Projekt zur Inklusionsberatung - InklusionsGuides beraten Firmen auf ihrem Weg zu mehr Vielfalt  

Viele Firmen wollen inklusiver werden, denn sie wissen: Inklusive Teams funktionieren besser. Aber wie holt man sich mehr Vielfalt in den eigenen Betrieb? Gleichzeitig ist es für studierte Frauen mit Behinderung oft schwierig, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Zwei Probleme ein Ziel. Der Hildegardis-Verein aus Bonn bringt beide Gruppen zusammen damit sie sich gegenseitig coachen.
Grafische Darstellung der Ablaufs und der Beteiligten des Projekts InklusionGuides des Hildegardisvereins Bonn

Wie funktioniert das Projekt?

Zwölf junge Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen besuchen als so genannte InklusionsGuides einmal im Monat sechs Unternehmen. Jedes Unternehmen bekommt also zwei InklusionsGuides, die ein Jahr lang regelmäßig in den Betrieb kommen und sich vor Ort mit festen Ansprechpartner*innen austauschen. Die Guides beraten in Sachen Barrierefreiheit. Sie geben den Firmenmitarbeiter*innen aber auch Rückmeldung dazu, wie inklusiv das Unternehmen auf sie wirkt, ob sie sich beispielsweise von Stellenanzeigen, der Außendarstellung des Unternehmens oder den Arbeitsbedingungen angesprochen fühlen oder nicht. 
Umgekehrt bekommen auch die InklusionsGuides Ratschläge von ihren Tandempartner*innen aus den Firmen. Zum Beispiel dazu, wie man in der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch optimal auf sich aufmerksam machen kann. Kombiniert mit  zusätzlichen Trainings des Hildegardis-Vereins lernen die Guides auf diese Weise, ihre Stärken und Kompetenzen bestmöglich zu präsentieren und sammeln Erfahrung in kollegialer Beratung und Konfliktmanagement.

Der Hildegardis-Verein hat alle Projektteilnehmer*innen gesucht und zusammengebracht. Ende November fand die hybride Kick-off-Veranstaltung des deutschlandweiten Pilotprojekts in Bonn statt, bei der sich die Studentinnen und Arbeitgebervertreter*innen kennenlernen konnten. Die verantwortlichen Mitarbeiterinnen des Vereins, Melanie Peschek, Agathe Lukassek und Julia Schönbeck werden auch über den gesamten Projektzeitraum hinweg regelmäßige Treffen mit allen Beteiligten organisieren: Teils nur im Kreis der InklusionsGuides, teils erweitert um die Ansprechpartner*innen aus den Unternehmen sowie externen Inklusions-Expert*innen. Durch diese Vernetzung, da sind sich die Macher*innen sicher, wird vieles in Bewegung kommen. Und durch eine begleitende Evaluation soll es am Ende des Projekts klare Handlungsempfehlungen für Unternehmen geben, die inklusiver werden wollen. 

Viele Firmen suchen händeringend Fachkräfte. Gut ausgebildete und geeignete Fachkräfte mit Beeinträchtigung haben sie dabei oft gar nicht im Blick. Und wenn doch, dann erreichen sie sie nicht, beispielsweise weil die internen Strukturen und die Außenwahrnehmung nicht inklusiv ist. Das fängt bei Stellenanzeigen an und zieht sich über Formulierung und Bildsprache in den Unternehmens-Publikationen bis hin zu den Arbeitsbedingungen. Menschen, die auf diese Zeichen achten, bewerben sich erst gar nicht. 
Das Projekt InklusionsGuides soll helfen, Firmen für Frauen mit Behinderung als potentielle Mitarbeiterinnen zu sensibilisieren, ihnen bewusst machen, dass sie genauso leistungsfähig sind wie andere Arbeitnehmenden. Und dass inklusive Teams in der Regel besser funktionieren als nicht-inklusive. Last but not least erhalten die teilnehmenden Unternehmen hilfreiche Tipps für die Rekrutierung dieser Zielgruppe.

Junge Frauen mit Behinderung finden nach ihrem Studium meist nur schwer einen Einstieg in die Arbeitswelt. Oft haben sie den Eindruck, dass nicht sie und ihre Kompetenzen gesehen werden, sondern nur ihre Behinderung. Manchmal dauert es zwei Jahre, bis sie eine Stelle gefunden haben. In einigen Fällen gelingt es gar nicht. Als InklusionsGuides können sie gute Tipps geben, wie ein Betrieb inklusiver und diverser werden kann. Sie treten als Expertinnen in eigener Sache auf und erleben sich selbst in dieser Rolle. In Kombination mit den begleitenden Schulungen und Tagungen im Rahmen des Projekts sammeln die jungen Frauen wichtige Kompetenzen und Selbstvertrauen. Ganz nebenbei profitieren sie von den neuen Kontakten in die Unternehmen aber auch zu den anderen Guides und Projektbeteiligten. Und wer weiß: vielleicht entsteht aus der Zusammenarbeit in den Unternehmen auch der eine oder andere Job.

Nach der einjährigen ersten Guidance-Phase, in der die ersten 12 Studentinnen "ihre" Unternehmen besuchen, beginnt eine zweite Guidance-Phase mit zwölf neuen InklusionsGuides und sechs neuen Unternehmen.  Die Guides aus der ersten Phase sind jedoch eingeladen ihre Nachfolgerinnen zumindest in der Anfangszeit ein Stück weit zu begleiten.
Die Erfahrungen und Ergebnisse aus beiden Phasen werden auf einem 
Fachkongress zusammengetragen, ausgetauscht und ausgewertet. In Form von  Handlungsempfehlungen sollen sie auch nutzbar und übertragbar gemacht werden für andere Betriebe, die sich auf den Weg machen wollen inklusiver zu werden.

Nach dem Fachkongress soll sich das Projekt idealerweise auch ohne Fördermittel verstetigen. Denn es gibt bestimmt bei vielen Unternehmen in Deutschland mit Interesse und Bedarf an Beratung in Hinblick auf Inklusion. Und auch wenn viele Erkenntnisse aus den beiden ersten Guidance-Phasen übertragbar sein werden: Jedes Unternehmen ist anders und hat seine individuellen Herausforderungen. Die Projektleiterinnen können sich vorstellen, dass interessierte Unternehmen in Zukunft die Beratung durch InklusionsGuidance über den Hildegardis-Verein als Dienstleistung einkaufen. 

Podcast-Interview mit den Initiatorinnen

Frauenförderung seit mehr als 100 Jahren

Der Bonner Hildegardis-Verein unterstützt seit 1907 Frauen auf ihrem Weg zu akademischer Bildung und beruflicher Qualifizierung. Sie sollen in Kirche und Gesellschaft sichtbarer werden und ihre Stärken und Kompetenzen optimal entwickeln und einsetzen können.
Seit 15 Jahren führt der Verein Inklusionsprojekte wie zum Beispiel Mentoringprogramme durch. 
Für Frauen mit Behinderung gibt es aktuell außer den InklusionsGuides auch das Projekt „BESSER – Barrierefrei Existenzgründen. Selbstständig und erfolgreich im Erwerbsleben mit Behinderung“.
 
Alle Projekte finden sich auch auf der Website des Hildegardis-Vereins: www.hildegardis-verein.de  

Förderangebot
der Aktion Mensch
Die Aktion Mensch fördert Vorhaben, wie dieses vom Hildegardis-Verein, die für Menschen mit Behinderung
Wege ins Arbeitsleben schaffen.

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