Menschen für selbstbestimmte Teilhabe stärken

Empowerment für alle

Empowerment ist eine wichtige Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft. Empowert sein bedeutet: gestärkt und selbstbewusst sein, das Leben in die eigene Hand nehmen und Verantwortung übernehmen. Es bedeutet auch: an der Gesellschaft teilhaben – beispielsweise an Freizeit- und Kulturangeboten oder an politischen Prozessen. Wer empowert ist, kann auch andere Menschen dafür begeistern, ihr Leben selbstbewusster in die Hand zu nehmen.

Ein Ziel bei Kommune Inklusiv: Alle Menschen lernen mehr über ihre Stärken und ihre Fähigkeiten. Sie werden sich bewusst darüber, wie sie sich in das Projekt oder in die Stadt- oder Dorfgesellschaft einbringen können und möchten. Das gilt für Menschen aus den Zielgruppen genauso wie für Profis und Entscheider*innen.

Weshalb Empowerment für alle Menschen vor Ort wichtig ist, welche Methoden es gibt und warum Partizipation und Empowerment immer zusammengehören, lesen Sie in diesem Kapitel.

Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung

Das empfiehlt die Aktion Mensch:

  • Empowerment ist die Voraussetzung für Partizipation – und Ihr Projekt kann nur mit Partizipation Erfolg haben.

  • Empowern Sie alle Menschen, die sich in Ihrem Projekt engagieren und die Sie mit Ihrem Projekt erreichen möchten. Bieten Sie beispielsweise Empowerment-Seminare für alle Bürger*innen an.

  • Machen Sie Bürger*innen stark für einen Austausch auf Augenhöhe mit Profis und Entscheidungsträger*innen.

  • Machen Sie Entscheider*innen und Profis, die sich in Ihrem Projekt engagieren, stark für einen Austausch auf Augenhöhen mit den Bürger*innen.

  • Es gibt viele Methoden für Empowerment und Partizipation. Für jede gilt: Die Bedürfnisse und Wünsche aller Beteiligten müssen gehört und berücksichtigt werden.

Wer empowert ist, kann aktiv werden 

Ein Mann und eine Frau stehen neben Bücherregalen in denen Bücher in Leichter Sprache liegen

Ein Grundprinzip von Empowerment ist: Menschen nicht als hilfsbedürftig ansehen – sondern ihren Blick auf ihre Fähigkeiten und Stärken zu lenken. Der US-amerikanische Psychologe Julian Rappaport definierte Empowerment in den 1980er Jahren als „ressourcenorientierte Denkweise und Lebenshaltung“. Unter anderem auf Rappaport geht der Empowerment-Ansatz in der Sozialarbeit zurück. Der Psychologe schrieb in einem Buch 1984: Empowerment ist ein Prozess, durch den Menschen, Organisationen und Gemeinschaften Kontrolle über ihr eigenes Leben erhalten.

In Deutschland haben Sozialwissenschaftler*innen verschiedene Ebenen des Empowerments definiert. 

Persönliche Ebene: Selbstvertrauen gewinnen und das eigene Leben selbstbestimmt gestalten

Menschen lernen, welche Stärken sie haben und dass sie mehr können, als sie dachten. Sie entwickeln Selbstvertrauen und treffen eigene Entscheidungen. Sie lernen, für ihre Bedürfnisse und Wünsche einzutreten. Sie erkennen, dass sie selbst für ihr Leben verantwortlich sind. Das bedeutet beispielsweise, dass sie sich Problemen stellen und wissen: Ich kann diese Herausforderungen lösen. Persönliches Empowerment bedeutet auch zu wissen, wo es Unterstützung gibt: im Freundes- und Bekanntenkreis, in Selbsthilfegruppen, Initiativen oder bei Behörden. Persönliches Empowerment ist für alle Menschen wichtig. Denn jede*r von uns gerät mal in eine persönliche Krise, in eine herausfordernde Situation oder einfach an einen Punkt, an dem er oder sie etwas im Leben ändern möchte. Persönliches Empowerment ist außerdem eine wichtige Voraussetzung für gemeinschaftliches und politisches Engagement.

