Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung stehen auf einem Platz und unterhalten sich
Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung stehen auf einem Platz und unterhalten sich
Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung stehen auf einem Platz und unterhalten sich

Verstetigung in Rostock

Stadt finanziert hauptamtliche Stellen weiter

Kommune Inklusiv Rostock  ist im Anschluss an die Aktion Mensch-Förderung direkt weitergegangen: Die Stadtverwaltung gibt seit Anfang 2024 Geld für insgesamt eineinhalb hauptamtliche Koordinationsstellen. Der bisherige Träger, der Caritasverband Erzbistum Hamburg, Region Rostock, setzt die Initiative unter dem Namen Kommune Inklusiv weiterhin um. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung baut die Caritas das Rostocker Netzwerk für Inklusion aus, führt Projekte weiter und entwickelt mit Netzwerkpartner*innen neue Maßnahmen.

Drei Mitarbeiter*innen als Ansprechpartner*innen im Inklusionsbüro

Drei Inklusions-Expert*innen teilen sich die eineinhalb Stellen: Seit Januar 2024 arbeiten der bisherige Koordinator Erik Ortlieb und die Projektmitarbeiterin Judith Stolle nahtlos weiter. Bei der dritten Stelle hat es zwischendurch einen Wechsel gegeben: Caritas-Mitarbeiterin Charlott Wedig ist seit März 2026 im Inklusions-Team.

Der Anlaufpunkt für Inklusions-Anliegen ist gleich geblieben: Das Kommune Inklusiv-Team arbeitet weiterhin vom Inklusions-Büro in Rostock Mitte aus. Bereits während der Modellinitiative nutzten Kommune Inklusiv-Netzwerkpartner*innen, weitere Inklusions-Akteur*innen und Bürger*innen den barrierefreien Raum zum Austausch, für Besprechungen und Veranstaltungen oder kamen mit Fragen, Anliegen und Ideen vorbei.

Inklusions-Büro als Ort für Begegnungen

Diesen Begegnungsort baut das Kommune Inklusiv-Team weiter aus. Unter anderem bietet das Team seit dem Frühjahr 2025 alle zwei Wochen ein Erzähl-Café an .

Außerdem trifft sich in den Räumen unter dem Motto „Gemeinsam gestrickt“ eine Handarbeitsgruppe. „Dabei sind viele Frauen und ein Mann, mit und ohne Einwanderungsgeschichte“, sagt Kommune Inklusiv-Koordinator Erik Ortlieb. „Einige nutzen die Gelegenheit, mit den anderen Teilnehmenden Deutsch zu sprechen und zu üben.“ 

Im Stadtteil Rostock Mitte gibt es bisher kein Stadtteil- oder Begegnungszentrum. „Deshalb wollen wir einen Ort schaffen, an dem wir mit den Menschen ins Gespräch kommen. Und an dem auch sie miteinander ins Gespräch kommen“, sagt Ortlieb. Das Kommune Inklusiv-Team erfährt auf diese Weise mehr über die Wünsche, Ideen und Bedürfnisse der Menschen und bekommt Impulse für die Inklusions-Arbeit. „Außerdem wollen wir den Leuten zeigen: Inklusion und Teilhabe beginnen damit, dass wir miteinander sprechen. Dann ist schon viel erreicht.“

Zurzeit werden immer mehr Stimmen laut, die behaupten, dass Vielfalt die Gesellschaft nicht weiterbringe. „Dem müssen wir widersprechen“, sagt Ortlieb. „Unter anderem, indem wir durch unser Tun Stellung beziehen und zeigen: Vielfalt und Miteinander machen Spaß, helfen gegen Einsamkeit und tragen dazu bei, dass Menschen einander besser verstehen und füreinander einstehen.“ 

Eine Frau und ein Mann haben ein Headset auf dem Kopf und nehmen an einer Video-Konferenz am Laptop teil.
Die frühere Netzwerkkoordinatorin Anja Schulz und Koordinator Erik Ortlieb

Geld vom Senator für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule

Das Geld für die Kommune Inklusiv-Stellen kommt aus dem Haushalt des Senators für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule, Steffen Bockhahn. Der Senator war Schirmherr der Modellinitiative. Im Amt für Soziales und Teilhabe, das zum Senatsbereich gehört, wurden Personalkosten umgewandelt. Mit diesem Geld wird Kommune Inklusiv weiter gefördert. 

Die Caritas als Trägerin von Kommune Inklusiv muss nun der Stadtverwaltung jährlich einen Rechenschaftsbericht vorlegen. Außerdem muss sie einen Antrag stellen für das Geld. Die Stadt prüft dann, ob sie die Kosten für die Kommune Inklusiv-Stellen nach den Förderbedingungen anerkennt. Die Zuständigen haben signalisiert, dass das Inklusions-Vorhaben in den kommenden Jahren weitergehen soll.  

