Modellprojekt Kommune Inklusiv

Die fünf Modellkommunen hat die Aktion Mensch im Sommer 2016 aus einer großen Zahl an Bewerber-Kommunen ausgewählt. Daher ist das leider nicht mehr möglich. Sie können aber auf dieser Webseite alle relevanten Informationen bekommen, die den Modellkommunen auf ihrem Weg zu mehr Inklusion geholfen haben. Außerdem können Sie für Ihre inklusiven Projekte eine Förderung beantragen, beispielsweise bei der Aktion Mensch.

Die fünf Modellkommunen und die Aktion Mensch gewinnen fast täglich neue Erfahrungen aus dem Modellprojekt Kommune Inklusiv. Sie entwickeln Projektideen, setzen Maßnahmen um, bauen Netzwerk- und Arbeitsstrukturen aus. Ihren Erfahrungsschatz teilen die Modellkommunen in diesem Praxishandbuch Inklusion mit Ihnen. Im Praxishandbuch finden Sie umfangreiche Infos, viele gute Beispiele aus der Praxis und hilfreiches Arbeitsmaterial. Die Aktion Mensch und die Modellkommunen möchten damit andere ermutigen, sich auf den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft machen. Alles, die sich bereits auf dem Weg befinden, unterstützt das Praxishandbuch Inklusion dabei, ihre Inklusionsarbeit noch erfolgreicher zu gestalten.

Alle Kommunen und Projekte sind herzlich eingeladen, sich mit den Modellkommunen auszutauschen. So können sie von deren Erfahrungen profitieren. Hier finden Sie Informationen zu den Kommunen  und zu den Ansprechpartner*innen vor Ort.

Inklusion

Viele Menschen denken bei Inklusion in erster Linie an Menschen mit Behinderung. Die Aktion Mensch hat für das Projekt Kommune Inklusiv den sogenannten breiten Inklusionsbegriff zugrunde gelegt. Der lautet: „Jeder Mensch soll sich gleichberechtigt und unabhängig von Behinderung, sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung oder sonstiger individueller Merkmale und Fähigkeiten an allen gesellschaftlichen Prozessen beteiligen können.“ Das bedeutet, dass alle Menschen ganz selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ziel des Projekts ist es also, dass sich alle Menschen zugehörig fühlen: Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne Migrationserfahrung, jung, alt, Mann, Frau, Kind, arm und reich.

Wenn es immer mehr ältere und immer weniger jüngere Menschen gibt, kann das ein Land vor Herausforderungen stellen: Weniger Menschen zahlen in die gemeinsame Rentenkasse ein, mehr Menschen müssen gepflegt werden. Können sich alle Menschen gleichwertig in die Gesellschaft einbringen - Menschen mit Behinderung oder mit Migrationshintergrund, alleinerziehende Väter und Mütter, Frauen, Senior*innen - profitiert die gesamte Gesellschaft davon. Als Arbeitnehmer*innen oder Unternehmer*innen zahlen sie Sozialbeiträge, als Sport- oder Kulturbegeisterte Mitgliedsbeiträge für Vereine, als Ehrenamtliche engagieren sie sich in Initiativen. Inklusion bedeutet Vielfalt, Vielfalt sorgt für ein lebendiges Miteinander – und wir brauchen als älter werdende Gesellschaft alle Menschen.

Das ist einer von vielen guten Gründen für Inklusion. Weitere gute Gründe haben wir für Sie in unserem Praxishandbuch zusammengestellt. 

Freiwilliges Engagement ist unverzichtbar für Inklusion und für die gesamte Gesellschaft. Ehrenamtlich Aktive machen es in vielen Fällen erst möglich, dass es Freizeit-, Kultur- und Unterstützungsangebote gibt und dass soziale Einrichtungen funktionieren. Sie unterstützen Projekte, Initiativen und Vereine, die für unser Zusammenleben wichtig sind. Die ehrenamtlich engagierten Menschen bringen ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Kontakte ein. Mit ihrem Engagement stoßen sie gesellschaftliche Veränderungen an, beispielsweise die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen. Inklusion ist ein sehr breites und vielschichtiges Thema, das alle Bereiche der Gesellschaft berührt - deshalb braucht es Engagierte aus und in allen Bereichen, unter anderem Kultur, Freizeit, Arbeit und Bildung. Es ist außerdem sehr wichtig, dass sich Menschen aus allen Zielgruppen einbringen, ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern und mit daran arbeiten, die Ziele eines Vorhabens umzusetzen.

