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Erfolg durch Partizipation

Drei Frauen unterhalten sich draußen, zwei Frauen tragen ein Kopftuch.

Warum Partizipation in der Kommune so wichtig ist

Wenn Menschen merken, dass sie in ihrer Kommune etwas bewegen können, dass ihre Meinung zählt und ihre Wünsche berücksichtigt werden, wachsen Vertrauen und Zufriedenheit. Die Menschen bekommen das Gefühl, schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können. Diese Überzeugung heißt auch Selbstwirksamkeit. Weniger Menschen fühlen sich „abgehängt“, sie können sich stärker mit der Kommune, deren Zielen und Projekten identifizieren. Das Gemeinschaftsgefühl wächst. Das macht die Kommune fit für die Zukunft.

Kommunalverwaltung und -politik profitieren zudem vom Wissen und den Fähigkeiten vieler verschiedener Bürger*innen, wenn sie sie an Entscheidungen und Projekten beteiligen. Menschen mit Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund, Senior*innen oder Jugendliche – sie alle wissen selbst am besten, was sie brauchen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Sie sind Expert*innen in eigener Sache. Und nur mit ihrer Expertise finden Verwaltungen, Organisationen, Institutionen die passende und für alle beste Lösung.

Vielfalt ist Bereicherung. Je mehr unterschiedliche Menschen sich in Planungen einbringen, desto kreativere Lösungen können entstehen. Natürlich sind dabei auch Kompromisse gefragt. Ein blinder Mann hat andere Bedürfnisse als eine Frau mit Migrationserfahrung oder Eltern mit kleinen Kindern.

Werden all diese Interessengruppen beteiligt und können sie aktiv an Lösungen arbeiten, lernen sie sich gegenseitig besser kennen. Es entsteht mehr Verständnis für getroffene Entscheidungen. Im besten Fall fühlen sich alle Menschen mitgenommen.

Erfahrungen aus Erlangen

Echte Beteiligung heißt: Menschen aus den Zielgruppen entscheiden von Anfang an mit. Dafür müssen die Projektverantwortlichen sie in einem ersten Schritt erreichen: Die Menschen müssen erfahren, dass ein Vorhaben nur mit ihrer Beteiligung Erfolg hat. Das kann eine Herausforderung sein.

Für Felicitas Keefer, Netzwerkkoordinatorin in der Modellkommune Erlangen, war es anfänglich sehr schwer, die Zielgruppe der vereinsamten Senior*innen zu erreichen. „Wer sich einsam fühlt, zieht sich oft noch weiter zurück – manche entwickeln Ängste, zum Beispiel vor anderen Menschen. Sie verlassen das Haus gar nicht mehr“, sagt Felicitas Keefer. „Gerade alte Menschen sind oft nicht mehr so mobil und kommen unter anderem deshalb nicht mehr aus dem Haus.“

Diese Erfahrungen haben auch andere Projektverantwortliche gemacht: Es gibt Menschen, die sich nur schwer erreichen lassen und die sich erst einmal gar nicht beteiligen wollen. Dabei spielen manchmal Ängste eine Rolle, manchmal sind es schlechte Erfahrungen oder Vorurteile. Die Menschen denken zum Beispiel, dass ihre Meinung ohnehin nichts zählt oder dass ihnen doch keiner zuhört.

„Um diese Menschen zu erreichen, braucht es viele persönliche Gespräche, Zeit, Geduld und die Fähigkeit zuzuhören“, sagt Keefer. Und ein gutes Netzwerk: „Unser Kooperationspartner Dreycedern e.V. hat über viele Jahre sehr guten Kontakt zu älteren Menschen und ihren Angehörigen aufgebaut.“ Dreycedern berät und unterstützt dabei, lange ein gesundes Leben zu führen. Über den Verein bekam Keefer erste Kontakte zu Menschen, die sich einsam fühlten. In persönlichen Gesprächen erfuhr die Koordinatorin viel über die Gründe für ihre Einsamkeit. Folgendes half ihr dabei, dass die Gesprächspartner*innen ihr vertrauten: „Zu Beginn der Interviews habe ich erklärt, wie lange das Gespräch dauert und dass das Gesagte unter uns bleibt. Ein kleines Honorar habe ich auch angeboten“, berichtet Keefer. Die erste Frage formulierte sie immer möglichst offen. Sie fragte beispielsweise: Wann in Ihrem Leben haben Sie sich schon einmal einsam gefühlt? Und wie war das für Sie?