Der Weg zur Verstetigung: Kontakte fortlaufend gepflegt

Schon während der Zeit der Modellinitiative pflegte das Kommune Inklusiv-Team fortlaufend Kontakte in die Verwaltung. Unter anderem unterstützte die Leitung des Amtes für Soziales und Teilhabe die Modellinitiative und warb auf Veranstaltungen dafür. Amtsleiterin Anika Leese sieht in Kommune Inklusiv einen großen Mehrwert für die Stadt: Die Initiative habe es geschafft, Ansprechpartnerin für alle zu sein.
 
Im Herbst 2022 wählte Rostock eine neue Oberbürgermeisterin. Das damalige Kommune Inklusiv-Koordinationsteam bat Eva-Maria Kröger direkt um ein Gespräch, redete auf Veranstaltungen mit ihr, holte sie alsGast in ihren Inklusions-Podcast. Auf diese Weise war die Modellinitiative bei der Oberbürgermeisterin präsent. 2023 ging es darum, wie es mit Kommune Inklusiv weitergeht. Die Oberbürgermeisterin unterstützte den Vorschlag, Geld aus dem Haushalt dafür zur Verfügung zu stellen. Sozialsenator Bockhahn und der Vorstand der Caritas im Norden Andreas Meindl, damals Regionalleiter der Caritas in Rostock, führten daraufhin Gespräche und einigten sich auf die Finanzierung. 

Zusammenarbeit mit der Verwaltung

Das Kommune Inklusiv-Team arbeitet für Projekte und in Arbeitskreisen oft mit dem Amt für Soziales und Teilhabe zusammen. Das Team gründete beispielsweise einen Arbeitskreis zum Thema „Erster Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung“, in den sich unter anderem Vertreter*innen des Amts für Soziales und Teilhabe, des Integrationsfachdienstes, der Sozialplanung, der Agentur für Arbeit, der Einheitlichen Ansprechstelle für Arbeitgeber*innen sowie die Beauftragte für Menschen mit Behinderung einbringen. Ziel ist es, Alternativen zur Arbeit in Werkstätten aufzuzeigen und dafür die Menschen enger zu vernetzen, die sich für das Thema engagieren.
 
Auch mit dem Sportamt, dem Kulturamt und mit dem Fachbereich Ehrenamt, der zum Senatsbereich der Oberbürgermeisterin gehört, arbeitet Kommune Inklusiv Rostock gut zusammen.
Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung sitzen an einem Tisch und arbeiten gemeinsam,.
Eine Gruppe von Menschen sehen in die Kamera.

Kommune Inklusiv-Team als Vernetzer*innen

Während der Modellinitiative haben die Kommune Inklusiv-Koordinator*innen sich zu Berater*innen und Vernetzer*innen für Inklusion entwickelt, vor allem für Tourismus, Freizeit und Sport. Partizipation der Zielgruppen ist für sie Voraussetzung für alle Projekte. Kommune Inklusiv Rostock beriet beispielsweise gemeinsam mit einem Expert*innen-Rat aus Menschen mit Behinderung das Tourismus-Unternehmen AIDA zu Barrierefreiheit.

Das Team hat außerdem einen Teilhabe-Check gestartet: Die Teilhabe-Checker*innen überprüfen ehrenamtlich, wie zugänglich Orte und Veranstaltungen sind und ob alle Menschen teilnehmen können. Interessierte können sich über die Kommune Inklusiv-Webseite als Teilhabe-Checker*in bewerben, Organisationen, Veranstalter oder Unternehmen können einen Teilhabe-Check beauftragen.  

Kunst für alle in Rostock: Drinnen. Draußen. Egal.

Das Kommune Inklusiv-Team ist Teil des Arbeitskreises für Kultur und Inklusion , gegründet vom Circus Fantasia, einem inklusiven Kulturprojekt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie können alle Menschen an Kunst und Kultur teilnehmen - als Künstler*innen und als Besucher*innen? Der Arbeitskreis ist offen für alle Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen mit und ohne Behinderung.

Ein Ergebnis der bisherigen Arbeit: Im Rostocker Inklusions-Büro treffen sich unter dem Motto „Drinnen. Draußen. Egal.“ Künstler*innen mit und ohne Behinderung zum Stammtisch. Sie arbeiten an gemeinsamen sowie an eigenen Projekten und planen Ausstellungen. 

Inklusive Basketball-Teams für Stadt und Landkreis

Gemeinsam mit den zuständigen Ämtern bei der Stadt hat Kommune Inklusiv den Basketballverein Rostock Seawolves unterstützt, die deutschlandweit erste inklusive Basketballmannschaft zu gründen . Unter dem Namen Rostock WeWolves spielen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Basketball.

Mittlerweile gibt es ein zweites inklusives Basketballteam im Landkreis Rostock, unterstützt von Kommune Inklusiv. Und das Beispiel soll weitere Kreise ziehen: Ziel ist, dass auch andere Städte und Kreise in Mecklenburg-Vorpommern Basketballteams für Menschen mit und ohne Behinderung gründen.