Mehr dazu erfahren Sie auch im Abschnitt „Inklusion in der Kommune selbstverständlich machen“.

Projektplanung

Ihrer gewünschten Zielgruppe können Sie sich dadurch annähern, dass Sie schauen: Welche Menschen leben in Ihrer Kommune? Wer braucht was? Welche möglichen Kooperationspartner*innen haben Sie vor Ort? Welche Projekte und Initiativen gibt es bereits vor Ort? Dieser Blick auf die Strukturen vor Ort heißt Sozialraumanalyse (siehe auch Frage: Wie definiere ich meinen Sozialraum?). Mehr darüber lesen Sie im Kapitel „Kommune neu kennenlernen“.

Ein Sozialraum ist die Umgebung, in der Sie mit Ihrem Projekt wirken wollen. Das kann Ihr Stadtviertel sein, Ihr Dorf, Ihre Stadt, Ihre Gemeinde, Ihr Landkreis: ein Ort, an dem Menschen aufeinandertreffen, sich austauschen und zusammenwirken. Hier finden alltägliche Begegnungen zwischen Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeden Geschlechts statt. Überlegen Sie bei Ihren Projektplanungen, in welchem Umfeld Sie die Gesellschaft in einem ersten Schritt inklusiver gestalten wollen und für welches Umfeld Ihre möglichen Projektressourcen reichen (siehe auch Frage: Welche Ressourcen brauche ich für ein inklusives Projekt?). 

Nein. Es ist besser, wenn Sie zu Beginn nicht zu viele Zielgruppen auf einmal in den Blick nehmen. Die Planung nach der Wirkungslogik (siehe auch Frage: Was bedeutet Wirkungslogik?) hilft Ihnen, Ihre Zielgruppe genauer einzugrenzen und herauszuarbeiten, welche Unterstützung diese Zielgruppe sich wünscht und braucht. Bedenken Sie dabei, für welche Zielgruppen Sie schon bald erste Erfolge erreichen können. Wie Planung nach der Wirkungslogik funktioniert, erklärt das Kapitel „Projekte wirkungsvoll planen“.

Die Wirkungslogik fasst zusammen, was Sie in Ihrem Projekt erreichen wollen und welche Arbeit Sie dafür leisten. Sie beschreibt außerdem, welches Problem Sie beheben, welche Menschen Sie mit Ihrer Arbeit erreichen wollen und was Sie für Ihre Zielgruppe verändern wollen. Planung nach der Wirkungslogik hilft dabei, Ihre Zielgruppe genau zu definieren. Sie können mit Hilfe der Wirkungslogik herausfinden, welche speziellen Bedürfnisse und Schwierigkeiten Ihre Zielgruppen haben und wie die Schwierigkeiten sich auf das Leben der Menschen und auf das Zusammenleben in der Kommune auswirken. Außerdem können Sie einen Überblick über bereits bestehende und fehlende Angebote in Ihrer Kommune bekommen. Mehr über eine zielorientierte Projektplanung lesen Sie unter „Projekte wirkungsvoll planen“. Dort stellen wir auch Arbeitsblätter zu Verfügung, die Sie bei der wirkungsorientierten Planung unterstützen.

Mit der Wirkungsanalyse können Sie frühzeitig erkennen, wo etwas hakt. Aus solchen Erkenntnissen können Sie lernen – und besser werden. Werkzeuge, die Ihnen dabei helfen, sind Monitoring und Evaluation.

Mehr darüber lesen Sie im Abschnitt „Wirkung analysieren“.

