Kaffee, Klatsch und Inklusion

Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen: Das Team in Rostock geht daher seit Corona einen neuen Weg der Öffentlichkeitsarbeit. Es macht via Podcast auf Inklusion aufmerksam.

Eine Frau und ein Mann machen ein Selfie.

Veranstaltungen absagen, Maßnahmen herunterfahren, die Initiative von zu Hause aus betreuen – das mussten die Koordinator*innen aller fünf Modellkommunen. Das Corona-Virus hat auch in Rostock einiges durcheinandergewirbelt. Eigentlich war für April 2020 die dritte Ausgabe des „Dialogs mit Rostock“ geplant, der stets viele Teilnehmer*innen anlockt. Coronabedingt musste er leider ausfallen.

Videoformat für sich entdeckt

Zwar gibt es weniger Veranstaltungen, aber das Netzwerk lässt die Menschen in Rostock nicht alleine - Kommune Inklusiv ist während der Corona-Beschränkungen erreichbar. Auch die Caritas steht für jene bereit, die eine Form der Unterstützung brauchen. Außerdem konnten viele Angebote umorganisiert und online zugänglich gemacht werden. Und manche Angebote hat die Corona-Pandemie überhaupt erst hervorgebracht!

So starteten die Rostocker Koordinator*innen Ende März unter dem Motto „Ihr kommt nicht raus – wir kommen nicht raus“ einen Video-Wettstreit. „Wir haben glücklicherweise eine solche Flexibilität im Projekt, dass wir relativ einfach auf Corona reagieren konnten“, erklärt Erik Ortlieb. „Nach unserem Wettkampf haben wir den Podcast ‚Kaffee, Klatsch und Inklusion’ aufgezogen. Der bildet inzwischen den Kern unserer Öffentlichkeitsarbeit.“

Erik Ortlieb und seine damalige Kollegin Rebekka Schmitt weihten mit dem vierwöchigen Video-Wettkampf ihren YouTube-Kanal ein, auf dem seitdem regelmäßig neue Videos erscheinen. Die Koordinator*innen wollten so die schwierige Zeit überbrücken und auf humorvolle Weise mit den Rostocker*innen verbunden bleiben. Das Ziel des Wettstreits  bestand darin, mehr Likes als der bzw. die andere für die eigenen Videos zu ergattern.

Mit Corona ins Projekt

Anja Schulz saß bei dem Wettkampf noch nicht mit im Boot von Kommune Inklusiv. Sie hat im Mai als Koordinatorin angefangen. Und die Arbeit auf ungewöhnliche Weise kennengelernt. „Eigentlich lebt Projektarbeit ja vom Zusammenkommen. Vom Netzwerken. Vom regelmäßigen Kontakt. Durch Corona gab es das alles nicht. Erst im Sommer konnte ich einige Kooperationspartner*innen überhaupt live treffen. Das war schon eigenartig“, erzählt sie.

„Und jetzt erleben wir wieder eine Einschränkung der persönlichen Kontakte. Das macht unseren Job herausfordernd. Auch wenn man sich digital austauschen kann, dieser Austausch gestaltet sich doch schwieriger. Inklusion lebt eben von wahrer Begegnung mit allen Sinnen.“ Diese erschwerten Bedingungen für Inklusion erfordern nicht nur neue Formen des Austauschs – auch des öffentlichen Auftretens.

Logo des Podcast „Kaffee, Klatsch und Inklusion“ von Ortlieb und Schulz

Inklusive Ohrmassage

Seit Juni 2020 gibt es deshalb den Podcast „Kaffee, Klatsch und Inklusion“. Mit ihrer „inklusiven Ohrmassage“ informieren Anja Schulz und Erik Ortlieb humorvoll zum Thema. „Unser Podcast war eine direkte Antwort auf Corona. Wir wollten mit Spaß Kontakt zu den Menschen halten und sie informieren. Wir wollten unterhalten und sensibilisieren! Und das mit guten Nachrichten.“

Das Konzept des Podcasts besteht deshalb darin, nicht über Corona zu sprechen. Das Thema sei ohnehin allgegenwärtig. Der Podcast soll zudem ein Gegengewicht zur momentanen gesellschaftlichen Stimmung bilden, die durch Unsicherheit und Pessimismus geprägt ist. Die Koordinator*innen sprechen daher nur über Positives. „Es geht nicht darum, die Realität zu ignorieren. Wir wollen den Menschen einfach mal eine Pause gönnen“, erklärt Anja Schulz.

Erik Ortlieb merkt an: „Natürlich ist das Format nicht sehr partizipativ. Aber eben ein großartiges Werkzeug, um zu sensibilisieren. Die Zeit der Pandemie möchten wir vor allem dazu nutzen.“ Wer „Kaffee, Klatsch und Inklusion“ hören möchte, kann das über Spotify tun, wer zusätzlich auch gerne schaut, über YouTube.

Eine Frau und ein Mann stehen mit dem Rücken zur Kamera.

Wie es weitergeht

Nachdem im Frühjahr 2020 neben vielen Veranstaltungen auch der Fachtag „Inklusive Arbeitswelt“ abgesagt werden musste, ist er nun für Sommer 2021 geplant. Hundertprozentig sicher ist das laut Erik Ortlieb aber noch nicht: „Ich finde es schwierig, klar für die Zukunft zu planen. Und mache mir da auch ein bisschen Sorgen. Ich glaube, ein Inklusionsprojekt in dieser Form, das auch auf Nachhaltigkeit angelegt ist, passt mit den Beschränkungen durch Corona nicht zusammen.“

Man könne nur etwas verändern, wenn man den Menschen begegne. Und wie das in der nächsten Zeit aussähe, stünde in den Sternen. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Anja Schulz sieht in dieser Unsicherheit auch einen Vorteil: „Glücklicherweise sind ja alle mit der Situation überfordert. Nicht nur wir. Auch wir dürfen lernen, uns umzustellen und umzudenken. Solange erschwerte Bedingungen des Zusammenkommens herrschen, werden wir daher unsere digitalen Angebote ausbauen.“

Öffentlichkeitsarbeit vor Ort

Neben Rostock gehen auch die anderen Kommunen neue Wege bei der Ansprache der Öffentlichkeit. Ein gemeinsames Projekt aller Modellkommunen ist das Schlaue Buch der Vielfalt. Wenn Sie wissen möchten, was in puncto Öffentlichkeitsarbeit derzeit in den einzelnen Kommunen läuft, klicken Sie sich einfach durch die Liste!

Erlangen: Zwischen den Lockdowns

VG Nieder-Olm: Kooperativ planen

Schneverdingen: Die Menschen begleiten