Ralph Ruthe: Humor als Türöffner für Inklusion

Was brauchen wir, um Inklusion wirklich leben zu können? Begegnung, Diskussion und viele Menschen mit und ohne Behinderung, die sich füreinander stark machen! Cartoonist Ralph Ruthe nutzt seine Bekanntheit gern, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen. Wir haben ihn und seine Frau Tina zum Gespräch getroffen.

Cartoonist Ralph Ruthe und seine Frau Tina sind bekannt dafür, auf ihren Kanälen in den sozialen Medien den Dialog mit ihrer Community zu suchen – zu Themen von der Klima- bis zur Erziehungskrise. In dem Video „5 Situationen, die Menschen ohne Behinderung nie erleben“ setzt sich Ralph Ruthe mit dem Thema Inklusion auseinander. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen mit Behinderung, wie Marian von #notjustdown und den YouTuber*innen Ypsilon und Leeroy, entstand ein humorvoller Videoclip zum Schmunzeln, Nachdenken und vor allem Diskutieren.

Aktion Mensch: Cartoons, Videos, Bühnenprogramm, Musik – Ralph, du bist sehr vielfältig unterwegs, dafür braucht man jede Menge Ideen. Was inspiriert dich bei deiner kreativen Arbeit?

Ralph: Eigentlich kann wirklich alles eine Inspirationsquelle sein: ein Zeitungsartikel, ein Zahnarztbesuch oder ein Wochenende auf dem Nudisten-Campingplatz. Mein Problem ist eher, genug Zeit dafür zu finden, alle Ideen umzusetzen, die mir durch den Kopf schwirren. Daran mangelt es häufig.

Ralph Ruthe und seine Frau Tina. Sie lächelt ihn an und hat ihren Arm auf seiner Schulter liegen. Er lächelt verschmitzt in die Kamera.

Starkes Duo

Auf ihren Instagram-Accounts pflegen Ralph und Tina einen intensiven Austausch mit ihrer engagierten Community. Und auch auf Ralphs YouTube-Kanal wird diskutiert – auch zum Video "5 Situationen, die Menschen ohne Behinderung nie erleben". 

Schau doch mal rein:

zur YouTube-Diskussion

Tina, du bist im Netz als Mama-Bloggerin aktiv und zeigst bei Instagram deinen Alltag und das Leben mit deinem #ehemannmitglatze. Was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Tina: Auf meinem Kanal ist es mir wichtig, den realen Alltag mit Kindern zu zeigen. Da läuft nicht immer alles pädagogisch wertvoll und top durchorganisiert. Unsere Zwillinge lieben es fernzusehen, und das auch gerne schon beim Frühstück. Und ich gehe auch nicht immer nur voll und ganz in meiner Rolle als Mama auf. Meine Follower*innen sollen Spaß an meinen Stories haben und im besten Falle noch hier und da zusätzlich Wissenswertes erfahren rund um die Themen Nachhaltigkeit, Erziehung oder zu Alltagsthemen.

Ralph, wie ist es bei dir?

Ralph: Mein ursprünglicher Antrieb war, Menschen zum Lachen zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger. Mit steigender Reichweite kam aber auch immer mehr Verantwortung dazu: Menschen hören mir zu, interessieren sich für meine Ansichten und meine Meinung. Das verpflichtet zu mehr Umsicht. Daher lege ich immer mehr Wert darauf Themen eine Plattform zu bieten, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern einen ernsthaften, tieferen Hintergrund haben – so wie die Klimakrise, Aufklärung über Früherkennung beim Schlaganfall oder, wie jetzt, zum Thema Inklusion.

Ihr habt sehr engagierte Communities. Wie wichtig ist Humor bei der Diskussion wichtiger, gesellschaftlicher Themen? Und wo sind vielleicht Grenzen?

Ralph: Es gibt in Deutschland Gesetze, die darf man nicht brechen. Ansonsten gibt es bei Humor keine Grenzen, er ist subjektiv – immer. Das, was man lustig findet, vergleiche ich gerne mit dem, was man „lecker“ findet. Man wird niemals etwas finden, das alle „lecker“ finden. Und man darf über alles Witze machen – man muss nur damit leben können, dass nicht alle darüber lachen.

Bei meinen Cartoons entscheide ich nach meinen persönlichen Ansichten, was ich mache, und was nicht. Wichtig ist, dass ich es selbst komisch finde. Zum Glück teilen sehr viele Menschen meinen Humor. Dann kann Humor ein guter Türöffner sein für ernste oder sogar Tabu-Themen.

(Fortsetzung des Interviews folgt weiter unten.)


Darum geht Inklusion uns alle an: Drei Meinungen

Eine junge Frau mit blondem Haar steht Arm in Arm mit einem jungen Mann mit Down-Syndrom. Beide tragen ein #Inkluencer-Shirt und lachen in die Kamera.

#notjustdown

"Es gibt keine Option NICHT über Inklusion zu sprechen: Inklusion ist keine Wahlmöglichkeit, sondern ein Menschenrecht! Das Video macht Menschen ohne Behinderung genau darauf aufmerksam – und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf eine sehr nahbare und charmante Art. So findet man sich in einer Auseinandersetzung mit dem Thema wieder, bevor man überhaupt auf die Idee gekommen ist, wegzuklicken, weil es zu politisch wird."

