Interview mit Annette Kob

Annette Kob ist Geschäftsführerin der „Neue ohne Barrieren“ gGmbH, Mitglied der Steuerungsgruppe in der Modellkommune Rostock und Partnerin bei der Maßnahme „Übergangsmanagement vom Job in die Rente“ für Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt arbeiten.

 

Sie sind seit Anfang 2020 in der Steuerungsgruppe bei Kommune Inklusiv Rostock aktiv. Als Sie dazukamen, lief Kommune Inklusiv bereits seit etwa zwei Jahren. Haben Sie sich willkommen gefühlt bei Ihrem ersten Treffen mit der Steuerungsgruppe?

Annette Kob: Ja, das habe ich. Niemand hat mir das Gefühl gegeben: Du bist hier die Neue, du hast erst einmal nichts zu sagen. Im Gegenteil. Ich konnte sehr viele Fragen stellen: „Warum ist das bei euch so? Warum setzt ihr das so und so um? Warum habt ihr das in dem Fall so gemacht und nicht anders?“ Im Nachhinein habe ich mich erst einmal dafür entschuldigt und gesagt: „Das tut mir jetzt total leid, aber ich muss ja wissen, weshalb die Abläufe und die Zusammenarbeit bei euch so sind, wie sie sind.“ Dann haben die anderen mir aber auch versichert, das Nachfragen habe sie bereichert, weil sie dadurch ihre eigene Arbeit reflektieren konnten. Der Umgang war sehr wertschätzend. Alles in allem hatte ich das Gefühl: Ich bin schon ewig in der Gruppe. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich seit 25 Jahren in der Branche bin. Ich kannte die Hälfte der Steuerungsgruppe aus anderen Zusammenhängen.

Wie sind Sie zu Kommune Inklusiv gekommen?

Wir haben Kommune Inklusiv in Rostock von Anfang an kritisch begleitet. Wir sind zum Beispiel zu den großen Netzwerktreffen gegangen, die unter dem Motto „Dialog mit Rostock“ stattfinden und für alle Interessierten offen sind. Ich habe ehrlich gesagt zuerst gedacht: Mal schauen, was das jetzt wieder wird. Wir haben die Erfahrung gemacht: Das, was wir unter Inklusion verstehen, ist nicht das, was Kolleginnen und Kollegen unter Inklusion verstehen. Deshalb waren wir gespannt, in welche Richtung Kommune Inklusiv da gehen würde. Der weite Inklusionsbegriff, also, dass alle Menschen in Rostock gut leben sollen, hat mich überzeugt. Die Maßnahme „Übergangsmanagement in die Rente“ für Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt arbeiten, fand ich sehr spannend. Deshalb fing ich an, mich in der Arbeitsgruppe zu engagieren. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen von „Neue ohne Barrieren“ habe ich ein Konzept für dieses Übergangsmanagement entwickelt. Ende 2019/Anfang 2020 stellten wir das Konzept dem Kommune Inklusiv-Team und den Verantwortlichen bei der Stadt Rostock vor. Alle fanden das Konzept gut. Also arbeiten wir nun gemeinsam daran, dieses Konzept fertigzustellen und umzusetzen.

Und wie kam es zu Ihrem Engagement in der Steuerungsgruppe?

 Darauf haben mich die Netzwerkkoordinatoren angesprochen. Sie hatten schon vorher überlegt, wie sie mehr Fachkompetenz in die Steuerungsgruppe holen können. Das haben sie dann auch offen kommuniziert. Da fühlte ich mich jetzt noch nicht so unbedingt angesprochen (lacht). Als sie dann direkt auf mich zukamen, habe ich zugesagt.

Eine Gruppe von Menschen vor dem Rathaus Rostock

Was hat Ihnen besonders dabei geholfen, direkt in die Arbeit für Kommune Inklusiv einzusteigen? Und sich dabei wohl zu fühlen?

Die beiden Netzwerkkoordinatoren haben mich extrem gut informiert. Die haben da einen richtig guten Job gemacht. Wir hatten vor meinem Engagement in der Steuerungsgruppe schon viel inhaltlich diskutiert, im Rahmen der Maßnahme Übergangsmanagement. Sie haben mir außerdem erzählt, wer alles im Projekt aktiv war und ist, wer welche Aufgaben hat und auch, welche Befindlichkeiten es zwischen den Akteuren gibt. Das fand ich sehr angenehm – weil man dann nicht gleich in ein Fettnäpfchen tritt beim ersten Treffen. Sie haben mir außerdem sehr gut den ganzen Prozess von Kommune Inklusiv erklärt. Andreas Meindl übrigens auch, also der Leiter der Caritas in Rostock. Die Caritas hat damals den Antrag bei der Aktion Mensch gestellt und ist vor Ort Trägerin von Kommune Inklusiv. Andreas Meindl hat mir sehr offen erläutert, wie es zur Bewerbung für Kommune Inklusiv kam, wie es mit der Antragstellung lief. Er hat mir den Hintergrund erläutert, mit allem Positiven und auch Negativen. Er hat klar benannt, was nicht so gut lief. Ich fand es gut, dass damit so offen und ehrlich umgegangen wurde. Für mich war es sehr wichtig, die Geschichte mit allen Aspekten zu kennen. Auch negative Seiten gehören zu einem Prozess.

Was motiviert Sie außerdem, bei Kommune Inklusiv mitzuarbeiten?

 In den beiden Netzwerkkoordinatoren Erik Ortlieb und Anja Schulz habe ich die größte Unterstützung, die ich mir vorstellen kann. Die ziehen mich so richtig mit.

Was ich außerdem sehr gut finde, ist die Prozessbegleitung durch das Beratungsunternehmen Matrix. Prozessbegleiter Thomas Kruse nimmt immer mal wieder an Treffen teil. Das ist Gold wert. Die Netzwerkkoordinatoren müssen es in ihrer Position sehr vielen Seiten recht machen. Thomas Kruse kann durch seine Außenposition kritisch nachfragen: „Habe ich das richtig verstanden, wie habt ihr das gemeint? Habt ihr das wirklich so gemeint?“ Das ist sehr erfrischend. Ohne Prozessbegleitung besteht die Gefahr, dass nicht alle offen miteinander reden. Dass jemand Kritik eher nicht ausspricht. Die Prozessbegleitung bringt das Projekt weiter.

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