Ressourcen sind Mittel, die Sie benötigen, um Ihr Projekt erfolgreich umzusetzen. Beispielsweise: feste und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen, Räume, Geld, Kontakte zu Politik und Wirtschaft, Kontakte zu Menschen aus Ihren Zielgruppen. Welche Ressourcen Sie konkret brauchen, hängt natürlich auch vom Umfang Ihres Projekts ab. Beispielsweise von der Größe Ihres Sozialraums (siehe Frage: Wie definiere ich meinen Sozialraum?) und davon, welche Zielgruppen Sie erreichen wollen (siehe Frage: Wie finde ich die richtige Zielgruppe für mein Projekt?). Ihr inklusives Netzwerk kann zum Beispiel viele unterschiedliche Ressourcen einbringen. (siehe Frage: Welche Partner*innen brauche ich in meinem inklusiven Netzwerk?)

Qualifizierung

Die Aktion Mensch hat ein eigenes Fortbildungsprogramm. Die Fortbildungen vermitteln unter anderem wichtiges Wissen zum Aufbau eines inklusiven Netzwerks und zur erfolgreichen Arbeit und Zusammenarbeit in inklusiven Projekten. Im Kapitel „Durch Qualifizierung Inklusionsprofi werden“ können Sie sich über passende Seminare und Workshops informieren. Die Bildungsangebote der Aktion Mensch sind kostenlos. Sie müssen sich allerdings verbindlich anmelden. Schreiben Sie an , in welchem Rahmen Sie sich weiterbilden möchten.

Die Erfahrung aus dem Projekt Kommune Inklusiv zeigt: Um Inklusion zu erreichen, müssen Vertreter*innen von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und kommunaler Verwaltung in einem professionellen Netzwerk zusammenarbeiten und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das heißt: Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft sollten auf Augenhöhe und gleichberechtigt kooperieren, in einem Netzwerk mit klaren Strukturen, festen Gremien und eindeutig verteilten Rollen. Ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks ist nach den Erfahrungen der Aktion Mensch eine hauptamtliche Netzwerkkoordination (siehe Frage: Sollte jemand die Netzwerkkoordination übernehmen?). Eine entscheidende Rolle spielt auch die Qualifizierung der Netzwerkpartner*innen. Erfolgreiche Arbeit im Netzwerk lässt sich lernen: beispielsweise gute Kommunikation nach innen und nach außen, wie Sie echte Partizipation organisieren oder wie Sie wirksam Fördermittel beantragen. Wie und wo Sie das lernen können, erfahren Sie im Kapitel „Durch Qualifizierung Inklusionsprofi werden“.

Wie sich professionelle Netzwerke aufbauen lassen, lesen Sie im Kapitel „Dem Netzwerk eine Struktur geben“.

Finanzierung

Prüfen Sie auf der Förderung-Webseite der Aktion Mensch, ob Ihr Projekt und Ihre Organisation oder Ihr Verein für eine Förderung in Frage kommen. Wenn Ihr Schnellcheck positiv ausfällt, bekommen Sie eine Auswahl der Programme, in denen Sie eine Förderung beantragen können (Förderfinder). Unsere Expert*innen stehen Ihnen jederzeit für Ihre Fragen zur Verfügung. Per Mail: . Oder unter 0228 / 2092-5555.

Mehr zum Thema Förderung für inklusive Netzwerkprojekte lesen Sie auch im Praxishandbuch Inklusion, im Kapitel „Förderung beantragen“.

Freie gemeinnützige Organisationen mit Sitz in Deutschland. Das sind:

  • Vereine
  • Stiftungen
  • Gesellschaften mit beschränkter Haftung (gGmbH)
  • Unternehmergesellschaften
  • Kirchen
  • Genossenschaften

Ob Ihre Organisation förderfähig ist, finden Sie mit unserem Schnell-Check  heraus. Sollten Sie nicht förderfähig sein, können Sie sich förderfähige Kooperationspartner*innen suchen.

Die Aktion Mensch hat ein eigenes Förderprogramm für mehr Barrierefreiheit:  Vielleicht bekommen Sie aber auch über eine*n der Netzwerkpartner*innen oder über Ihre Kommune Geld. Immerhin ist Barrierefreiheit im öffentlichen Raum Pflicht. Das ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) von 2002 geregelt.

