Kostenlose Busse für alle: Nahverkehr in Pfaffenhofen
Aktualisiert: November 2025
Seit 2018 können die Menschen in Pfaffenhofen kostenlos mit dem Bus fahren. Und seitdem steigen die Fahrgastzahlen: Mehr als 20.000 Menschen nutzen die drei Stadt- und drei Expressbuslinien pro Woche. Darunter sind Schüler*innen, Pendler*innen oder Senior*innen. Damit haben sich die Fahrgastzahlen seit Beginn der kostenlosen Fahrten mehr als vervierfacht.
Mehr Haltestellen, weniger Wartezeit und mehr Service
Grund für den Erfolg war auch, dass die Stadt noch viel weiter gedacht hat als nur an den Preis. „Die Busse fahren alle 30 Minuten, statt wie vorher nur einmal in der Stunde. Wir haben mehr Haltestellen, Sitzbänke und Wartehäuschen aufgebaut, neue Gebiete eingebunden und die Linienführung verbessert. Die Busse fahren abends eine Stunde länger und sieben Tage die Woche“, sagt Matthias Stocker, Projektleitung und Prokurist der Stadtbus Pfaffenhofen GmbH. Zusätzlich installierte die Stadt am Bahnhof und im Zentrum große LED-Tafeln. Auf diesen Tafeln können Fahrgäste Informationen zu Fahrzeiten, Umleitungen oder Fahrplanänderungen ablesen. Außerdem sind alle Stadtbusse barrierearm, damit Familien mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer*innen oder Senior*innen mit Rollator möglichst leicht in die Busse einsteigen können.
Bürgerbeteiligung für neues Verkehrskonzept
Auf die guten Ideen für einen besseren öffentlichen Nahverkehr ist die Stadtbus GmbH nicht allein gekommen. In einer großen Umfrage fragten sie ihre Fahrgäste, was noch besser werden kann. „Die Vorschläge waren sehr konstruktiv“, so Stocker. „Die Menschen haben sich vor allem gewünscht, dass Busse morgens früher und abends länger fahren. Auch eine bessere Anbindung zum Zugverkehr und mehr Haltestellen waren ein Thema. Und sie haben uns auch auf unnötige Umwege hingewiesen.“ Im neuen Verkehrskonzept setzte die Stadtbus GmbH sehr viele Wünsche der Befragten um.
So führten sie unter anderem die Expressbuslinien ein. Ähnlich wie bei einem Taxi bestellen Fahrgäste den Bus mindestens 30 Minuten vor Fahrtantritt per App, Telefon oder per Buchung über die Webseite an eine Haltestelle ihrer Wahl. Weil er nur die Haltestellen anfährt, an denen eine Fahrt bestellt wurde, kommen die Fahrgäste schneller an ihr Ziel. Und die Stadtbus GmbH vermeidet Fahrten ohne Fahrgäste.
Kostenlos Bus fahren – eine große Erleichterung für Senior*innen
„Ich finde den Stadtbus grandios und fahre sehr gern damit“, sagt die Pfaffenhofenerin Dagmar Völkl. „Eine Haltestelle ist direkt vor meiner Haustür und ich komme fast überall hin: zum Beispiel zum Einkaufen in die Stadt oder zum Friedhof, zum Grab meines verstorbenen Mannes.“ Auch wenn sie nicht überall bis vor die Eingangstür kommt: „Ein paar Meter laufen schadet ja auch nicht“, sagt Dagmar Völkl lachend. Die Seniorin fährt auch manchmal mit anderen Linien und freut sich, die Stadt von einer anderen Seite zu sehen. Für sie ist es eine große Erleichterung, dass das Busfahren nichts kostet. „Wenn man keine so gute Rente bekommt, dann muss man schon auch rechnen, was so eine Busfahrkarte oder Monatskarte kostet.“ In Pfaffenhofen muss sie sich diese Gedanken nicht machen. Sie fährt einfach, wann und wo immer sie will.
Ehrenamtliche Initiative: Der Nacht-Rufbus für junge Menschen
Jugendliche und junge Erwachsene aus Pfaffenhofen haben schon vor langer Zeit selbst dafür gesorgt, dass auch an sie gedacht wird. Seit 2001 ist der Rufbus Linie Nacht unterwegs. Das Jugendparlament machte sich damals für einen Bus für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 26 Jahren stark. Der Nachtbus fährt seitdem immer freitags und samstags von 19 Uhr bis 3 Uhr in der Nacht.
