Das wir gewinnt
Zwei junge Männer stehen neben einem Gabelstapler in einer Lagerhalle.

Modulare Qualifizierung: stufenweise Ausbildung zur Assistenzkraft

Eine qualifizierte Ausbildung ist der Schlüssel zur Berufs- und Arbeitswelt. Menschen mit Behinderung bleibt dieser Zugang häufig verwehrt, weil die Anforderungen klassischer Berufsausbildungen zu hoch sind und ihre besonderen Bedarfe nicht berücksichtigt werden. Gleichzeitig fehlen an vielen Stellen qualifizierte Arbeitskräfte.

Um diese Lücke zu schließen, entwickelte die Access gGmbH in Kooperation mit weiteren Partnern modulare Ausbildungskonzepte, die den Einstieg in den allgemeinen Arbeitsmarkt erleichtern: praxisnah, bedarfsorientiert und zertifiziert. 

Projektträger: Access gGmbH, Erlangen

Förderangebot: Projektförderung "Wege ins Arbeitsleben"

Geförderter Zuschuss: 284.900 €

Projektzeitraum: September 2020 bis Dezember 2022

Kooperationspartner:

  • Diakonisches Werk Rosenheim
  • Hamburger Arbeitsassistenz
  • Lebenshilfe Erfurt Service gGmbH

Der Projekt-Fokus

Die berufliche Bildung für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglicher zu machen – das ist das Ziel von Access gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Rosenheim, der Lebenshilfe Erfurt und der Hamburger Arbeitsassistenz. Die Herausforderung: Eine praxisnahe Ausbildung vor Ort muss dabei für die Zielgruppe ebenso bedarfsgerecht ausgelegt sein, wie die notwendigen theoretischen Inhalte.

Gemeinsam entwickelten die Kooperationspartner innerhalb von rund 2 Jahren sogenannte „abgestufte Berufsbildungskonzepte“ für vier Berufsfelder. Es war wichtig Berufsfelder zu finden, in denen Anschlussfähigkeit geschaffen werden kann, sofern eine gewisse Qualifizierung im Vorfeld stattfindet, erläutert  Florian Walczak, Mitglied der Geschäftsführung von Access. Die Auswahl fiel daher auf anerkannte Ausbildungsberufe in nachgefragten Branchen, die genügend praktische Einsatzmöglichkeiten für angelernte Kräfte bieten.

Ausgewählte Berufsfelder

  • Assistenzkraft im Büro
    Kooperationspartner: Diakonischen Werk Rosenheim | Zertifikat: IHK München
  • Assistenzkraft in der Kita
    Kooperationspartner: Access gGmbH | Zertifikat: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forst
  • Assistenzkraft in der Konditorei
    Kooperationspartner: Lebenshilfe Erfurt | Zertifikat: HWK Erfurt
  • Assistenzkraft in der Lagerlogistik
    Kooperationspartner: Hamburger Arbeitsassistenz | Zertifikat: IHK Hamburg
Porträt von Florian Walczak, Geschäftsführer der Access gGmbH. Das Bild zeigt einen Mann mit kurzem Bart, der in die Kamera lacht.

Florian Walczak startete 2006 im Fachdienst Access – Inklusion im Arbeitsleben gGmbH in Erlangen und koordinierte von September 2020 bis Dezember 2022 das Projekt „Entwicklung abgestufter Berufsbildungskonzepte“. Seit 2024 ist er gemeinsam mit seiner Kollegin Andrea Seeger in der Geschäftsführung von Access

Kontaktdaten zur Vernetzung sowie mehr Informationen zu den Projektergebnissen finden Sie online:

 

Zertifizierung als Qualitätsmerkmal

Wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der verschiedenen Qualifizierungsmodule war eine Anerkennung der jeweiligen Kammern und weiterer zuständiger Stellen vor Ort. Aufgrund regionaler Unterschiede gingen die Kooperationspartner daher jeweils einzeln auf die verschiedenen zuständigen Stellen zu. Auf Antrag bestätigten diese dann die Übereinstimmung des zugrunde gelegten Qualifizierungsbildes mit den geltenden rechtlichen Vorgaben. 

Vor Ort bestand stets Offenheit gegenüber den jeweiligen Vorhaben. Grundsätzlich würde ich empfehlen, mit den Kammern bzw. den jeweiligen Stellen von Beginn an ins Gespräch zu kommen.

Florian Walczak empfiehlt eine rechtzeitige und offene Kommunikation mit den zuständigen Stellen.

Die Qualifizierungs-Module

Ausgehend von den Ausbildungsrahmenplänen der vier ausgewählten Berufsgruppen, entstanden im Projektverlauf schrittweise Curricula und Lernmaterialien für verschiedene Qualifizierungsniveaus. Im Fokus stehen die Basisqualifizierung (Modul 1) und vertiefende Qualifizierungs-Bausteine (Modul 2).

Modul 1: Tätigkeitsorientiere Basis-Qualifizierung

Die Inhalte in diesem Modul drehen sich rund um die Themen Arbeitsverhalten, Sozialverhalten, Lernverhalten und fachliche Grundlagen zur Arbeit im jeweiligen Berufsfeld.

Modul 2: Berufsfeldorientierte Qualifizierungs-Bausteine

Die Qualifizierungs-Bausteine bauen auf der Basis-Qualifizierung auf und vermitteln den Teilnehmer*innen vertiefende fachliche Aspekte innerhalb eines spezifischen Arbeitsbereichs.

