Leitfragen für Ihren Boxenstopp

Drei junge Frauen unterhalten sich und laufen auf die Kamera zu, ein Kleinkind mit Laufrad ist auch dabei

Im Projekt Kommune Inklusiv legen die Modellkommunen einmal im Jahr sogenannte Boxenstopps ein, die ein oder zwei Tage dauern. Unterstützt durch eine professionelle externe Moderation, blicken die Netzwerkpartner*innen vor Ort kritisch auf ihr Projekt. Mit Hilfe von Leitfragen überprüfen sie unter anderem, welche Ziele sie bisher erreicht haben, ob ausreichend Menschen im Netzwerk sind, um Maßnahmen umsetzen, und ob die Gremien wissen, was sie zu tun haben. Es ist ein guter Termin, um herauszufinden, ob es im Projekt hakt oder größere Störungen gibt.

Sie können auch Sitzungen im engeren Projektteam oder Treffen der Netzwerkgremien, beispielsweise der Steuerungsgruppe, dazu nutzen, gemeinsam einen Blick auf Ihre Netzwerkarbeit zu werfen.

Schauen Sie unter anderem auf folgende Aspekte:

  • Was haben Sie gemeinsam geschafft?
  • Was haben Sie noch nicht erreicht?
  • Was ist bisher nicht gut gelaufen?
  • Was waren die konkreten Probleme?
  • Wo müssen Sie möglicherweise nachbessern?
  • Wie bewerten Sie Ihr strategisches Handeln? Sind Sie noch auf dem richtigen Weg?
  • Ist Ihnen weiterhin klar, was die Ziele Ihres inklusiven Netzwerks sind?
  • Sind diese Ziele noch aktuell?
  • Hat sich in der Gemeinde, der Stadt oder im Stadtviertel etwas verändert, auf das Sie reagieren und Ihre Ziele entsprechend anpassen sollten?
  • Gibt es Themen, die für Sie entscheidend sind, die Sie aber mit Ihrer Netzwerkarbeit nicht direkt beeinflussen können (beispielsweise Bus- und Bahnangebot)?
  • Haben Sie die richtigen Aktionen und Angebote geplant, um Ihre Ziele zu erreichen? Haben Ihre Zielgruppen die Maßnahmen angenommen?
  • Was sind die nächsten Schritte, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen?
  • Reichen die Ressourcen, um weiterzumachen: Geld, Personal, Räume?
  • Sitzen die richtigen Partner*innen am Tisch?
  • Brauchen Sie zusätzliche Partner*innen? Beispielsweise, um eine Ihrer Zielgruppen besser zu erreichen? Oder um ein spezielles Thema zu besetzen?
  • Wie gut ist es Ihnen bisher gelungen, dass die Zielgruppen und alle Bürger*innen bei Ihrer Netzwerkarbeit mitbestimmen?
  • In welchen Bereichen klappt Partizipation gut?
  • In welchen Bereichen könnten Ihre Zielgruppen beziehungsweise alle Bürger*innen stärker mitbestimmen?
  • Wie sehen die Strukturen Ihres inklusiven Netzwerks aus: Arbeiten die Gremien nach dem ersten Jahr so, wie Sie es sich erhofft haben? Wie stabil ist das Netzwerk?
  • Weiß jedes Gremium und jedes Mitglied im Gremium, was seine Funktion im Netzwerk ist?
  • Trifft sich die Steuerungsgruppe regelmäßig und kommt zu Entscheidungen, die die Netzwerkarbeit voranbringen? Gibt es aktive Arbeitsgruppen? Arbeitet die Netzwerkkoordination gut mit der Steuerungsgruppe und den Arbeitsgruppen zusammen? 
  • Ist allen Netzwerkpartner*innen klar, wer was entscheiden darf (Stichwort: starke Mandate)? Ist geklärt, wer wann in wessen Namen worüber sprechen darf?
  • Weiß jede*r Netzwerk-Partner*in, welche Aufgaben er oder sie hat? 
  • Was sind aktuell die größten Baustellen im Projekt?

Nutzen Sie die Instrumente der Wirkungslogik

Wenn Sie Ihr Projekt nach dem Prinzip der Wirkungslogik geplant haben, wird Ihnen die Überprüfung Ihrer bisherigen Arbeit vermutlich schnell und gut gelingen. Wenn Sie bislang nicht mit den Werkzeugen der Wirkungslogik gearbeitet haben: Nutzen Sie sie jetzt für den Blick auf Ihre Netzwerkarbeit.