Prozessbegleitung

Gemeinsam mit den Akteur*innen vor Ort planen und verbessern Prozessbegleiter*innen die Prozesse und Strukturen im Projekt. Wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte, schlägt die Prozessbegleitung Lösungen vor und setzt sie mit den Netzwerkpartner*innen um. Ziel ist, dass alle Netzwerkgremien so miteinander arbeiten, dass das Projekt gut vorankommt. Prozessbegleiter*innen bringen den wertvollen professionellen Blick von außen aufs Projekt ein und können bei Konflikten im Netzwerk vermitteln. Sie sind außerdem direkte Ansprechpartner*innen für die Projektleitung: Sie können ihr mit Fachwissen weiterhelfen und sie auch beispielsweise als kreative Ideen-Entwickler*innen unterstützen. Prozessbegleiter*innen haben darüber hinaus Methoden für Partizipation im Gepäck. Gemeinsam mit den Akteur*innen vor Ort kann eine Prozessbegleitung also daran arbeiten, dass die Zielgruppen an Planung und Umsetzung des Projekts wirksam und gleichberechtig beteiligt werden.

Mehr über die Aufgaben einer Prozessbegleitung lesen Sie im Kapitel „Das leistet eine Prozessbegleitung“.

Der Erfolg Ihres inklusiven Projekts wird nicht davon abhängen, wie viele einzelne Maßnahmen Sie für Ihre Zielgruppe umsetzen. Sondern dass Sie Ihr Projekt strategisch gut planen, Ihr Netzwerk klar strukturieren und die Arbeitsprozesse und Aufgabenverteilung eindeutig auf Ihre Projektziele ausrichten. Dabei hilft Ihnen eine Prozessbegleitung maßgeblich. Deshalb empfehlen wir: Planen Sie eine Prozessbegleitung von Beginn an in Ihr Projekt und in Ihr Budget ein. Verzichten Sie dafür lieber auf eine weitere Aktion oder eine zusätzliche Maßnahme.

Alternativ zur professionellen Prozessbegleitung können Sie prüfen, ob eine wissenschaftliche Begleitung möglich ist. Also eine Begleitung, die nicht ausschließlich Aktionen auswertet und Erfolge misst, sondern die Sie - wie eine Prozessbegleitung das tut - auch berät. In Städten mit Universitäten können Sie sich an die entsprechenden Fakultäten wenden. Schreiben Sie eine E-Mail, in der Sie Ihr Projekt und Ihren Wunsch nach wissenschaftlicher Begleitung beschreiben. Und haken Sie gegebenenfalls mit einem Anruf nach.

Wichtig, ob mit oder ohne professionelle Prozessbegleitung: Halten Sie immer wieder kurz inne in Ihrem Projekt und planen Sie Reflexionsschleifen ein. In unseren Modellkommunen heißt diese Schleife „Boxenstopp“. Überprüfen Sie, idealerweise unterstützt durch eine externe Moderation: Wo stehen Sie mit Ihrem Projekt? Fehlen Ihnen noch Ressourcen und Fähigkeiten im Netzwerk? Wo können Sie diese herbekommen?

Partizipation

Partizipation bedeutet: Alle Menschen machen mit, gestalten mit und bestimmen mit, wie die Gesellschaft sich entwickelt. Damit ist Partizipation eine Grundvoraussetzung für Inklusion. Denn in einer inklusiven Gesellschaft sollen alle das Recht haben, selbst zu entscheiden, wie sie leben wollen. Für alle, die partizipative Prozesse starten, gilt: Partizipation muss wirklich gewollt, ernst gemeint und gut gemacht sein. Bürger*innen und Menschen aus den Zielgruppen müssen merken, dass sie mit ihrer Meinung und ihrem Handeln etwas bewirken. Beteiligen Sie sie deshalb in einer Form, in der sie ihre Wünsche und Bedürfnisse ausführlich und verständlich äußern und umsetzen können. Planen Sie Ihr Projekt kooperativ: Lassen Sie die Zielgruppe alle Entscheidungen mittreffen und setzen Sie die Entscheidungen gemeinsam um. Der Weg zu einer echten Partizipation kann ein dickes Brett sein. Neben den geeigneten Methoden brauchen Sie Mut zur Umsetzung und eine positive Haltung zu echter Beteiligung. Partizipation ist ein Prozess, den Sie mit kleinen Schritten starten können. Fangen Sie beispielsweise in Ihrem Viertel an.