Nachdem sie mit einigen Menschen gesprochen hatte, bekam sie nach und nach immer weitere Tipps: Ihre Gesprächspartner*innen und andere Menschen aus dem Netzwerk sagten ihr, mit wem sie noch reden könne. Am Ende sprach Keefer mit etwa 20 Menschen: Student*innen, Künstler*innen, Rentner*innen. Dabei sei es sehr wichtig, behutsam vorzugehen. „Mit manchen Menschen habe ich immer wieder gesprochen, bevor sie sich wirklich öffneten und von ihren Erfahrungen und Wünschen erzählten. Ausführliche Gespräche, echtes Interesse, aufmerksames Zuhören – das ist die Basis, ohne das gehts nicht“, betont Keefer.

Gute Zusammenarbeit im Netzwerk ist wichtig für Partizipation

Felicitas Keefer hatte sich schon länger mit Fakten zum Thema Einsamkeit beschäftigt: Sie besuchte 2019 den Fachkongress der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen BAGSO „Einsamkeit im Alter vorbeugen - aktive Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen“, las Studien und Zeitungsartikel. Sie hörte Podcasts und arbeitete schließlich einen eigenen Vortrag über Einsamkeit aus. Ihre Recherchen zeigten, dass das Thema Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft. Die Covid-19-Pandemie machte das dann noch deutlicher. Deshalb erweiterte das Kommune Inklusiv-Team die Zielgruppe der vereinsamten Senior*innen auf alle Menschen, die sich einsam fühlen. Die Arbeitsgruppe Einsamkeit gründete sich. 


Wie das Team in Erlangen dabei vorgegangen ist, lesen Sie unter „Neue Partner*innen an Bord holen“.


Die Koordinatorin hält nun den Kontakt zu den Menschen, mit denen sie gesprochen hat. Sie bringt ihre Wünsche und Anliegen in die Arbeitsgruppe Einsamkeit ein. Einige ihrer Gesprächspartner*innen engagieren sich auch in der Arbeitsgruppe. Dort arbeiten sie zusammen mit Akteur*innen aus Vereinen und Projekten, die sich professionell mit dem Thema Einsamkeit beschäftigen. Und mit Politiker*innen und Mitarbeiter*innen der Verwaltung, die Entscheidungen in die Kommune einbringen und umsetzen können. „Diese Zusammenarbeit im Netzwerk ist extrem wichtig für die Partizipation der Zielgruppen“, sagt Keefer. Denn so können die Menschen mit ihren Erfahrungen und Bedürfnissen die Fachleute und Entscheider*innen direkt erreichen. Sie machen die Erfahrung, dass sie mitbestimmen können.

Film-Tipp:
Zusammen mit dem Erlanger Bündnis gegen Depression drehte Felicitas Keefer ein Video: Eine Studentin, ein Musiker und eine Rentnerin berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Einsamkeit. 


Jetzt auf YouTube ansehen

Partizipation ältere Menschen in Erlangen
Eine junge Fußballerin mit rotem Trikot und Ball unter dem Arm lächelt in die Kamera.

Was Kommunen für mehr Partizipation tun können

Echte Partizipation ist bei Kommune Inklusiv eine Bedingung für gelingende Inklusion. Denn nur, wenn alle Menschen wirklich mitbestimmen und mitgestalten dürfen, ist Inklusion erreicht. Der Weg zu einer echten Bürgerbeteiligung verlangt Kommunen Geduld ab: Sie müssen Zeit, Geld und Personal investieren. Neben den geeigneten Methoden braucht es Mut zur Umsetzung und Veränderung von Routine. Partizipation ist ein Prozess, den Sie mit kleinen Schritten beginnen können. Fangen Sie im Quartier an: Beteiligen Sie die Einwohner*innen als Expert*innen für ihr Viertel, beispielsweise bei Stadtteilspaziergängen oder Stadtteilfesten.

Weitere Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung haben wir im "Infoblatt: Methoden der Partizipation (PDF)“ für Sie zusammengestellt. Einige lassen sich einfach und schnell umsetzen, für andere brauchen Sie etwas mehr Ressourcen.

Den „Königsweg der Partizipation“, die kooperative Planung, stellen wir Ihnen auf den folgenden zwei Seiten genauer vor. Einige der Modellkommunen arbeiten nach dieser Methode.

Wo Ihre Kommune beim Thema Partizipation steht, können Sie anhand der "Prüfliste: Ist Ihre Kommune auf dem Weg zur echten Bürgerbeteiligung? (PDF)“ überprüfen.

Zwei Frauen unterhalten sich in Gebärdensprache, ein Mann schaut zu

Echte Beteiligung durch kooperative Planung

Für einen nachhaltigen Erfolg ist die kooperative Projektplanung eine Grundvoraussetzung. Bei dieser Methode der Partizipation sind alle Menschen gleichberechtigt beteiligt.