Erfolgsstrategie: Multiplikator*innen ausbilden und neue Förderung finden

Inklusive Offene Tür Ohmstraße: Medienkompetenz für Jugendliche

Junge am Schreibtisch

Bei der Inklusiven Offenen Tür Ohmstraße in Köln-Porz sind seit 2010 alle Angebote inklusiv. Fast die Hälfte der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die regelmäßig zur Offenen Tür kommen, hat eine Behinderung. Gerade für junge Menschen mit Behinderung sind die elektronischen Medien eine Chance, mehr mit anderen zu kommunizieren. Und eine Chance für Partizipation: Die Jugendlichen können sich stärker einbringen in Diskussionen und ihre Meinung zu gesellschaftlichen Themen äußern.

Manche haben allerdings noch kaum Erfahrungen mit Handys, Tablets und Laptops. Deshalb hat sich das Betreuer*innen-Team von 2013 bis 2016 in einem Projekt fit für die inklusive Medienarbeit gemacht. Von der Aktion Mensch haben sie in diesen Jahren mehr als 80.000 Euro bekommen. Mit Hilfe dieser Förderung konnten sie unter anderem eine Medienpädagogin einstellen. Von ihr haben sie sich zu Multiplikator*innen ausbilden lassen und viel gelernt: Sie wissen jetzt, wie sie den Kindern und Jugendlichen den sicheren Umgang mit Internet und Sozialen Medien vermitteln können. Sie zeigen ihnen, wie man Filme dreht, schneidet und barrierefrei macht. Und auch, wie Fotobearbeitung funktioniert, wie man einen Blog schreibt oder wie sich Flyer produzieren lassen.

Das Projekt der inklusiven Medienarbeit ist seit 2016 Teil des Alltags der Offenen Tür. Es verursacht keine weiteren Kosten: Zwei der festen Mitarbeiter*innen haben die Schulungen für die Kinder und Jugendlichen übernommen. Für spezielle Workshops und Angebote beantragen die Macher*innen weiterhin Fördergelder bei verschiedenen Organisationen, beispielsweise bei der Aktion Mensch, bei Stiftungen wie der „Ein Herz lacht“-Stiftung mit Sitz in Troisdorf oder Fördervereinen wie „Wir helfen“ Köln.

Nachgefragt bei Bianca Rilinger, Leiterin der Inklusiven Offenen Tür Ohmstraße

Porträt Bianca Rilinger

Wie haben Sie die Förderung von der Aktion Mensch bekommen und wofür haben Sie sie eingesetzt?

Wir haben uns damals mit dem gesamten Team von Betreuerinnen und Betreuern, mit den Eltern und Besucherinnen und Besuchern zusammengesetzt und unser Ziel definiert: die Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung an Medien und durch Medien. Dass das Projekt auch nach dem Förderzeitraum weiter bestehen soll, war sofort klar.

Dann haben wir den Antrag bei der Aktion Mensch gestellt. Den Förderantrag online zu stellen, hat schon einige Tage gedauert. Auf die Entscheidung, dass das Projekt gefördert wird, haben wir ungefähr ein halbes Jahr gewartet. Einen zweiten Antrag stellten wir bei der Heidehof Stiftung in Stuttgart. Auch hier bekamen wir eine Zusage über 8.000 Euro. Durch die zwei Säulen waren wir gut aufgestellt. Natürlich war das auch mehr Verwaltungsaufwand als mit nur einem Förderer.

Die Medienpädagogin, die wir mit dem Geld für 30 Wochenstunden einstellten, hat mehrere Gruppen aufgebaut: aufgeteilt nach Medienbereichen und nach Alter der Besucherinnen und Besucher. Mit dem Geld haben wir außerdem einen Laptop und spezielle Tastaturen, Software und besonders ergonomische Computermäuse, sogenannte Trackball-Mäuse, für unsere Besucherinnen und Besucher mit Behinderung gekauft.

Wie haben Sie das Projekt von 2013 bis 2016 so aufgestellt, dass es danach ohne weitere Förderung laufen konnte?

Die Medienpädagogin, die hauptamtlich für das Projekt verantwortlich war, hat den anderen Kolleginnen und Kollegen Stück für Stück vermittelt, was sie macht. So habe ich es zum Beispiel relativ früh übernommen, die Computerführerscheine mit den Kindern und Jugendlichen zu machen. Sobald sie den Computerführerschein haben, können sie jederzeit iPads ausleihen und ihre Projekte selbstständig weiterführen.

Wir haben uns auch außerhalb unserer Einrichtung vernetzt. So sind wir zum Beispiel Mitglied bei der Landesarbeitsgemeinschaft Lokale Medienarbeit NRW (LAG) geworden. Dort haben uns ähnliche Projekte Tipps gegeben. Und die Kolleginnen und Kollegen haben Workshops bei der Landesarbeitsgemeinschaft besucht, damit sich bei uns möglichst viele Leute mit Medienarbeit auskennen. Eine Kollegin und ich haben bei der Landesarbeitsgemeinschaft eine Weiterbildung in inklusiver Medienarbeit gemacht.

Weil sich immer mehr Besucherinnen und Besucher für unsere Medien-Angebote interessierten, sind nach den drei Jahren feste Formate entstanden. Zum Beispiel regelmäßige Medien-Angebote in den Ferien: Die Kinder und Jugendlichen können sich entscheiden, ob sie ein Hörspiel, einen Film oder vielleicht doch lieber einen Comic machen wollen. In den Gruppen zeigen die alten Hasen den Neuen, wie es geht. Auch dadurch wird das Projekt nachhaltig.

Für spezielle Angebote in der Medienarbeit stellen Sie weiterhin Förderanträge bei verschiedenen Organisationen. Wie aufwändig ist das?

Von der Projektidee bis hin zum Antrag kann es manchmal ein paar Wochen dauern. Bisher hatten wir wirklich oft Glück, dass unsere Projekte bewilligt wurden. Je nachdem wie groß ein Projekt ist, muss man als Einrichtung einen größeren Teil der Kosten selbst tragen. Als kleine Einrichtung ist das manchmal gar nicht so einfach. Deshalb ist es gut, einen Antrag bei mehreren Organisationen zu stellen. Natürlich gibt man das bei der Antragstellung an. So ist die Chance, dass ein Projekt starten kann, oft höher.

Kontakt: Bianca Rilinger, , Tel.: 02203 - 29 12 61