Beispiel Bonn – Wohngebiet öffnet sich

Zwei Jungs spielen Fußball

Als im Jahr 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, mussten sich Städte und Gemeinden kreative Ideen zur Unterbringung ausdenken. Da kam es sehr gelegen, dass sich der Ledenhof in Bonn gerade dazu entschlossen hatte, von einem reinen Wohngebiet für Menschen mit geistiger Behinderung zu einem inklusiven Wohnquartier zu werden. Einige Häuser auf dem Gebiet des Ledenhofs standen wegen der bevorstehenden Umbauarbeiten schon leer. Die Stadt Bonn nutzte diese Chance, mietete sich ein und konnte so Flüchtlingsfamilien angemessenen Wohnraum bieten.

„Wir hatten uns am Anfang schon etwas Gedanken gemacht“, sagt Michael Heine, damals Quartiersmanager im Ledenhof. „Wir dachten, da kommen jetzt Menschen aus Syrien oder Afghanistan, wo Menschen mit Behinderung vielleicht nicht ganz so gut behandelt werden. Und dann kommen sie nach Deutschland in ein Dorf, wo sie gemeinsam mit Menschen mit Behinderung wohnen. Das wird wohl eine ganz schöne Umstellung für sie.“ Die Ledenhofbewohner*innen mit Behinderung freuten sich auf den frischen Wind im Quartier, sie bastelten schon früh Willkommensschilder.

Eine Gruppe von Menschen

Als die Flüchtlinge erst einmal da waren, ging die Umstellung viel schneller und einfacher als gedacht. Die Flüchtlingsfamilien und die ursprünglichen Bewohner*innen des Ledenhofs lebten sich sehr gut miteinander ein. Und sogar noch mehr: „Einige der Flüchtlinge wollten sich in die Gemeinschaft einbringen und haben bei Freizeitaktivitäten unserer Bewohnerinnen und Bewohner mit Behinderung mitgeholfen“, erinnert sich Michael Heine. „Das Weltbild unserer Bewohner*innen und auch das der Flüchtlinge hat sich in dieser Zeit geändert.“ Die Bewohner*innen empfanden es als große Anerkennung, dass dieses Mal sie anderen Menschen helfen konnten, wo sie doch sonst immer Hilfe empfangen. „Sie konnten besser Deutsch sprechen, haben Spielsachen für Kinder gespendet, Wege erklärt und mit den Kindern gespielt“, so Heine. „Und die Flüchtlinge haben sofort gelernt, dass hier in Deutschland Frauen oder auch Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte haben wie alle anderen. Da waren die Menschen aus Syrien oder Afghanistan schon erstaunt.“

Das Zusammenleben nahmen die Bewohner*innen sehr schnell selbst in die Hand: So feierten die neuen und alten Bewohner und Bewohnerinnen zum Beispiel gemeinsam Silvester, ohne dass der Quartiersmanager es organisiert hatte. „Als sie mir Fotos der gemeinsamen Feier schickten, war ich ganz baff“, erinnert sich Heine.