Mehr über den Weg und Methoden zur echten Bürgerbeteiligung erfahren Sie unter „Erfolg durch Partizipation“.
 

In einem inklusiven Netzwerk sollen sich auch die Menschen aktiv einbringen können, die es nicht gewohnt sind, öffentlich für ihre Interessen einzutreten. Manche Menschen brauchen dafür ausdrücklich Ermutigung und Unterstützung. In der Fachsprache heißt das Empowerment, was übersetzt in etwa Starkmachen und Selbstbefähigung bedeutet. Empowerment ist eine Voraussetzung für Partizipation. Im Rahmen von Kommune Inklusiv wurden in einigen Kommunen Empowerment-Seminare angeboten. Die Seminare machten die Teilnehmer*innen stark dafür, sich für ihre Interessen einzusetzen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Auch Integrationsbeauftragte, Vereinsgeschäftsführer*innen und Schuldirektor*innen lernten bei Empowerment-Schulungen viel über sich selbst und ihre Netzwerkpartner*innen.

Barrierefreie Gebäude und öffentliche Plätze, Arbeitsstätten und Wohnungen, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote sind so gestaltet, dass sie für alle ohne fremde Hilfe zugänglich sind. Dabei helfen Aufzüge und Rampen oder Texte in Einfacher und Leichter Sprache. Digitale Angebote wie Internetseiten, Videos und PDF-Dokumente können ebenfalls barrierefrei und für jede*n nutzbar gestaltet werden. Mehr Infos bekommen Sie auf den Barrierefreiheit-Infoseiten der Aktion Mensch.

Barrierefreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für Partizipation, also dafür, dass alle Menschen an der Gesellschaft teilhaben und sich einbringen können. Mehr darüber lesen Sie im Kapitel „Aktiv für mehr Partizipation

Mehr Barrierefreiheit zu erreichen, kann eine Weile dauern. Beginnen Sie mit den folgenden Schritten:

  • Achten Sie darauf, dass die Räume, in denen sich das Netzwerk trifft, für alle zugänglich sind.
  • Sprechen und schreiben Sie in Einfacher Sprache. Das heißt zum Beispiel: kurze Sätze, keine Fremdwörter, aktive Verben.
  • Fragen Sie beim ersten Treffen, ob jemand andere Hilfsmittel braucht.
  • Machen Sie Ihre Internetseite möglichst barrierefrei.

Weitere Hinweise zur Barrierefreiheit finden Sie auf den Barrierefreiheit-Infoseiten der Aktion Mensch.

Die Aktion Mensch hat ein eigenes Förderprogramm für mehr Barrierefreiheit. Vielleicht bekommen Sie aber auch über eine*n der Netzwerkpartner*innen oder über Ihre Kommune Geld. Immerhin ist Barrierefreiheit im öffentlichen Raum Pflicht. Das ist im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) von 2002 geregelt.

Netzwerkaufbau

Nach den Erfahrungen des Modellprojekts Kommune Inklusiv sind Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und besonders der Kommune wichtig. Es ist nicht so einfach, Vertreter*innen aus all diesen Bereichen zu gewinnen. Doch Sie können auch mit einem kleineren Netzwerk beginnen und es dann kontinuierlich aufbauen. Anregungen dazu, in welchen Bereichen Sie Kooperationspartner*innen suchen können, finden Sie unter „Ein inklusives Netzwerk aufbauen“, unter dem ersten Punkt im Downloadbereich: „Arbeitsblätter: Finden Sie Ihre Netzwerkpartner*innen vor Ort“.