Die Geschwister Tabea und Marian setzen sich mit der Online-Initiative #notjustdown für einen offeneren und vorurteilsfreieren Umgang mit Menschen mit Down-Syndrom ein. Marians Zeichnungen sind im Video eingebunden.

You-Tuberin Fabi trägt schulterlanges blondes Haar. In der Hand hält sie einen Langstock. Sie lacht in die Kamera.

Fabiana aka Ypsilon

"Inklusion ist kein Thema einer bestimmten Randgruppe – sie beinhaltet uns alle! Und daher geht sie jede*n Einzelne*n etwas an, denn es gibt niemanden, der nicht von ihr profitiert. Und um zu wissen, was man selbst anders machen und beitragen kann, muss erstmal darüber gesprochen werden, was Inklusion bedeutet."

Ypsilon sensibilisiert auf ihrem YouTube-Kanal für die Themen (Seh-)Behinderung und Blindheit. Sie hat verschiedenen Charakteren im Video als Sprecherin ihre Stimme geliehen.

Dagmar Greskamp trägt kurze braune Locken und ein schwarz-weiß-kariertes Oberteil.

Dagmar Greskamp

"Das Video kann helfen darüber nachzudenken, wie man selbst in einer solchen Situation reagiert hat oder hätte. Es hilft, eigene Verhaltensweisen zu überdenken und darüber nachzudenken, wie man wertschätzend kommunizieren kann. Humor hilft, Barrieren zu überwinden. Das versteht eigentlich jede*r :)!"

Dagmar Greskamp ist Mitarbeiterin bei Aktion Mensch, lebt mit einer Behinderung und kennt solche Situationen, wie sie im Video gezeigt werden, aus dem echten Leben.


Fortsetzung des Interviews mit Ralph und Tina:

Was für einen Bezug habt ihr zum Thema Inklusion?

Ralph: In meiner Zivildienstzeit habe ich viel mit Menschen gearbeitet, die einen Rollstuhl genutzt haben. Dabei bin schon auf zahlreiche Probleme und schwierige Situationen aufmerksam geworden. Durch die Arbeit an dem Video mit der Aktion Mensch haben sich meine Kenntnisse und mein Bezug zum Thema Inklusion aber tatsächlich noch viel stärker ausgeprägt.

Tina: Ich habe während meines Studiums mit Menschen mit Behinderung gearbeitet. Daher habe ich den Alltag und viele Probleme, die mit diesem für Menschen mit Behinderung einhergehen, miterlebt. Und ich habe erfahren, wie viele Barrieren es gibt, die eine Teilhabe am regulären Alltagsgeschehen verhindern können.

Inwiefern kann Diskussion zu einer inklusiven Gesellschaft führen?

Ralph: Gedankenaustausch hilft immer, denn nur so kann man Sichtweisen kennenlernen, die über den eigenen Erfahrungsschatz hinaus gehen. Darüber zu diskutieren gehört dazu, denn der Austausch alleine genügt nicht.

Anlässlich des Tags der Menschen mit Behinderung am 3.12. erscheint unser gemeinsam konzipiertes Video „5 Situationen, die Menschen ohne Behinderung nie erleben“. Was hat euch an einer Zusammenarbeit mit der Aktion Mensch gereizt?

Ralph: Der oben genannte Wunsch, unsere Reichweite für möglichst sinnvolle Zwecke zu nutzen. Unsere Communities sind ziemlich offen und tolerant – das ist eine gute Basis dafür, das Thema Inklusion in der Gesellschaft noch breiter zu kommunizieren.

Was habt ihr bei diesem Projekt gelernt?

Ralph (lacht): Wie Menschen mit Rollstühlen aus dem Auto aussteigen. Das war mir tatsächlich nicht bekannt.

 


Noch mehr spannende Themen:

Zwei Jungs sitzen dicht nebeneinander. Einer von beiden sitzt im Rollstuhl. Beide lachen.

11 Vorurteile über Inklusion

Menschen mit Behinderung sind grundsätzlich hilfsbedürftig und unglücklich? Und Inklusion ist ein teurer Luxus für eine Minderheit? Viele Vorurteile halten sich hartnäckig. Wir haben die 11 häufigsten Vorurteile einem Faktencheck unterzogen!

Jetzt Schluss mit Vorurteilen machen
Ein Junge sitzt im elektrischen Rollstuhl. Er trägt sportliche Kleidung und lächelt in die Kamera.

Mini-Serie "Die Außenseiter"

Lachen ist die beste Medizin - auch gegen Barrieren in den Köpfen. Dieser Devise folgt der junge Comedian Carl Josef. In der 6-teiligen Mini-Serie "Die Außenseiter. Nichts kann uns aufhalten. Außer Bordsteine.“ setzt er sich gemeinsam mit der Aktion Mensch für eine inklusivere Gesellschaft ein.

Zu Carl Josef