Lisa Ulrich: "Lernt mehr Gebärdensprache!"

Hörende und Gehörlose verstehen sich nicht? Stimmt nicht, findet Lisa Ulrich. Sie ist zweisprachig aufgewachsen - und könnte sich ihren Alltag ohne Gebärdensprache nicht vorstellen.

Eine Frau und eine junge Frau sitzen nebeneinander.

Die Musik ist Lisas große Leidenschaft – die Gebärdensprache ihre Bestimmung. Für die 26-Jährige ist es daher kein Wunder, dass sie beides gerne miteinander verknüpft. „Musik lebt von Gefühlen, deshalb kann sie eigentlich jeder verstehen. Aber genau so lebt auch die Gebärdensprache von Gefühlen. Man drückt sich mit Mimik und Gestik aus. Deshalb finde ich es sehr spannend, Musik zu gebärden“, erklärt Lisa.

„Gebärdensprache hat mich stärker gemacht“

Lisa Ulrich ist zweisprachig aufgewachsen. Sie spricht Lautsprache und Gebärdensprache, denn ihre Eltern sind beide gehörlos. „Obwohl ich hören kann, ist die Gebärdensprache sozusagen meine Muttersprache“, grinst sie. Ihre Mutter kann auch Lautsprache sprechen, mit Hilfe von Freunden und Verwandten brachte sie ihren Kindern auch diese bei. Zuhause unterhält sich die Familie allerdings nur auf Gebärdensprache, das ist für alle entspannter.

Viele fragen Lisa, wie es ist, mit gehörlosen Eltern aufzuwachsen. Lisa antwortet darauf: „Für mich war das einfach so, wie es ist: Ganz normal. Ich glaube auch, dass ich meiner Familie meine heutige Einstellung zu verdanken habe: Für mich sind alle Menschen gleich!“ Und noch einen Vorteil hatte die Gebärdensprache: „In der Schule war mir die Gebärdensprache oft eine Hilfe: Ich konnte zum Beispiel mit dem Fingeralphabet prüfen, ob ich ein Wort richtig geschrieben habe“, zwinkert sie.

Lisa profitierte aber nicht nur im Unterricht von der Gebärdensprache: „Die Gebärdensprache ist eine sehr liebevolle Sprache. Man hat ganz viel Augenkontakt, dadurch schenkt man sich viel Nähe,“ erklärt sie. „Deshalb denke ich, bin ich auch ein sehr offener Mensch. Von meinen Eltern habe ich außerdem gelernt, dass man mit ein bisschen Mut ganz viel schaffen kann. Die Gebärdensprache hat mich auf jeden Fall stärker gemacht.“

Den „Hörenden“ Gebärdensprache näher bringen

Heute nutzt Lisa die Gebärdensprache auch beruflich: Bei ihrer Arbeit als Kreditsachbearbeiterin bietet sie beispielsweise auch einen Service für Gehörlose an. Außerdem stand sie für mehrere Projekte bereits selbst vor der Kamera oder auf der Bühne. „Am liebsten übersetze ich Konzerte in Gebärdensprache. Ich möchte Gehörlosen einen besseren Zugang zur Musik ermöglichen“, sagt sie. „Und umgekehrt bringe ich dadurch vielleicht auch den Hörenden die Gebärdensprache etwas näher.“

Für die Zukunft wünscht sich Lisa eine offenere Gesellschaft und weniger Zurückhaltung gegenüber Menschen mit Behinderung. Ob es etwas brächte, wenn mehr „Hörende“ Gebärdensprache lernten? „Auf jeden Fall! Die Gebärdensprache ist eine Sprache auf einer Ebene –mit ganz viel Liebe. Wahrscheinlich wäre unsere Welt wirklich eine bessere, wenn sich alle auf Gebärdensprache unterhalten würden,“ lacht sie.

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