Verstetigung in der VG Nieder-Olm
„Strategie Inklusion“ setzt Ziele von Kommune Inklusiv fort
In der Modellkommune Verbandsgemeinde (VG) Nieder-Olm haben die Politiker*innen einstimmig einer Inklusions-Strategie zugestimmt. Das Kommune Inklusiv-Netzwerk aus Verbänden und Verwaltung hatte die „Strategie Inklusion“ entwickelt. Damit verfolgt die Verbandsgemeinde die Ziele von Kommune Inklusiv dauerhaft weiter.
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Ein Bewusstsein für Teilhabe ist in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm vorhanden.
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Die Bürger*innen gestalten den Weg zu mehr Inklusion mit: Sie können sich an allen Projekten zur Strategie Inklusion beteiligen.
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Alle Menschen können gleichberechtigt am Leben und an der Gemeinschaft teilhaben.
Strategie Inklusion der VG Nieder-Olm
Unverzichtbar: Koordinierungsstelle, Steuerungsgremium und Netzwerk
Die Strategie Inklusion sieht vor, dass es eine hauptamtliche Koordinierungsstelle und ein Steuerungsgremium gibt.
Die Verbandsgemeinde hat die Koordinierungsstelle als unbefristete Vollzeitstelle in der Verwaltung der Verbandsgemeinde geschaffen und finanziert sie dauerhaft. Seit dem Sommer 2023 organisiert eine hauptamtliche Koordinatorin zusammen mit anderen Stellen in der Verwaltung die Umsetzung der Strategie. Sie stimmt alle Aktivitäten zur Umsetzung aufeinander ab und bringt den Austausch aller Beteiligten voran. Sie arbeitet dabei unter anderem mit der Leiterin der Bürgerdienste Annette Hambach-Spiegler zusammen, zu deren Abteilung die Koordinierungsstelle gehört.
Das Steuerungsgremium berät den*die Bürgermeister*in und weitere Stellen in der Verwaltung. Es unterstützt den Austausch zwischen der Verbandsgemeinde und weiteren Menschen, die sich vor Ort für mehr Inklusion einsetzen. Im Steuerungsgremium sind die drei Personen-Gruppen vertreten, die die Strategie verwirklichen:
- Menschen aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, beispielsweise aus dem Seniorenbeirat, dem Migrationsbeirat (zurzeit - Stand Mai 2025 - nicht besetzt), dem Beirat für Menschen mit Behinderung
- Entscheidungs-Träger*innen, beispielsweise Mitarbeiter*innen der Verbandsgemeinde-Verwaltung wie die Leiterin der Abteilung Bürgerdienste und die Integrations-Managerin
- Expert*innen, beispielsweise von Einrichtungen, Trägern und Selbstvertreter*innen-Gruppen
Mitglieder der Steuerungsgruppe
Der Bürgermeister der VG Nieder-Olm hat die Mitglieder der Steuerungsgruppe im Oktober 2023 berufen. Im Einzelnen sind es (Stand November 2023):
- Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen, Mainz e.V. (ZsL Mainz)
- Gemeinnützige Gesellschaft für ambulante und stationäre Altenhilfe (GFA) mbH
- Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD)
- Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen gGmbH (gpe Mainz)
- Lebenshilfe Mainz-Bingen, Wohnstätte Nieder-Olm
- Alloheim Seniorenzentrum Essenheim
- AZURIT Seniorenzentrum Sörgenloch
- in.betrieb gGmbH Gesellschaft für Teilhabe und Integration
- Beirat für Menschen mit Behinderung
- Seniorenbeirat
- Mitarbeiter*innen der Verbandsgemeindeverwaltung
- Einzelpersonen
Das gesamte Steuerungsgremium trifft sich viermal im Jahr, die Koordinatorin moderiert die Sitzungen. Es haben sich außerdem kleinere Gruppen gebildet, die sich mit einzelnen Themen genauer beschäftigen, beispielsweise mit der Organisation von Netzwerktreffen.
