Inklusion in der Kommune selbstverständlich machen

Zwei Männer sitzen draußen und unterhalten sich. Ein Mann sitzt im Rollstuhl, der andere auf dem Rand eines Springbrunnens, im Hintergrund laufen Menschen vorbei

Verankern Sie Ihr Inklusionsprojekt fest in der Kommune. Machen Sie es zu einem selbstverständlichen Teil des Lebens im Stadtteil, in der Stadt oder Gemeinde. Dafür ist es wichtig, dass Sie Ihr Netzwerk so weit wie möglich über alle Gesellschaftsbereiche spannen und dass die Kommunalverwaltung Teil Ihres Netzwerks ist.

Je mehr Menschen Ihr inklusives Netzwerk und Ihre Projekte kennen und unterstützen, desto eher wird Ihr Inklusionsprojekt weiter bestehen. Denn je mehr Menschen auf diese Weise eine positive Haltung zur Inklusion entwickeln, desto eher tragen Bürger*innen, Aktive aus Ihrem Stadtviertel, Ihrer Kommune, Ihrem Kreis das Projekt mit.

Behalten Sie das große Ziel im Blick: die inklusive Gesellschaft. Die Haltung der Menschen beeinflussen, Strukturen vor Ort gemeinsam verändern und konkrete Aktionen umsetzen: Wenn Sie es schaffen, diese drei wichtigen Aspekte gleichzeitig anzugehen, kann Ihr Inklusionsprojekt im Hinblick auf dieses Ziel erfolgreich sein.

Machen Sie Ihr Netzwerk fit für die Zeit nach der Förderung: Festigen Sie die Netzwerkstrukturen, indem Sie Mitarbeiter*innen, Partner*innen und ehrenamtlich aktive Bürger*innen sinnvoll einbinden und Verantwortung auf verschiedene Schultern verteilen. Lesen Sie dazu mehr unter "Neue Partner*innen an Bord holen". Arbeiten die Steuerungsgruppe und die Arbeitsgruppen selbstständig? Weiß jede und jeder, was sie oder er zu tun hat? Dann können Projekte weiterlaufen – gegebenenfalls auch ohne die Unterstützung durch eine hauptamtliche Netzwerkkoordination.

Beteiligen Sie alle Bürger*innen: Beziehen Sie die Menschen in Planung und Umsetzung Ihres Projekts ein. Welche Aspekte dafür wichtig sind, lesen Sie im Kapitel „Aktiv für mehr Partizipation“. Planen Sie gemeinsam mit engagierten Bürger*innen und Menschen aus Ihren Zielgruppen konkrete Maßnahmen, Aktionen oder Veranstaltungen. Motivieren Sie sie, die Aktionen mit umzusetzen. Ehrenamtliches Engagement kann Ihr Projekt nachhaltig erfolgreich machen: Zum Beispiel dann, wenn die Engagierten bereit sind, Teile des Projekts über den Förderzeitraum hinaus fortzuführen. Die Modellkommune Schneverdingen hat beispielsweise gleich zu Beginn des Projekts nach Ideen gesucht, um das freiwillige Engagement in der Kommune zu festigen und zu verbessern.

Pflegen Sie Ihre Kontakte zu Kommunal- und Stadtteilverwaltungen, zu Kommunalpolitiker*innen, in die Vereine und Organisationen, zu den Bürger*innen. Nehmen Sie sie mit auf Ihrem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft: Wichtig ist, dass sich die Haltung der Menschen zur Inklusion so verändert, dass sie sie als selbstverständlich ansehen. Und dass Entscheider*innen und Bürger*innen dann gemeinsam mit Ihnen daran arbeiten, die Gesellschaft inklusiver zu gestalten. So macht im besten Fall die Kommunalverwaltung Ihr Ziel einer inklusiven Gesellschaft zu ihrem eigenen Ziel und arbeitet konsequent darauf hin: indem sie Ihre Projekte fördert, eigene Inklusionsprojekte ins Leben ruft und Inklusion in allen Bereichen mitdenkt. Ein Beispiel für strukturelle Veränderungen: Die Verwaltung schafft für Ihr Projekt Stellen. Dann wird sie diese Stellen sehr wahrscheinlich auch weiter finanzieren, wenn andere Förderungen für Ihr Netzwerk enden.

Denken Sie auch an Öffentlichkeitsarbeit! Ein schön gestalteter, informativer Newsletter, auf den sich die Abonnent*innen freuen, eine gut gepflegte Social-Media-Präsenz, auf der Bürger*innen mit diskutieren können, ein guter Kontakt zu Journalist*innen vor Ort - das alles trägt zur Bekanntheit und Beliebtheit Ihres Inklusionsprojekts bei. Außerdem steigert es die Aufmerksamkeit für das Thema Inklusion und das Bewusstsein für Inklusion generell. Lesen Sie dazu mehr auf der Seite "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit organisieren".

