Rapper mit Botschaft

Graf Fidi hat viele Talente: Rap-Musiker, Sozialarbeiter, Vorbild und Botschafter für das Thema Inklusion. Wir haben den Künstler in Berlin Wilmersdorf besucht.
Junger Mann mit Fehlbildung am rechten Arm sitzt vor großem Fenster und schaut in die Sonne

Mit 36 Jahren hat Graf Fidi schon über 20 Jahre Erfahrung als Rapper. Er rappt über das, was ihn bewegt: Frauen, Job und Party machen. Ein weiteres Thema ist eher ungewöhnlich: seine angeborene Behinderung. Graf Fidi lebt mit einer Spastik und hat nur einen Finger an der rechten Hand.

Auch als Inklusionsbotschafter ist Graf Fidi aktiv. Er setzt sich zum Beispiel in Podiumsdiskussionen für eine Gesellschaft ein, in der jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Dabei hat er sich selbst nie als “so behindert” wahrgenommen. Erst der Kontakt zu einer schwerbehinderten Studentin an der Evangelischen Hochschule Berlin bringt ihn dazu, sich zu engagieren. Zusammen mit einem befreundeten Kameramann dreht er ein Rap-Video über defekte Aufzüge und nervige Treppen. Der Kanzler der Uni lädt ihn daraufhin zum Gespräch ein und macht ihn zum Berater für Barrierefreiheit an der Uni.

Ohne "Spast" und "Krüppel"

Hauptberuflich ist Graf Fidi, alias Hans-Friedrich (Fidi) Baum, Sozialarbeiter in einer Jugendeinrichtung. Er gibt Rap-Workshops für 9- bis 14-Jährige. Ihre Rap-Songs handeln von dem, was die Heranwachsenden so bewegt: Fußball, am Tablet zocken, Freunde treffen. Fidi sagt Jüngeren dann auch schon mal, “Krüppel” sei kein gutes Schimpfwort. Aber vor allem ältere Jugendliche wollen über Themen wie Drogen dealen und Schießereien rappen und dabei Kraftausdrücke verwenden: "Die würden mich auslachen, wenn ich sage, sag doch bitte “Vollidiot” statt “Krüppel."

Sitzender Mann vor Fenster hält beide Arme hoch und macht eine Geste. Der linke Unterarm ist tätowiert, der rechte nicht voll ausgebildet.

Da gerät seine Rolle als Sozialarbeiter schon mal in Konflikt mit seinem Hobby Rappen. In seinem Beruf geht es ihm mehr um den entspannten Austausch zwischen Jugendlichen und dem Rapper mit Tattoo und Behinderung. Wenn aber Freunde beim Computerzocken “Spast” rufen, sagt er doch: “Ich bin halt Spastiker. Ich möchte nicht gerne, dass du mich als Schimpfwort benutzt.” Das verstehen sie.

Sein Song "Sowas von Berlin" beschreibt, wie er mit Freunden bis in die Morgenstunden zügellose Partys feiert. Damit schaffte er es auf Szene-Portale wie "HipHop.de". Graf Fidi denkt aber auch an diejenigen mit Behinderung, die nicht feiern gehen können. Zum Beispiel, weil sie keine persönliche Assistenz oder Unterstützung in der Familie haben. Daher produziert er auch Songs über Partys speziell für Leute mit Behinderung. Zum Beispiel "Rock am Berg", ein Musikfestival der Lebenshilfe oder die Partyreihe "Rock’n’Rolli". Außerdem macht er Songs, die über das Leben mit Behinderung aufklären: über Sex und Behinderung, über diskriminierende Sprache, Mobbing und inklusive Bildung.

Ein anderes Vorbild

Graf Fidi will ein anderes Vorbild für die jüngere Generation werden. Gerade auch, wenn andere Rapper wie Kanye West oder 50 Cent Menschen mit Behinderung beschimpfen oder sich über sie lustig machen. Gleichzeitig will er es nicht immer nur allen recht machen. Ab und zu muss er sich von seiner Rolle als Sozialarbeiter und Inklusionsbotschafter auch mal lösen. Dann eckt er an und macht Quatsch-Rap mit Augenzwinkern. Allerdings mit Bedacht. Denn er weiß: "Was immer ich da auf YouTube mache, Kinder werden das sehen".

Aufgeschrieben von: Lilian Masuhr

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