Portraitfoto von Gracia Schade, Annette Hambach-Spiegler und André Schade

Erfahrungen aus Nieder-Olm

Zusätzlich zu den Boxenstopps treffen sich die Netzwerkpartner*innen in Nieder-Olm am Jahresende, um gemeinsam zu reflektieren: „Was war gut?“, „Was können wir besser machen?“ „Welche Anregungen gibt es?“ „Was kann die Koordination besser machen?“ Dabei kommt das Netzwerk stets zu guten Ergebnissen.

Mut zur Neuausrichtung

Möglicherweise müssen Sie nach Ihrem Boxenstopp die Ressourcen in Ihrem inklusiven Netzwerk noch einmal abfragen, Aufgaben neu verteilen, Gremien anders besetzen oder zumindest mit den Menschen in den Gremien zu neuen Vereinbarungen kommen. Infos dazu finden Sie unter „Dem Netzwerk eine Struktur geben“.

Vielleicht kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Sie zusätzliche Partner*innen in Ihrem inklusiven Netzwerk brauchen. Wie Sie sie vor Ort finden und ansprechen, beschreiben wir unter „Ein inklusives Netzwerk aufbauen“. Wie Sie sie gut und schnell in Ihr bestehendes Netzwerk einbinden, lesen Sie unter „Neue Partner*innen an Bord holen“.

Sie können auch nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten für Ihr Netzwerk oder einzelne Projekte suchen. Mehr darüber erfahren Sie unter "Finanzierung und Ressourcen planen".

Aus den Erfahrungen der Modellkommunen wissen wir: Neuorientierung hat nichts mit Scheitern zu tun. Manchmal hilft es, Aufgaben neu zu verteilen. Das kann die Netzwerkarbeit beleben, frische Impulse geben und die Menschen neu motivieren.

Erfahrungen aus Rostock

Blick auf Rostock

Bei einem Boxenstopp in der Modellkommune Rostock kam heraus: Die Steuerungsgruppe war sich nicht klar darüber, was ihre Aufgaben sind. Auf Sitzungen diskutierten die Akteur*innen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen auf Augenhöhe und entwickelten vielfältige Ideen. Dennoch führten die Sitzungen selten zu Entscheidungen.

„Es war eine Herausforderung, die vielen verschiedenen Ideen zusammenzuführen und ein gemeinsames Ziel zu formulieren“, sagt Netzwerkkoordinator Erik Ortlieb. Aus dem Boxenstopp ergaben sich folgende Lösungsansätze: Die Akteur*innen entwickelten ein aktuelles Gesamtkonzept für das Projekt, unterstützt durch eine Prozessbegleitung. Darin legten sie unter anderem fest, was genau die Aufgaben der Steuerungsgruppe sind. Beispielsweise beschlossen sie, künftig noch mehr Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu machen.

Die nächsten Sitzungen der Steuerungsgruppe fanden mit einem professionellen Moderator statt. Die Netzwerkkoordinator*innen bekamen ein persönliches Moderations-Coaching. Sie sollen künftig die Treffen der Steuerungsgruppe leiten. 

Das Beispiel zeigt, wie wichtig regelmäßige Boxenstopps sind. Denn: „Ein Projekt verändert sich im Laufe der Zeit“, sagt Koordinator Erik Ortlieb. „Dadurch verändern sich auch die Herausforderungen für das Netzwerk und für die Netzwerkgremien.“

Nach der Neuausrichtung in Rostock verließen einige Netzwerkpartner*innen die Steuerungsgruppe, neue kamen hinzu. Ortlieb ist wichtig, dass alle Netzwerkpartner*innen weiterhin für Kommune Inklusiv aktiv sind: „Unsere Aktionen und Maßnahmen sind bunt und vielfältig. Wer sich in der Steuerungsgruppe nicht mehr aufgehoben fühlt, kann sich in Praxis-Projekten engagieren und nah an den Menschen viel erreichen.“

Übrigens: Die Kosten für eine Prozessbegleitung und für eine externe Moderation können von der Aktion Mensch innerhalb eines Projekts gefördert werden. Die Aktion Mensch bietet außerdem regelmäßig Fortbildungen zum Thema Moderation an.

Rechtzeitig an morgen denken

Eine Familie mit drei Kindern sitzt am Kai nahe des Wassers, im Hintergrund sind Hafenkräne, Boote, Container zu sehen

Denken Sie rechtzeitig darüber nach, wie es mit Ihrem inklusiven Projekt nach der ersten Förderung weitergeht.

Planung nach dem Förderzeitraum mitdenken