Gemeinschaftliche Ebene: Sich als Gruppe verstehen und aktiv werden

Empowerment-Prozesse finden oft in Gruppen statt. In einer Gruppe lernen sich die Teilnehmer*innen gegenseitig kennen und fassen Vertrauen zueinander. Sie lernen, sich selbst und andere besser zu verstehen. Das sind Voraussetzungen dafür, sich gegenseitig zu unterstützen und zu bestärken. Wer sich verstanden und gewertschätzt fühlt, ist eher bereit, sich für andere zu engagieren. Das gilt für alle Menschen: für Menschen mit Behinderung oder in schwierigen Lebenslagen ebenso wie für Fachleute aus der Sozialarbeit und Entscheider*innen aus Wirtschaft und Politik.

Empowerment auf der gemeinschaftlichen Ebene heißt auch: ermutigt sein, sich mit anderen Menschen zusammenschließen und sich in der Gruppe für die eigenen Interessen und für die Interessen anderer einzusetzen. Es bedeutet, sich zu organisieren, beispielsweise in Selbsthilfegruppen, in Vereinen, in ehrenamtlichen Initiativen. Empowerment hilft beim Engagement für die eigene Nachbarschaft und in einer sozialen Gemeinschaft (Community) oder beim Einsatz für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz.

Politische Ebene: Politisch aktiv werden

Menschen, die sich gestärkt fühlen und selbstbestimmt leben, sind auch eher politisch aktiv. Politische Teilhabe bedeutet hier mehr als an Wahlen teilzunehmen. Politisches Empowerment und politische Partizipation helfen Menschen, sich für bessere Lebensbedingungen in ihrem Viertel, ihrer Stadt oder Gemeinde einzusetzen. Sie sind befähigt und ermutigt, politische Entscheidungen zu beeinflussen. So können sie ihr Lebensumfeld mit gestalten.

Nieder-Olm


Erfahrungen aus den Modellkommunen

Den Akteur*innen bei Kommune Inklusiv ist es wichtig, alle Menschen in den Modellkommunen für Teilhabe und Partizipation zu stärken. Dafür finden beispielsweise in allen Modellkommunen Empowerment-Seminare statt. Die Seminare machen die Teilnehmer*innen an mehreren Terminen nach und nach stark dafür, sich für ihre Interessen einzusetzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

 

Persönliches Empowerment

Eine junge Frau aus der Verbandsgemeinde Nieder-Olm wurde im Empowerment-Seminar darin bestärkt, einen neuen Job zu finden. Cathrin Öhler hatte fast 15 Jahre in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet. Heute ist sie als Hauswirtschaftshilfe in einer Kindertagesstätte beschäftigt. Außerdem leitet sie eine Freizeitgruppe für Kommune Inklusiv. Öhler sagt: „Ich bin nicht mehr so zurückhaltend, offener geworden, trau mir auch mehr Sachen zu als vorher.“

Mehr über Cathrin Öhler erfahren

Sich als Gruppe verstehen

In der Modellkommune Schwäbisch Gmünd fanden Empowerment-Seminare für alle Bürger*innen statt. Teilnehmer*innen mit und ohne Behinderung erzählen, dass sie anfangs skeptisch waren und Berührungsängste hatten. Während des Seminars wuchsen sie als Gruppe zusammen und lernten sich gegenseitig schätzen. Sie haben heute weiterhin Kontakt, unterstützen sich gegenseitig und engagieren sich bei Kommune Inklusiv.

Politisches Empowerment

Claudia Kaube aus der Modellkommune Schneverdingen fand nach schwerer Krankheit in einem Empowerment-Seminar ihre Kraft wieder, sich gesellschaftlich und politisch zu engagieren. Heute arbeitet sie unter anderem in der Steuerungsgruppe von Kommune Inklusiv in Schneverdingen mit. Außerdem setzt sie sich für mehr Barrierefreiheit in der Kommune ein.

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Empowerment und Partizipation
 

Eine Gruppe von etwa 20 Menschen hört dem Vortrag eines Mannes zu.

Damit Inklusion in der Gesellschaft selbstverständlich wird, braucht es das Engagement aller Menschen vor Ort. Manche Menschen brauchen Ermutigung oder Unterstützung, damit sie an Partizipationsprozessen teilnehmen können.

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