mann dahinter
Eine der größten privaten Fundraising-Aktionen Deutschlands feiert ihr 50-jähriges Jubiläum: das „Festival der guten Taten“. Seit 1975 wird es jährlich in wechselnden Städten Deutschlands organisiert, um Spenden für Menschen mit Behinderung sowie für die Kinder- und Jugendhilfe zu sammeln. Am 22. Juli 2025 wurde nun der Initiator und Motor des Festivals, Ulrich Lange (87), stellvertretend für alle, die diese Aktion über einen so langen Zeitraum getragen haben, in seiner Heimatstadt Bretten bei Karlsruhe geehrt. Insgesamt rund fünf Millionen Euro haben Lange und seine Mitstreiter*innen im Laufe der Jahre durch das Festival der Aktion Mensch für Projekte zugunsten von Menschen mit Behinderung sowie der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung stellen können. Für dieses unermüdliche Engagement erhielt Lange bereits den Deutschen Fundraising-Preis und die Ehrenbürgermedaille von Bretten.
Glück kann man teilen
1938 in Danzig geboren, musste Ulrich Lange im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie auf einem der letzten Schiffe aus der Hansestadt fliehen – zum Glück nicht auf der „Wilhelm Gustloff“, die kurz nach dem Auslaufen mit Tausenden Flüchtlingen an Bord versenkt wurde. Die Familie kam zunächst in der Holsteinischen Schweiz unter. Als er dort eines Tages mit anderen Kindern zusammen zurückgelassene Munition sammelte, kam es zu einem tragischen Unglück. Zwei Freunde starben – er überlebte. Glück und Unglück liegen nah beieinander und sind völlig willkürlich verteilt, lernte Lange schon als Kind. Bald darauf übersiedelt die Familie nach Bretten in Baden-Württemberg, wo sie herzlich aufgenommen wird. Nach all den Kriegserlebnissen ist Ulrich Lange dankbar, eine neue Heimat gefunden zu haben.
In seiner Schulzeit erlebt er, wie Gleichaltrige mit Behinderung ausgegrenzt werden. Früh entsteht dadurch in ihm der Wunsch, anderen zu helfen. Das Glück, das er gehabt hat, möchte er weitergeben. Sein Vorbild: Albert Schweitzer.
Wie alles begann
Den Anstoß, im großen Stil aktiv zu werden, bekommt Lange in den 1970er-Jahren. Als Mitarbeiter im Wohlfahrtsreferat beim Regierungspräsidium Karlsruhe erkennt er, dass das Geld für Einrichtungen der Behindertenhilfe knapp und der Bedarf groß ist. Er weiß: Die Aktion Sorgenkind, wie die Aktion Mensch damals noch hieß, wurde ins Leben gerufen, um diesen Missstand zu lindern. Ihr Zweck – die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung zu verbessern – deckt sich mit seinem persönlichen Anliegen. Also beschließt er, die Aktion Sorgenkind zu unterstützen.
Langes erste Aktion ist ein großes Benefiz-Fußballturnier, das er 1975 organisiert. Rund 10.000 DM kommen durch Spenden und eine Tombola als Erlös zusammen. Durch diesen Erfolg bestärkt, denkt er sich: Da muss doch noch mehr gehen. Die Idee für eine einzigartige Erfolgsgeschichte wird geboren: das „Festival der guten Taten“ – ein bunter Strauß von selbstinitiierten Bürgeraktionen in einer Stadt mit dem gemeinsamen Ziel, ideelle und finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung zu leisten.
Ein Jahr später findet das erste Festival dieser Art in Karlsruhe statt. Lange kann Gewerkschaften, Akteur*innen aus der Friedensbewegung und andere Gruppen dafür gewinnen, bei ihren Aktionen rund um den 1. Mai Spenden für Menschen mit Behinderung zu sammeln. Rund 100.000 DM beträgt der Erlös zugunsten der Aktion Sorgenkind diesmal.
Die Erfolgsgeschichte
Von da an findet das „Festival der guten Taten“ fast jährlich in einer anderen Kommune in Deutschland statt – insgesamt mehr als vierzig Mal, immer nach dem gleichen Erfolgskonzept: Lange mobilisiert Jahr für Jahr eine andere Stadt, über mehrere Monate hinweg gemeinsam mit ihren lokalen Verbänden, Vereinen, Firmen, privaten Gruppen oder auch Einzelpersonen möglichst viele attraktive Aktionen auf die Beine zu stellen. Damit inszeniert er echte Bürger- und Solidaritätsaktionen der Kommunen zugunsten von Menschen mit Behinderung. Er selbst unterstützt die Akteur*innen in den Festivalstädten stets mit Rat und Tat.
Durchschnittlich bescheren die Festivals der Aktion Mensch bis 2024 jährlich mehr als 100.000 Euro an Spenden. Zählt man die Erlöse aller Feste zusammen, kommt man auf die stolze Summe von rund fünf Millionen Euro, die im Laufe der Jahre für Menschen mit Behinderung sowie für Kinder und Jugendliche zusammengekommen sind.
„Uli Lange ist ein außergewöhnlicher Mensch mit einem bemerkenswerten Lebenswerk. Über fünf Jahrzehnte hinweg hat er sich mit großer Leidenschaft und Energie für eine inklusive Gesellschaft eingesetzt. Mit dem ,Festival der guten Taten‘ hat er nicht nur vielen Menschen schöne Erlebnisse verschafft, sondern die dadurch möglich gewordenen großzügigen Zuwendungen haben die Lebenssituation vieler Menschen in Deutschland nachhaltig verbessert. Sein Wirken zeigt eindrucksvoll, wie stark individuelles Engagement unsere Gesellschaft zum Positiven verändern kann. Für dieses herausragende Engagement sind wir ihm zutiefst dankbar“, würdigt Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch, den „Mr.-5-Millionen“, wie Lange in seiner Heimat auch genannt wird.
Helfen als Lebenselexier
Inzwischen tourt das „Festival der guten Taten“ nicht mehr durch Deutschland, sondern veranstaltet jährlich in Bretten ein Musikfestival: Das „Bretten live“. Das nächste findet bereits in wenigen Tagen statt – vom 1. bis 3. August. Auch von diesem Event fließen Erlöse an die Aktion Mensch. Und nach wie vor ist Ulrich Lange dafür unermüdlich im Einsatz. Genau wie für seine jährliche Weihnachtspäckchenaktion, mit der er dafür sorgt, dass Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen in Bretten und Umgebung zu Weihnachten ein Geschenk unterm Baum haben.
Sich für andere zu engagieren, ist eben das Lebenselixier von Ulrich Lange.