Zum Netzwerk für eine inklusive Verbandsgemeinde gehören neben den Mitgliedern des Steuerungsgremiums weitere Einrichtungen, Unternehmen, Vereine und Bürger*innen aus der Verbandsgemeinde. Zwei Arbeitsgruppen von Kommune Inklusiv arbeiten weiter, zu den Themen Gesundheit und Freizeit. Sie setzen Projekte um wie inklusive Koch-Projekte , inklusiven Schwimm-Unterricht für Kinder und Jugendliche oder Fragebögen in Leichter Sprache, die Menschen mit Behinderung, mit Demenz oder Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen, besser auf Arztbesuche vorbereiten.
Kommune Inklusiv wird zum Netzwerk Inklusive Verbandsgemeinde
Nach Ende der Förderung durch die Aktion Mensch lief das Vorhaben für mehr Inklusion zunächst unter dem Namen Kommune Inklusiv VG Nieder-Olm weiter. 2025 änderten die Akteur*innen den Namen in Netzwerk Inklusive Verbandsgemeinde Nieder-Olm. „Wir wollten deutlicher machen, dass es ein verstetigter Prozess ist“, sagt Gracia Schade, seit August 2025 Inklusions-Koordinatorin der Verbandsgemeinde. „Die Koordinierungsstelle für Inklusion ist ein Bestandteil der Gemeindeverwaltung, ebenso wie das Seniorenbüro oder das Migrationsbüro. Die Koordininierungsstelle hat unter anderem den Auftrag, das Netzwerk zu begleiten und zu vergrößern.“
Schade entwarf ein neues Logo im Design der Verbandsgemeinde und stimmte es mit dem Bürgermeister und dem Steuerungsgremium ab. „Inklusion ist ein Querschnittsthema, welches wir als Grundhaltung verankern wollen“, erläutert Schade. „Das Logo der Verbandsgemeinde bildet nun auch das Zentrum des Netzwerk-Logos. Bunte fortlaufende Pfeile symbolisieren einen dauerhaften Prozess.“
Aufgabe: Dem Netzwerk eine Struktur geben
Eine große Aufgabe ist es weiterhin, dem Netzwerk Inklusive Verbandsgemeinde eine verbindliche Struktur zu geben. Verwaltung, Koordinationsstelle und Steuerungsgremium klären, wie die Akteur*innen und Gremien am besten zusammenarbeiten. 2024 wurden sie dabei von einer Prozessbegleitung unterstützt. Dafür erhielt die Verbandsgemeinde Nieder-Olm Förderung von der Landes-Antidiskriminierungsstelle Rheinland-Pfalz.
Das Soziale Quintett in der Verwaltung
Die Zusammenarbeit zwischen der Inklusions-Koordinatorin und weiteren Stellen in der Verwaltung funktioniert auf Augenhöhe: Die Seniorenbeauftragte, die Beauftragte für geflüchtete Menschen, die Jugendpflegerin, zwei Kolleg*innen aus der Kita-Sozialarbeit und Inklusions-Koordinatorin Gracia Schade arbeiten eng zusammen und unterstützen sich gegenseitig. „Wir haben uns den Namen Soziales Quintett gegeben“, sagt Schade.
Die Verwaltungsmitarbeiter*innen treffen sich alle drei Wochen. Sie tauschen sich über ihre Aufgaben aus. Dabei besprechen sie auch konkret, bei welchen Projekten und Veranstaltungen eine Stelle Unterstützung braucht. Die anderen überlegen, in welcher Form sie Ressourcen einbringen können: Kann jemand beispielsweise die Kolleg*innen von der Kita-Sozialarbeit bei ihrer Veranstaltung zum Weltkinderrechtetag unterstützen und eine eigene Aktion anbieten? Oder bei der Organisation des Netzwerktreffens der inklusiven Verbandsgemeinde helfen?
Ein Leitbild für vielfältiges Leben
Ein wichtiger Bestandteil der Strategie Inklusion ist das Leitbild für mehr Inklusion in der Verbandsgemeinde, die Charta für ein vielfältiges Leben . Die Charta ist eine Art Grundregel-Katalog für die Strategie: So verpflichten sich alle, die die Charta unterzeichnen, zu gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Sie wollen die Würde und Rechte aller Menschen achten und sich gegenseitig dabei unterstützen, Barrieren zu beseitigen und Diskriminierung zu vermeiden.