Auf jeden Fall! Denn gemeinsam sind die Ziele leichter zu erreichen, und es entstehen keine Doppelstrukturen. Außerdem wird Ihr inklusives Projekt Ihre Konkurrent*innen beeinflussen – so oder so. Besser ist es deswegen, wenn Sie es schaffen, auch die Konkurrenz mit an Bord zu bekommen. 

Infoblatt: Tipps für schwierige Gespräche bei der Suche nach Netzwerkpartner*innen

Der Name des Projekts Kommune Inklusiv bedeutet nicht, dass hier nur Städte und Gemeinden als Ganzes mitmachen. In Nieder-Olm ist eine ganze Verbandsgemeinde dabei, in Rostock nur ein Stadtteil. Es ist also möglich, den Aufbau eines inklusiven Netzwerks auf einzelne Viertel oder Bezirke einzugrenzen. Treibende Kraft im Netzwerk kann auch ein Verein, ein Verband oder ein Unternehmen sein. Es hat sich aber bewährt, dass die Stadt oder Gemeinde als starke Partnerin mit im Boot ist.

Am Anfang können sich auch erstmal nur wenige Partner*innen zusammenschließen. Je nach Themen und Zielgruppen können dann weitere Partner*innen Teil des Netzwerks werden. Ein Vorteil an größeren Netzwerken ist, dass mehr Ressourcen zur Verfügung stehen und das Netzwerk dadurch mehr erreichen kann.

Erzählen Sie von Ihren Ideen und Zielen, die sich mittelfristig auf das Leben in der ganzen Stadt oder Gemeinde auswirken können. Machen Sie deutlich, welche direkten Vorteile Ihr Projekt für die Menschen hat, die Sie ansprechen. Erwähnen Sie auch die anderen Kooperationspartner*innen, die sich mit persönlichem Einsatz und/oder Geld am Projekt beteiligen. Ihre Kooperationspartner*innen können aber auch andere Ressourcen als Zeit oder Geld investieren: Vielleicht stellen sie Räume zur Verfügung oder vermitteln Kontakte zu anderen möglichen Partner*innen. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Wunschpartner*innen ansprechen“.  Finden Sie weitere Argumente auch in unserem Bereich „Gute Gründe für Inklusion“.

Das ist kein Muss, aber sehr sinnvoll. In einem Netzwerk treffen Menschen mit ganz unterschiedlichen Jobs und Fähigkeiten aufeinander, die sich auf Augenhöhe austauschen. Der schriftliche Kooperationsvertrag hilft dabei, entsprechende Regeln festzuhalten. Musterformulierungen für eine Kooperationsvereinbarung finden Sie unter „Dem Netzwerk eine Struktur geben“.

Die Erfahrung aus dem Projekt Kommune Inklusiv zeigt: Um Inklusion zu erreichen, müssen Vertreter*innen von Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und kommunaler Verwaltung in einem professionellen Netzwerk zusammenarbeiten und ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das heißt: Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft sollten auf Augenhöhe und gleichberechtigt kooperieren, in einem Netzwerk mit klaren Strukturen, festen Gremien und eindeutig verteilten Rollen. Ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks ist nach den Erfahrungen der Aktion Mensch eine hauptamtliche Netzwerkkoordination (siehe Frage: Sollte jemand die Netzwerkkoordination übernehmen?). Eine entscheidende Rolle spielt auch die Qualifizierung der Netzwerkpartner*innen. Erfolgreiche Arbeit im Netzwerk lässt sich lernen: beispielsweise gute Kommunikation nach innen und nach außen, wie Sie echte Partizipation organisieren oder wie Sie wirksam Fördermittel beantragen. Wie und wo Sie das lernen können, erfahren Sie im Kapitel „Durch Qualifizierung Inklusionsprofi werden“.

Wie sich professionelle Netzwerke aufbauen lassen, lesen Sie im Kapitel „Dem Netzwerk eine Struktur geben“.