Wassersport und Strandkörbe für alle

Weitere Sport- und Freizeit-Projekte, die Kommune Inklusiv mit Netzwerk-Partner*innen gestartet hat, finden auf dem und am Wasser statt: Das Amt für Soziales und Teilhabe hat dem Rostocker Regatta Verein ein Inklusions-Segelboot finanziert. Gemeinsam mit weiteren Partner*innen hat Kommune Inklusiv barrierefreie Strandkörbe aufgestellt. Und zusammen mit dem Landesanglerverband MV will das Inklusions-Team barrierefreies Angeln in Rostock ermöglichen.

Gemeinsam gärtnern, zusammen feiern

Mit der Deutschen Alzheimergesellschaft und anderen Partner*innen hat Kommune Inklusiv Rostock den Aktivgarten eröffnet : Immer mittwochs treffen sich Menschen mit beginnender Demenz in einem Kleingarten zum Buddeln, Natur genießen und Reden.

Gemeinsam gefeiert wird ebenfalls: Zusammen mit den Betreibern des beliebten Tanz- und Nachtclubs Helgas Tanzpalast organisieren Kommune Inklusiv und die Caritas seit November 2025 die „Partys für Alle “ - mit barrierefreiem Zugang, niedrigen Preisen und mit leiserer Musik sowie weniger Lichteffekten zu bestimmten Zeiten.

Eigene Projekte anstoßen, Projekte anderer begleiten

Die Rostocker Inklusions-Expert*innen engagieren sich auf zwei Arten: Sie planen eigene Projekte und setzen sie als Hauptverantwortliche um. Und sie beraten und begleiten andere Akteur*innen, Vereine und soziale Träger bei deren Projekten: Sie kommen hinzu als Moderator*innen, Ratgeber*innen oder Kontaktvermittler*innen.

Das Netzwerk für Inklusion ist dadurch immer in Bewegung. Zum Kern gehören das Koordinations-Team, die Caritas und die Stadtverwaltung. Für neue Projekte kommen Netzwerk-Partner*innen dazu. Manche verlassen das Netzwerk nach Ende eines Projekts. Andere bleiben, weil ihr Projekt erfolgreich verstetigt wurde oder weil sie neue Ideen umsetzen.

Stellung beziehen durch Handeln für mehr Vielfalt

Diese Art der Netzwerk-Arbeit will das Kommune Inklusiv-Team fortsetzen. „Wir wollen die Ideen von Menschen aus Rostock aufgreifen, mit umsetzen und unterstützen“, sagt Koordinator Erik Ortlieb. „Und auf diese Weise tatsächlich etwas für die Menschen vor Ort tun. Dann sehen andere: Ach, guck mal, so einfach kann das gehen.“ 

Menschen mit und ohne Behinderung, einige sitzen im Rollstuhl, einige haben eine Uniform an
Das inklusive Beratungsteam für das Tourismus-Unternehmen AIDA (Foto: AIDA)
Am Strand fährt ein Rollstuhlfahrer aus einem Strandkorb.
Barrierefreier Strandkorb in Warnemünde

Erfolgs-Faktoren in Rostock

Verwaltung an Bord geholt

Der Sozialsenator, die Leiterin des Amts für Soziales und Teilhabe, die neue Oberbürgermeisterin – sie stehen hinter Kommune Inklusiv. Die Koordinator*innen trafen sich regelmäßig mit ihnen, luden sie zu Veranstaltungen ein und bezogen sie in ihre Öffentlichkeitsarbeit ein, beispielsweise über Soziale Medien und in Podcasts.

Flexibel reagiert und Maßnahmen angepasst

Gestartet war Kommune Inklusiv Rostock mit Maßnahmen für Jugendliche, Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Menschen mit Behinderung, vor allem im Bereich Bildung. Es stellte sich heraus, dass Maßnahmen auch in anderen Bereichen und mit weiteren Zielgruppen wirksamer wären. Nun trägt Kommune Inklusiv in Tourismus, Freizeit und Sport zu mehr inklusiven Strukturen bei.

Expert*innen-Wissen eingebracht

Die Koordinator*innen sind zu Expert*innen und Ansprechpartner*innen für Partizipation, Barrierefreiheit und Inklusion geworden und haben sich auf diese Weise einen Namen bei Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbänden gemacht.

Vernetzungs-Arbeit geleistet

Das Kommune Inklusiv-Team nutzt das Engagement vor Ort und bringt die richtigen Partner*innen für neue Projekte zusammen. Es unterstützt außerdem bestehende Projekte mit eigenen Ressourcen. Dadurch bekommen sowohl Kommune Inklusiv als auch die Projekte und Veranstaltungen zusätzliche Aufmerksamkeit.

Das sagt das Kommune Inklusiv-Team aus Rostock

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