Freunde seit der Schulzeit

Raul und Olli lernten sich vor 35 Jahren in der Krabbelgruppe kennen – und sind bis heute Freunde. Nach der Krabbel- und Kindergartenzeit wurden sie an der Fläming-Grundschule eingeschult und verbrachten sechs Jahre an der inklusiven Schule im Berliner Stadtteil Friedenau. Gemeinsam mit uns haben sie ihre alte Schule besucht und von ihren Erinnerungen erzählt.

Ein nieseliger Tag im Berliner Stadtteil Friedenau: Schüler strömen aus ihren Klassenzimmern auf den Pausenhof der Fläming-Grundschule, wo Klettergerüste und ein großer Sportplatz zum Spielen locken. Inmitten der tobenden Menge die beiden Freunde Raul und Olli, die bis vor 25 Jahren hier selbst Schüler waren und mit ihrem Besuch an diesem Dienstagvormittag eine Reise in ihre eigene Vergangenheit wagen.

Fragerunde auf dem Pausenhof

Alle Kinder sind neugierig, als die beiden Männer, Raul in seinem E-Rolli und der hochgewachsene Olli, auf dem Schulhof ihre Runden drehen und sich munter unterhalten. Nach kurzer Zeit hat sich schon eine große Traube um die beiden gebildet und Raul freut sich über die Reaktion der Kinder: „Man kommt hier an und die Kinder begrüßen einen, also ob man schon immer da war“, sagt er. Danach wird er von Schülern umringt, die alle wild durcheinanderrufen: „Was macht ihr hier?“, „Wer seid ihr?“, „Coole Schuhe!“.

Zu Besuch in Raul & Olli's alter Schule

„Sie verstehen nicht so wirklich, dass man vor 25 Jahren selbst auf dieser Schule war“, erklärt Raul und schaut sich um. „Es ist total schön, zu sehen, wie Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam den Schulhof erobern“, fügt er hinzu. Und genau das ist es, was den Alltag an der Fläming-Grundschule nicht nur für Raul und Olli, sondern auch für die Schüler heute so besonders macht: Alle spielen gemeinsam, werden in inklusiven Klassen unterrichtet und lernen so, dass Vielfalt ganz normal ist.

„Nachdem wir schon in einer inklusiven Krabbelgruppe zusammen gespielt haben, war es für unsere Eltern selbstverständlich, dass wir auch auf dieselbe Schule gehen“, erinnert sich Olli. Genau diese Möglichkeit bot damals die Fläming-Grundschule, die als erste Schule Deutschlands ihren Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung öffnete.

Inklusion früher und heute

„Wenn ich ehrlich bin, ist mir erst nach der Grundschulzeit klar geworden, dass es eine Seltenheit war, Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten“, erklärt Raul und schaut Olli nachdenklich an. „Für uns war es das Normalste auf der Welt!“ Für die beiden ging es damals vor allem darum, dass sie sich gegenseitig unterstützten und es einfach keine Unterscheidung zwischen ihnen gab. „Ich glaube, dass es für jeden nur gut sein kann, diese Erfahrung zu machen“, findet Olli und ergänzt: „Ein Stück weit Sozialkompetenz, die man als Kind oder Jugendlicher mitnimmt, ist für jeden gut.“

Diese Erfahrung machen heute auch die rund 600 Schüler an der Fläming-Grundschule, die auch die beiden Freundinnen Jessie und Emily besuchen. Rund 70 Schüler mit Behinderung werden hier unterrichtet. Darunter auch Emily, die im Rollstuhl sitzt und die sechste Klasse besucht. „Seit der ersten Klasse sind wir befreundet“, sagt ihre Freundin Jessie, für die Inklusion ganz normal ist: „Wir lernen hier halt auch, dass jeder gleich ist.“

Freundschaft fürs Leben

Genau das haben auch Raul und Olli bereits früh gelernt. Und nachdem sie im Kindesalter zusammen auf Krabbeldecken spielten, blieben sie auch nach ihrer gemeinsamen Schulzeit an der Fläming-Grundschule gute Freunde, die mit ihren Erfahrungen alle Barrieren überwinden: „Wir haben einfach so viele lustige Dinge zusammen erlebt, dass uns eigentlich unser gesamtes Leben verbindet“, findet Olli.

Ein Poster von dem Kinofilm "Die Kinder der Utopie."

Über Inklusion und das Erwachsenwerden

Kinofilm "Die Kinder der Utopie"

Wie Raul & Olli blicken auch die sechs jungen Erwachsenen in dem Dokumentarfilm "Die Kinder der Utopie" auf ihre gemeinsame Grundschulzeit in einer Inklusionsklasse zurück – und nehmen die Zuschauer mit auf eine berührende und ehrliche Reise in ihre eigene Vergangenheit. Du möchtest ihre Geschichten hören und mit ihnen auf Zeitreise gehen? Dann melde dich zum Kinoabend am 15. Mai 2019 in deiner Stadt an! Neben der Filmvorstellung von "Die Kinder der Utopie" wird es auch Gesprächsrunden, Raum zum Nachdenken und einen spannenden Erfahrungsaustausch rund um Inklusion geben.

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