 

Arbeiten im Netzwerk

Bei Kommune Inklusiv setzen sich alle Netzwerkpartner*innen zusammen und überlegen gemeinsam, wer welche Aufgaben übernehmen kann. Wichtig ist, dass Sie die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und auch manchmal „Nein“ zu neuen Aufgaben oder Ideen sagen. Wir empfehlen, in einem Projektplan alle Aufgaben und Arbeitspakte schriftlich festzuhalten. So behalten Sie den Überblick.

Mehr darüber, wie Sie Ihr Netzwerk aufbauen und die Arbeit sinnvoll verteilen können, lesen Sie im Kapitel „Dem Netzwerk eine Struktur geben“.

Infos zum Projektplan finden Sie unter „Projektplan: Übersicht hilft, um ins Tun zu kommen“.

In vielen Netzwerken ist die Steuerungsgruppe mitverantwortlich für Themen und Ziele eines Projekts. Im Kommune-Inklusiv-Modellprojekt ist die Steuerungsgruppe gemeinsam mit der Netzwerkkoordination verantwortlich für das Netzwerk-Management – und damit dafür, dass einzelne Projekte und das Gesamtprojekt Kommune Inklusiv erfolgreich umgesetzt werden. Die Mitglieder der Steuerungsgruppe legen beispielsweise fest, zu welchen Themen das Netzwerk Arbeitsgruppen braucht. Sie überprüfen immer wieder, wie und ob das Netzwerk seine Ziele erreicht.

In den Arbeitsgruppen kommen Menschen zusammen, um gemeinsam Ideen für Veranstaltungen, Aktionen und Maßnahmen zu entwickeln. Sie sind offen für alle Menschen in der Kommune. Durch diese offene Struktur tragen sie dazu bei, dass sich möglichst viele Menschen mit den Projekten identifizieren. Alle können Ideen einbringen und mitdiskutieren – und sei es nur bei einem bestimmten Treffen. Damit sind die Arbeitsgruppen nah dran an den Zielgruppen. Sie halten die Netzwerkarbeit lebendig.

Es sollte in einem Netzwerk nicht zu viele Arbeitsgruppen geben. Sonst besteht die Gefahr, dass man sich verzettelt. Richten Sie daher nicht mehr als acht Arbeitsgruppen ein. Wenn eine ihr Ziel erreicht hat, kann sie Platz für eine neue Arbeitsgruppe machen.

Das empfehlen wir unbedingt! Es ist außerdem von großem Vorteil, wenn die Netzwerkkoordination hauptamtlich arbeitet. In den Kommune-Inklusiv-Modellkommunen arbeiten hauptamtliche Netzwerkkoordinator*innen als Projektleiter*innen. Die Koordinator*innen haben vielfältige Aufgaben und eine hohe Verantwortung. Sie übernehmen Führungsaufgaben und das Projektmanagement. Oft haben sie Termine am Wochenende oder abends. Die Koordinator*innen halten das Netzwerk zusammen und müssen nahezu täglich auf Anfragen von Menschen innerhalb und auch außerhalb des Netzwerks reagieren. Wichtig ist deshalb, die Netzwerkkoordinator*innen fest einzustellen und ihnen im Netzwerk ein starkes Mandat - das heißt klare Befugnisse und Entscheidungsmacht - zu geben.

Wegen der vielfältigen Anforderungen ist es entscheidend, dass die Netzwerkkoordination jemand übernimmt, die oder der belastbar ist, gut planen, organisieren, kommunizieren und Interessen ausgleichen kann. Er oder sie sollte vor Ort gut vernetzt sein und viele Akteur*innen kennen. Und die Netzwerkkoordination sollte bereit sein, immer neu dazuzulernen und sich weiter fortzubilden.

Mehr über die vielfältigen Aufgaben und Anforderungen erzählt auch unser Film über den Arbeitsalltag zweier Koordinatorinnen.

Wie Netzwerkkoordinator*innen mit den Herausforderungen umgehen können, erfahren Sie im Kapitel „Konflikte und Überlastung erkennen und lösen“.

Diskussionen, auch heftigere, sind in einem Netzwerk normal. Die beiden Seiten sollten zunächst versuchen, ihren Konflikt untereinander zu klären. Klappt das nicht, können sie sich eine Person suchen, die vermittelt und moderiert. Unter „Erfolgreich zusammenarbeiten“ lesen Sie mehr über die Themen Kommunikation und Konflikte lösen.