Die Verbandsgemeinde und die Mitglieder des Steuerungsgremiums haben die Charta unterzeichnet – und alle weiteren Organisationen, Unternehmen, Vereine, Nachbarschafts-Gruppen und Einzelpersonen aus der VG Nieder-Olm können das ebenfalls tun. Wer die Charta unterschreibt, erklärt sich dazu bereit, Inklusion in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm aktiv voranzubringen. Das Motto dabei lautet: „Auch wir machen mal Fehler oder können nicht immer das Gewünschte umsetzen. Doch es geht nicht um Perfektion. Es geht um ein aktives Miteinander, um die Teilhabe aller Menschen zu stärken.“
Beim Couchgeflüster Inklusion erleben
Ein- bis zweimal im Jahr lädt das Netzwerk alle Interessierten zu einer offenen Netzwerkveranstaltung ein. Unter dem Motto Couchgeflüster sprechen Netzwerk-Partner*innen, Koordinatorin und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde über ein Schwerpunktthema - beispielsweise inklusiver Arbeitsmarkt oder ehrenamtliches Engagement.
Für Netzwerk-Partner*innen eine Möglichkeit, Wissen und Erfahrungen auszutauschen. Für Verbände, Organisationen, Unternehmen oder Bürger*innen, die noch nicht Teil des Netzwerks sind, eine Chance, mehr über die Arbeit und Angebote des Netzwerks zu erfahren.
Koordinatorin als Ansprechpartnerin für Projekt-Ideen
Wenn Akteur*innen vor Ort Ideen für ein Inklusions-Projekt haben, wenden sie sich damit an Koordinatorin. Sie schaut dann, wohin die Ideen am besten passen: Sollte eine der Arbeitsgruppen sich damit beschäftigen? Muss die Steuerungsgruppe darüber noch einmal sprechen? Lassen sich weitere Kooperationspartner*innen finden, um an der Idee weiterzuarbeiten?
Oft kommen die Ideen von Partner*innen aus dem Netzwerk - aus Gremien wie dem Beirat für Menschen mit Behinderung oder aus den Arbeitsgruppen. Auch kommen immer öfter lokale Vereine und Initiativen auf die Inklusions-Koordinatorin zu, mit Ideen für Veranstaltungen oder erst einmal einfach mit dem Wunsch, eine bestimmte Sache für Menschen aus ihrer Zielgruppe zu verbessern.
Wirken die Maßnahmen?
Ob und wie die bisherigen Angebote wirken, überprüft Inklusions-Koordinatorin Gracia Schade systematisch mithilfe der Wirkungsanalyse. Teilnehmer*innen von Angeboten wie dem Geselligen Mittagstisch bittet die Koordinatorin, online oder auf Papier Fragen zu beantworten. Gemeinsam mit den Organisator*innen der Maßnahmen hat sie sogenannte Indikatoren erarbeitet, mit denen sich die Wirkung der Projekte überprüfen lässt. Denn die Maßnahmen sollen ihre Ziele und Zielgruppen wirklich erreichen. Mit Erfolgen lassen sich Verwaltungsspitze und Politik überzeugen.
„Geselliger Mittagstisch“ im Fernsehen
Neue politische Instrumente entwickelt
Um die Strategie umzusetzen und die Ziele zu erreichen, entwickelt das Inklusions-Netzwerk neue politische Instrumente. Diese Instrumente heißen:
„Inklusions-Vorbehalt“ und „Inklusions-Folgenabschätzung“
Inklusions-Vorbehalt bedeutet: Bei jeder Entscheidung prüft die Verbandsgemeinde vorher, ob die Entscheidung wichtig ist für Inklusion. Und ob sie sich auf die Teilhabe der Menschen auswirkt. Falls ja, folgt die Inklusions-Folgenabschätzung: Die Verantwortlichen prüfen, wie sich die Entscheidung auswirkt, also welche Folgen sie hat.
Das Inklusions-Team hat für diese neuen Instrumente ein vorhandenes politisches Instrument als Vorbild genommen: die sogenannte Gesetzesfolgenabschätzung. Die besagt: Die Bundespolitik muss die möglichen Folgen eines neuen Gesetzes herausfinden und bewerten, bevor sie es verabschieden kann. Nach diesem Prinzip soll nun auch die Inklusions-Folgenabschätzung in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm funktionieren.
