Erfolgsstrategie: Einen Verein gründen

„Verein zur Förderung der Inklusion in Schwäbisch Gmünd“: Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Männer und Frauen sitzen vor dem Rathaus in Schwäbisch Gmünd und unterhalten sich

Schwäbisch Gmünd ist seit 2017 eine der fünf Kommune-Inklusiv-Modellkommunen. Bereits 2015 hatte die Stadt ein großes Inklusionsprojekt angestoßen: Gemeinsam mit den Bürger*innen erarbeiteten die Stadtverwaltung und verschiedene Vereine und Organisationen den Aktionsplan Inklusion. Im Aktionsplan steht, wie Schwäbisch Gmünd die Rechte von Menschen mit Behinderung garantiert und mit welchen Schritten die Stadtgesellschaft inklusiver werden soll.

Um die Arbeit am Aktionsplan zu koordinieren, gründete sich 2015 die Steuerungsgruppe Inklusion. Mitglieder waren die Stadt, der Landkreis Ostalb, die Lebenshilfe, die Habila GmbH, die für Menschen mit Behinderung Assistenz und Hilfeplanung organisiert, und die Vinzenz von Paul gGmbH für soziale Dienste und Einrichtungen. Als Schwäbisch Gmünd sich bei der Aktion Mensch für Kommune Inklusiv bewarb, beschlossen die Mitglieder der Steuerungsgruppe Inklusion: Wir gründen einen Verein. Als Verein konnten die Akteure sich gemeinsam bei der Aktion Mensch bewerben.

Ein Mann und eine Frau stehen neben Bücherregalen in denen Bücher in Leichter Sprache liegen

„Wir hatten den Aktionsplan Inklusion in einem demokratischen und partizipativen Prozess zusammen erarbeitet“, erklärt Kommune-Inklusiv-Netzwerkkoordination Sandra Sanwald, die auch Inklusionsbeauftragte in Schwäbisch Gmünd ist. „Wir sagten uns damals: Wenn jetzt nur ein einzelner Träger den Förderantrag stellt und allein den Hut aufhat, wäre das ein Rückschritt im Vergleich zu unserem vorherigen Prozess. Es wäre weniger inklusiv.“

Der „Verein zur Förderung der Inklusion in Schwäbisch Gmünd“ gründete sich Anfang 2018. Mit der Vereinsgründung kamen weitere wichtige Akteure hinzu: beispielsweise die Gemeindepsychiatrie, das Deutsche Rote Kreuz und der Stadtverband Sport. Die Träger, Verwaltungen und Vereine übernehmen gemeinsam Verantwortung für das Projekt Kommune Inklusiv und das Ziel einer inklusiven Stadtgesellschaft.

Nachgefragt bei Sandra Sanwald, Netzwerkkoordinatorin Kommune Inklusiv und Inklusionsbeauftragte in Schwäbisch Gmünd

Sandra Sanwald

Hat sich die Zusammenarbeit verändert, nachdem Sie einen Verein gegründet hatten?

Ja, die Zusammenarbeit ist enger geworden, verbindlicher. Es ist ein Gefühl von Nähe entstanden. Wir haben uns auf eine gemeinsame Vision und ein gemeinsames Ziel geeinigt, allein dadurch haben wir uns bereits mehr verbunden gefühlt. Die verbindliche Haltung wird noch verstärkt durch den jährlichen Mitgliedsbeitrag. Das ist ein finanzielles Bekenntnis, zusätzlich zu dem ideellen Bekenntnis.

Was bedeutet dieses stärkere Verantwortungsgefühl konkret für Ihre Arbeit?

Die Vorstandschefinnen und -chefs aus den verschiedenen Mitgliedsverbänden sind gleichzeitig im Vorstand unseres Inklusionsvereins. Das heißt, sie besetzen im Inklusionsverein Ämter wie Vorstandsvorsitz, Schatzmeisterin beziehungsweise Schatzmeister oder Schriftführerin. Vorsitzender unseres Inklusionsvereins ist Schwäbisch Gmünds Erster Bürgermeister, Dr. Joachim Bläse. Er und die anderen Vorstandsmitglieder übernehmen im Verein eine höhere Verantwortung als in einem informellen Netzwerk. Im Vereinsregister sind die Vorstandsmitglieder als rechtlich Verantwortliche eingetragen. Sie haften für Aktionen des Vereins. Ein Beispiel ist unsere neue Homepage. Für die Inhalte, die wir auf die Webseite stellen, haften die Vorstände. Da bringen sie uns viel Vertrauen entgegen. Sie vertrauen uns beispielsweise, dass wir die Datenschutzgrundverordnung einhalten.

Mit diesem Rückhalt stärken sie uns in unserer Arbeit. Außerdem sind die Vorstandsmitglieder in einer Arbeitgeber-Rolle uns Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern gegenüber. Das heißt, sie übernehmen auch soziale Verantwortung für uns. Sie tragen beispielsweise Verantwortung dafür, dass wir unfallversichert sind und dass wir einen angemessen ausgestatteten Arbeitsplatz haben. Zudem ist das Projekt Kommune Inklusiv befristet. Die Vorstandsmitglieder müssen sich gemeinsam die Frage stellen: Was passiert mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach dem 30. Juni 2023?

Wie wirkt sich die engere Zusammenarbeit auf die Kommunikation im Projekt aus?

Man kann schneller mit Kritik um die Ecke kommen. Die Verbindlichkeit des Vereins gibt die Sicherheit und den Raum dafür, die eigene Meinung zu sagen. Wenn es mal knallt, ist ein Träger oder eine Organisation nicht so schnell raus aus dem Verein. Das führt natürlich auch zu mehr Reibung. Zumal jede und jeder Einzelne von uns viel Verantwortung trägt. Deshalb müssen sich alle darauf verlassen können, dass die Gruppe zu guten Entscheidungen kommt. Doch das motiviert ja auch, immer ein Ergebnis zu finden, mit dem alle Akteurinnen und Akteure zufrieden sind und das den Menschen aus den Zielgruppen hilft.

Kontakt: Sandra Sanwald, , Tel: 07171 - 603 - 5071