Soziale Projekte leben davon, dass Menschen sich ehrenamtlich engagieren - das heißt, ohne dass sie Geld dafür bekommen. Ehrenamtlich Engagierte bringen frische Ideen mit und ihre persönliche Sicht „von außen“ auf die Netzwerkthemen. Oft verfügen sie über Fachwissen in Bereichen, in denen andere Netzwerkpartner*innen keine Erfahrung haben. Sie tragen die Ziele und Ideen des inklusiven Netzwerks zu den Bürger*innen, zum Beispiel, wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählen. Ehrenamtlich Aktive sind auch wichtig dafür, dass ein Inklusionsprojekt über den ersten Förderzeitraum hinaus weiterbestehen kann: Wenn sie das Projekt oder Teile des Projekts eigenständig weiterführen, kann es in der Kommune weiter wirken. 

Mehr dazu erfahren Sie auch im Abschnitt „Inklusion in der Kommune selbstverständlich machen“.

In einem Projekt wie Kommune Inklusiv ist es wichtig, dass alle Akteur*innen wertschätzend miteinander umgehen. Denn: Wer sich für ein inklusives Projekt engagiert, hat oftmals keinen 9-bis-17-Uhr-Job - das gilt für ehrenamtliche und für hauptamtliche Mitarbeiter*innen gleichermaßen. Viele Netzwerkpartner*innen nehmen außerhalb ihres eigentlichen Jobs und ihrer regulären Arbeitszeiten an Netzwerktreffen oder öffentlichen Veranstaltungen teil. Ehrenamtlich Aktive investieren ihre Freizeit in Arbeitsgruppen-Sitzungen oder in die Vorbereitung und Umsetzung von Aktionen. Die Netzwerkkoordinator*innen arbeiten auch oft noch nach Feierabend und am Wochenende für das Projekt und machen viele (unbezahlte) Überstunden. Unsere Erfahrung: Ein wertschätzender Umgang miteinander motiviert ungemein. Loben Sie sich gegenseitig für gute Arbeit, zeigen Sie dem oder der anderen, wie wichtig seine oder ihre Arbeit ist. Sehr motivierend ist es auch, wenn beispielsweise die Oberbürgermeisterin oder der Gemeindebürgermeister auf einer öffentlichen Veranstaltung allen Akteur*innen dankt.

Nachhaltigkeit

Projekte durchlaufen drei Phasen: Planung, Umsetzung, Verstetigung. Verstetigung bedeutet: Was das Projekt in der Umsetzungsphase erfolgreich in Gang gesetzt hat - Maßnahmen, Aktionen, eine Bewusstseinsänderung bei den Menschen in der Kommune - soll zu einem selbstverständlichen Teil des Stadt- oder Gemeindelebens werden. Dafür ist es wichtig, dass Sie bereits während der Umsetzung an die Zeit nach der ersten Förderung denken. Leiten Sie Schritte ein, um die Erfolge Ihres Projekt dauerhaft zu sichern. Welche Schritte das sind, lesen Sie unter „Die Planung nach dem Förderzeitraum mitdenken“.

Es gibt verschiedene Strategien dafür, dass Ihr Projekt nachhaltig weiterwirkt, dass also das, was Sie in der Umsetzungsphase erreicht haben, nicht einfach verpufft. Die Strategien haben nicht nur etwas mit Geld zu tun. Gute Netzwerk- und Team-Strukturen und Kontakte sind mindestens genauso wichtig. Außerdem ist es wichtig, dass Sie die Menschen vor Ort von Ihrem Projekt und dem Wert von Inklusion überzeugen und sie gut einbinden.

Im Kapitel „Projekte in der Kommune dauerhaft verankern“  haben wir verschiedene Strategien zusammengestellt. Wir haben sie mit Hilfe der Erfahrungen aus anderen Projekte zusammengestellt, die nach der Umsetzungsphase erfolgreich weiter wirken konnten.