Ziel ist, dass nicht nur Verwaltung und Lokalpolitik diese Instrumente anwenden. Auch Kirchengemeinden, Unternehmen und soziale Einrichtungen sollen sich bei neuen Projekten und Maßnahmen fragen: Was müssen wir beachten, damit alle Menschen nach Umsetzung der Maßnahme teilhaben können? Welche Barrieren müssen wir dafür gegebenenfalls beseitigen? Wie können wir Menschen aus den Zielgruppen in die Planung und Umsetzung einbeziehen, damit die Maßnahme ihre Bedürfnisse erfüllt?
Bei jeder Planung über Teilhabe nachdenken
Die Leiterin der Abteilung Bürgerdienste in der VG Nieder-Olm Annette Hambach-Spiegler erzählt in diesem Video mehr über die gewünschten Wirkungen des Inklusions-Vorbehalts und der Inklusions-Folgenabschätzung.
Arbeitsgruppe für Umsetzung in die Praxis gegründet
In der Verwaltung der Verbandsgemeinde Nieder-Olm hat sich eine Arbeitsgruppe gegründet, um herauszufinden, wie bei allen Entscheidungen in der Praxis Inklusion direkt mitgedacht werden kann. Mitarbeiter*innen aus allen Abteilungen der Verwaltung sind in der Arbeitsgruppe.
Zunächst mussten sie sich darüber verständigen, was sie unter dem Begriff Inklusion verstehen und weshalb es wichtig ist, bei allen Entscheidungen die Teilhabe aller Menschen zu berücksichtigen. Nun arbeiten sie daran, einen einheitlichen Ablauf für die unterschiedlichen Entscheidungsprozesse in der Verwaltung zu finden. Zu klären sind unter anderem zunächst folgende Fragen: Zu welchem – frühestmöglichen – Zeitpunkt in den Prozessen sollte die Prüfung stattfinden? Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf alle Menschen? Und wie sollte diese Prüfung gestaltet sein, damit sie bei Entscheidungen ohne großen Aufwand einfach mitlaufen kann?
Erarbeiten muss die Arbeitsgruppe außerdem, wie später alle Mitarbeiter*innen der Verwaltung dafür gewonnen werden können, die Instrumente für mehr Inklusion selbstverständlich anzuwenden.
Verwaltung testet erstes Schema
Die ersten Schritte sind gemacht: Inklusions-Koordinatorin Gracia Schade hat in Abstimmung mit dem Steuerungsgremium ein Schema entworfen, nach dem Mitarbeiter*innen bei Entscheidungen vorgehen können. Nach und nach sollen es die Zuständigen aus verschiedenen Bereichen der Verwaltung anwenden. Sie sollen Rückmeldung geben, wie sie mit dem Schema arbeiten können. Falls sich herausstellt, dass ein festes Schema für die alltägliche Arbeit ungeeignet ist, suchen die Verwaltungs-Mitarbeiter*innen mit dem Inklusions-Team nach anderen Lösungen.
Im Gespräch mit den Zuständigen für Personal stellte sich beispielsweise heraus: Der Bereich Personal ist von sehr vielen Gesetzen bestimmt - ein Vorgehen nach dem Schema würde nicht funktionieren. Alternativ bot die Verwaltung den Mitarbeiter*innen eine Weiterbildung zum Thema „Unconscious Bias“ an - der englische Fachbegriff für unbewusste Vorurteile gegenüber Menschen.
Schritt für Schritt zur Strategie Inklusion
Um das Vorhaben Kommune Inklusiv in der VG Nieder-Olm erfolgreich zu verstetigen, hatte das Kommune Inklusiv-Team während der Modellinitiative Nachhaltigkeit von Beginn an mitgedacht: In Reflexionsrunden und Workshops hatte das Netzwerk gemeinsam mit der Prozessbegleitung Ideen entwickelt, wie es mit Kommune Inklusiv nach fünf Jahren Projektlaufzeit weitergehen und wie die Verbandsgemeinde Nieder-Olm die erarbeiteten Wirkungsziele konsequent weiterverfolgen kann. Auf diese Arbeit konnte die Steuerungsgruppe in der Folge gut aufbauen.