Icon einer Glühbirne

Überlegen Sie, ob ein Verein eine passende Form wäre

Möglicherweise ist es sinnvoll, dass Sie für Ihr Projekt eine eigene Rechtsform gründen, beispielsweise einen Verein. Ein Verein hat gegenüber einem Netzwerk folgende Vorteile:

  • Er kann Mitarbeiter*innen einstellen.
  • Er kann Spenden einwerben.
  • Er kann sich durch Mitgliedsbeiträge finanzieren.
  • Er kann Gemeinnützigkeit beantragen, Eigentum erwerben und Vermögen bilden.
  • Die Strukturen sind fester und verbindlicher, alle Mitglieder haben automatisch die gleichen Rechte und Pflichten.

Erfahrungen aus Schneverdingen

heidelandschaft bei Schneverdingen

In allen fünf Modellkommunen engagieren sich Menschen ehrenamtlich für mehr Inklusion. Schneverdingen zeichnet sich aber durch ein besonders starkes Ehrenamt aus. Das zeigt sich auch daran, dass sich bei Kommune Inklusiv Schneverdingen neben der hauptamtlichen Projektleitung nahezu ausschließlich Ehrenamtliche einbringen.

Ziel von Kommune Inklusiv Schneverdingen ist es, das Ehrenamt weiterzuentwickeln und zu unterstützen. Die Idee: Der Ausbau und die Stärkung des freiwilligen Engagements soll über eine zentrale Stelle gefördert und unterstützt werden. Auf diesem Weg soll eine nachhaltige Struktur für das Ehrenamt entstehen. Um die Weiterentwicklung zu planen, starteten Ulrike Schloo und Oliver Hofmann zunächst eine Befragung: Was brauchen die Ehrenamtlichen aus den verschiedenen Vereinen, Initiativen und Organisationen? Was fehlt? Was läuft gut? Wo gibt es Unsicherheiten?

Nach der Auswertung der Umfrageergebnisse stellten alle Beteiligten fest: Es gibt noch so einige Dinge, die sich verbessern ließen: Viele Vereine und Organisationen hatten zum Beispiel Nachwuchssorgen und wünschten sich mehr ehrenamtliche Mitglieder. Andere Menschen hätten gern eine Art Qualifizierung oder theoretische Einführung, damit sie ihr Ehrenamt verantwortungsvoll ausüben können. Auch bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder der Organisation von Veranstaltungen wünschten sich die Ehrenamtlichen Unterstützung.

Das Schneverdinger Projektteam von Kommune Inklusiv arbeitet nun mit vielen Partnern daran, die Wünsche in die Tat umzusetzen. Entstanden ist das Projekt Freiwilligenbörse. Es steht für mehr Hilfe bei der Suche von Ehrenamtlichen, die passgenaue Vermittlung von Ehrenamtlichen sowie Qualifizierung, Unterstützung und Information für freiwilliges Engagement. Dabei wurde das Projektteam auch von der Bürgermeisterin und dem Stadtrat unterstützt. Das Mehrgenerationenhaus in Schneverdingen bot sich als Projektträger an. So steht das Projekt Freiwilligenbörse auf einem starken Fundament aus Träger, Politik und Zivilgesellschaft und wird dadurch hoffentlich auch nach dem Ende des Modellprojekts Kommune Inklusiv bestehen bleiben.

Das Mehrgenerationenhaus als Projektträger will eine Sprechstunde anbieten, wo Ehrenamtliche und Vereine oder Organisationen besser zusammenfinden können. Außerdem finden regelmäßig Schulungen zum sogenannten Ehrenamtslotsen beziehungsweise zur Ehrenamtslotsin statt. Wer Fragen rund um das Ehrenamt hat, zum Beispiel zur Versicherung von Vereinsmitgliedern, kann sich an eine zentrale Anlaufstelle wenden. Dort gibt es Expert*innen, die ihnen weiterhelfen. Damit können nun auch Ressourcen gespart werden, da sich nicht jeder Verein auf die Suche nach Engagierten machen muss und Menschen, die sich freiwillig engagieren möchten, eine zentrale Anlaufstelle haben.

Ulrike Schloo berichtet im Video, wie das Projektteam in Schneverdingen das ehrenamtliche Engagement fördern und weiterentwickeln will.

3. Phase: Verstetigung

Zwei Frauen laufen auf die Kamera zu, eine Frau hat einen Blindenführhund dabei

Die fünf Modellkommunen Rostock, Nieder-Olm, Erlangen, Schwäbisch Gmünd und Schneverdingen sind noch nicht in der Verstetigung. Für den Anfang werden wir deshalb auf andere Projekte und gute Beispiele zurückgreifen. Lesen Sie bald mehr unter 3. Phase: Verstetigung.

Damit erreichte Ziele nachhaltig Wirkung entfalten