Erfolgsfaktoren

  • Individuelles Tempo

    Jedes Modul steht für sich und ist zertifiziert. Das ermöglicht den Teilnehmer*innen, die Qualifizierung im eigenen Tempo zu durchlaufen.
  • Bedarfsorientierte Aufbereitung

    Die umfangreichen theoretischen Lerninhalte wurden konsequent für Menschen mit Lernschwierigkeiten sinnvoll heruntergebrochen, in Leichte Sprache übersetzt und grafisch aufbereitet.
  • Begleitung vor Ort

    Die Qualifizierung selbst erfolgt im Betrieb vor Ort und wird durch Job-Coaches begleitet. Bei jedem Träger gab es zusätzliche Schulungseinheiten im Rahmen von Bildungs- oder Projekttagen verbunden mit Praxisaufträgen, die im Betrieb umzusetzen sind.
  • Flexibilität im Projekt-Verlauf

    Ursprünglich angedacht war die Entwicklung von zwei weiteren Modulen, der Teilqualifizierung (Modul 3) und der Fachpraktiker*in-Ausbildung (Modul 4). Die Fokussierung auf die Module 1 und 2 entstand im Projekt-Verlauf, da der theoretische Anteil dieser Module für den Großteil der Zielgruppe noch praktikabel umsetzbar war.

Lernmaterialien herunterladen

Gemeinsam mit ihren Partnern hat Access im Projektverlauf insgesamt 55 Module mit einem Umfang von über 1.200 Seiten Praxismaterial in Einfacher Sprache für Assistenzkräfte im Büro, in der Kita, in der Konditorei und in der Lagerlogistik entwickelt. 

Die Module zur Basis-Qualifizierung und zu den Qualifizierungs-Bausteinen für die einzelnen Ausbildungsberufe stehen gemeinnützigen Organisationen zum kostenfreien Download zur Verfügung. 

Finanzierung

Die Projekt-Kosten auf einen Blick

Eine Grafik, die die Projektkosten der Access gGmbH abbildet.  Honorarkosten: 170.352 Euro, Personalkosten: 83.850 Euro, Sachkosten: 62.360 Euro. Gesamtkosten: 316.562 Euro. Der Zuschuss von der Aktion Mensch beträgt 284.906 Euro.

Die Kosten im Detail

Honorarkosten:

  • Konzeptentwickler*innen bei den Kooperationspartnern vor Ort

Personalkosten (für 24 Monate):

  • 1 Projektleiter*in, 10 Stunden / Woche
  • 1 Konzeptentwickler*in, 13 Stunden / Woche
  • 1 Bürokraft, 2 Stunden / Woche

Sachkosten

  • Reisekosten
  • Erstellung Schulungsmaterialien

Das passende Förderangebot

Das Projekt der Access gGmbH wurde mit der Aktion Mensch-Förderung "Wege ins Arbeitsleben" umgesetzt. Erfahren Sie mehr zu den Möglichkeiten und Rahmenbedingungen dieses Förderprogramms.

Bitte beachten Sie, dass die Aktion Mensch ausschließlich Projekte unterstützt, die nicht öffentlich gefördert werden können. Prüfen Sie daher zunächst Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene. Ministerien veröffentlichen in der Regel entsprechende Ausschreibungen. Es gibt aber auch Beispiele, in denen proaktive Förderanträge erfolgreich waren.

4 Tipps aus der Praxis

Aus dem Projekt hat Florian Walczak viele Erkenntnisse gewonnen. Die vier wichtigsten hat er für uns zusammengefasst:

1. Die Zielgruppe von Anfang an einbinden

In unserem ersten Roh-Entwurf an Bildungsmaterialien wurden Ausbildungsinhalte bereits sehr vereinfacht umgesetzt, waren aber dennoch in der Praxis noch zu komplex. Vieles, was für die Konzeptionierer*innen klar war, war für die Zielgruppe bei der Umsetzung doch erklärungsbedürftig. Also ging es in eine zweite Runde. Aber genau diese Extraschleifen gemeinsam mit der Zielgruppe sind notwendig und sollten in der Projektplanung mitgedacht werden. Die Praxismaterialien sollten von Beginn an gemeinsam mit der Zielgruppe entwickelt werden und einen schnellen Praxisabgleich erfahren. 

2. Expert*in für Leichte Sprache einplanen

Ich würde empfehlen, von Beginn an eine*n Expert*in für Leichte Sprache und Layout mit ins Boot zu holen, der*die die Materialien verständlich für die Zielgruppe aufbereitet. Eine externe Vergabe der umfänglichen redaktionellen Arbeit war bei dem entstandenen Materialvolumen schlichtweg am Ende nicht bezahlbar. Wir haben letztlich alles in mühevoller Feinarbeit selbst gemacht, wenn auch sehr gut beraten, unterstützt und ergänzt durch Dritte.

3. Digital denken

Die entstandenen Bildungsmaterialien sind vorrangig zum Ausdrucken gedacht. Aus heutiger Sicht – nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie und den vorliegenden Erfahrungen mit digitalen Tools – würde ich das Projekt bereits im Antrag digitaler aufbauen und beispielsweise auf einer Plattform umsetzen.  

4. Netzwerken

Jede*r, der*die etwas Ähnliches plant, sollet sich mit anderen Akteuren aus dem Bereich vernetzen. Es gibt inzwischen viele deutschlandweite Initiativen, die sich in vergleichbarer Weise mit der Qualifizierung von Menschen mit Behinderungen auseinandersetzen. Der Austausch von Erfahrungen und Wissen ist der größte Gewinn in jedem Projekt. 

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