Dann kam 2020 die Pandemie. Durch Lockdowns waren Veranstaltungen und Aktionen vor Ort nicht mehr möglich – so wurden Ressourcen frei. Das Steuerungsgremium beschloss, jetzt noch mehr Zeit und Energie in die Zukunft des Vorhabens zu stecken und begann mit der Arbeit an der Inklusions-Strategie. Das Ziel: Einen Plan zu entwickeln, wie sich die Strukturen in der VG Nieder-Olm ändern können und müssen, damit Inklusion in allen Bereichen dauerhaft mitgedacht wird.
Offizieller Auftrag des Bürgermeisters
Das Steuerungsgremium beschloss, sich vom Bürgermeister der VG Nieder-Olm den offiziellen Auftrag abzuholen, eine Inklusions-Strategie für die Verbandsgemeinde zu entwickeln. Dieses Mandat erteilte der Bürgermeister im Herbst 2020. Das Steuerungsgremium bildete daraufhin ein Strategie-Team, das die Strategie Inklusion erarbeitete. Anfang 2022 legte das Strategie-Team seinen Entwurf des Steuerungsgremiums vor. Diese leitete den Entwurf an den Bürgermeister weiter. Der Bürgermeister gab ihn in den Ausschuss für Generationen, Soziales, Kultur und Migration. Im März 2022 stimmte der Ausschuss einstimmig für den Entwurf und leitete ihn an den Rat der Verbandsgemeinde weiter. Der Rat entschied sich im Mai 2022 ebenfalls einstimmig für die Strategie Inklusion.
Bürger*innen nach und nach einbeziehen
Die Akteur*innen und Verantwortlichen in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm setzen die Strategie nun weiter schrittweise in die Praxis um: Verwaltung, Politik, Verbände, Einrichtungen und Bürger*innen gemeinsam. Nach und nach müssen alle Mitarbeiter*innen in der Verwaltung, alle Lokalpolitiker*innen und alle Bürger*innen informiert, mitgenommen und einbezogen werden - über persönliche Ansprache, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Formen der Partizipation.
Alle Menschen sind aufgerufen mitzuwirken
Ein Ziel der Inklusions-Akteur*innen in der VG Nieder-Olm: Jeder Mensch trägt vor Ort einen Teil dazu bei, die Verbandsgemeinde inklusiver zu gestalten. „Wir brauchen im Alltag alle Menschen für mehr Inklusion“, sagt Koordinatorin Gracia Schade. „Ziel ist, dass die Menschen mehr Gemeinschaft und Toleranz in möglichst allen Bereichen des täglichen Lebens spüren.“
Inklusion von Anfang an mitdenken - ein Beispiel aus der Lokalpolitik
Ein Erfolg der Strategie zeigte sich schon in der Erarbeitungsphase: Die Arbeit an der Inklusions-Strategie und die Planung eines neuen Feuerwehrhauses liefen zeitlich parallel, waren aber nicht miteinander verknüpft. Im Frühjahr 2022 stellte das Strategieteam den Entwurf der Inklusions-Strategie den Lokalpolitiker*innen im Fachausschuss für Soziales vor, der die Strategie einstimmig beschloss. In diesem Sozial-Ausschuss saßen zwei Lokalpolitiker, die als Feuerwehrleute für das Thema Feuerwehr im Verbandsgemeinderat zuständig sind.
Als die Architekt*innen ihr erstes Konzept für das Feuerwehrhaus im Bau-Ausschuss präsentierten, waren diese Feuerwehrleute auch dabei und schauten genau hin. Ihnen fiel auf, dass die Architekt*innen für den Weg zum Haupteingang einen nicht für Rollstühle und Rollatoren geeigneten Belag aus Schotter geplant hatten. Außerdem hatten sie als Eingangstür eine Tür eingeplant, die sich nicht automatisch öffnet. Die Feuerwehrleute kritisierten im Bau-Ausschuss, dass das neue Feuerwehrhaus so nicht barrierefrei wäre. Das Architekturbüro bekam den Auftrag, den Entwurf nachzubessern.
Dadurch, dass die Feuerwehrleute sich im Sozialausschuss mit der Inklusions-Strategie beschäftigten, die Wirkungsziele kannten und ihnen zustimmten, hatte sich ihr Blick verändert. Sie dachten Inklusion von Anfang an mit.