Unabhängigkeit und Sicherheit für junge Menschen
„Jugendliche wollen unabhängig und sicher ihre Freizeit gestalten können“, so Manuel Hummler, ehemaliges Mitglied des Jugendparlaments Pfaffenhofen. „Es ist schwer, jemanden zu finden, der einen nachts abholen kann oder will.“ Außerdem spielt Alkohol eine Rolle. Da gebe es dann immer die Frage, kann ich nach einem oder zwei Bier noch sicher fahren? Einige junge Menschen wohnen in kleinen und abgelegenen Dörfern mit nur ein paar Dutzend Einwohnern. „Die Straße, die zu mir nach Hause führt, ist schmal und abgelegen“, sagt Pia Huber, ehemaliges Mitglied des Jugendparlaments Pfaffenhofen. „Da kommt niemand so schnell vorbei und kann helfen, wenn zum Beispiel ein Reh vors Auto springt.“ Der Nachtbus ist dagegen immer mit zwei Personen besetzt: Fahrer*in und Beifahrer*in. Außerdem gibt es zwei Schichten, von 19 Uhr bis 23 Uhr und von 23 Uhr bis 3 Uhr. „Schließlich sollen auch die Fahrer*innen und Beifahrer*innen sicher und nicht übermüdet unterwegs sein“, sagt Manuel Hummler.
Die Stadt unterstützt das ehrenamtliche Engagement
Fahrer*innen und Beifahrer*innen besetzen die zwei Schichten pro Nacht ehrenamtlich. „Die Stadt Pfaffenhofen unterstützt uns dabei“, erklärt Pia Huber. „Es gibt eine halbe Stelle in der Stadt, die uns bei der Organisation hilft. Die Stadt bezahlt außerdem Tankkosten, Reparaturen und die Ausbildung für den Personenbeförderungsschein, den alle Nachtbusfahrer*innen brauchen.“ Als besonderen Dank für die Fahrer*innen und Beifahrer*innen gibt es kostenlose Essensmarken für das jährliche Volksfest und ein „Rufbus-Wochenende“. An diesem Wochenende verbringen Fahrer*innen und Beifahrer*innen eine gute Zeit mit Wandern, Schwimmen oder Gesellschaftsspielen. Mit Unterstützung des Rotary Club Pfaffenhofen Ilm konnte im März 2024 ein neueres Fahrzeug angeschafft werden.
Nacht-Rufbus noch nicht völlig barrierefrei
Auch wenn sich das städtische Verkehrskonzept von Pfaffenhofen, ergänzt durch ein starkes Ehrenamt, für viele schon sehr gut anhört, einen Wermutstropfen gibt es doch: Rollstuhlfahrer*innen können bisher nur den Stadtbus und den Expressbus nutzen. Der Rufbus Linie Nacht ist für sie nicht nutzbar.
Menschen mit Hörbeeinträchtigung nutzen den Rufbus Linie Nacht dagegen schon. Sie kontaktieren die Rufbusfahrer*innen einfach über Telekommunikationsdienste für hörbeeinträchtigte Menschen , statt über ein Telefongespräch.
Bürger*innen-Initiativen entscheiden über Auto-Sharing-Stationen
Stück für Stück werden im Stadtgebiet auch Carsharing-Stationen aufgebaut. Beim Sharing teilen sich mehrere Menschen ein Fahrzeug. Wo neue Stationen aufgebaut werden, entscheiden die Bürger*innen. Für eine neue Sharing-Station müssen sich mindestens 15 Personen stark machen. So entsteht neben einer Sharing-Station auch gleich eine Verkehrsgemeinschaft, die sich für gemeinsame Ziele einsetzt.
Verkehrskonzept soll in Zukunft noch besser und barrierefreier werden
Die Stadt finanziert den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr größtenteils selbst , neben geringeren Einnahmen und staatlichen Zuwendungen. Stadtrat und Bürgermeister stehen hinter den kostenlosen Bussen für alle. Kürzlich hat der Rat die Finanzierung bis August 2027 beschlossen. Daneben werden die Haltestellen Stück für Stück weiter aufgewertet und barrierefreier gemacht, zum Beispiel mit Wartehäuschen, LED-Anzeigen und Sprachausgaben nach Tastendruck. Außerdem werden Bordsteine bei Haltestellen so umgerüstet, dass der Einstieg einfacher wird. Das Ziel in Pfaffenhofen sei ein inklusives und barrierefreies Verkehrskonzept, das mit und für Menschen gemacht ist, sagt Matthias Stocker von der Stadtbus GmbH.
Die 10 Guten Gründe für Inklusion und Beispiele im Überblick
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