10 Tipps, um Inklusion in einer Organisation zu verankern
Wer Inklusion in seiner Organisation fest verankern möchte, sollte Zeit und Geduld mitbringen sowie offen für Neues sein. Denn Inklusion ist ein Prozess. Denkweisen, Privilegien, Gewohnheiten und mehr werden neu verhandelt, wenn sich Menschen auf den Weg hin zu gleichberechtigter und selbstbestimmter Teilhabe machen. Hab Mut damit zu beginnen, denn es lohnt sich. Wir geben dir Tipps, wie du anfangen kannst.

Inhaltsverzeichnis
- 1. Bilde dich und deine Organisation fort
- 2. Bau ein Inklusions-Team auf
- 3. Fang im Zweifel lieber klein an
- 4. Schaff Orte der Begegnung
- 5. Sorg für mehr Barrierefreiheit
- 6. Etabliere eine offene und konstruktive Diskussions
kultur - 7. Bezieh die Menschen aktiv ein
- 8. Hol dir Hilfe
- 9. Mein es ernst
- 10. Nutze bewährte Werkzeuge für mehr Inklusion
1. Bilde dich und deine Organisation fort
Du findest Inklusion richtig und wichtig, fühlst dich aber bei Barrierefreiheit, dem weiten Inklusionsbegriff oder Partizipation nicht fit genug? Das macht gar nichts! Niemand weiß alles und Weiterbildung bedeutet auch Fortschritt.
Überlege dir, ob du erst einmal selbst in das Thema einsteigen oder ob du eine Fortbildung für deine ganze Organisation planen willst. Die Themenvielfalt ist groß. Schulungen, Workshop und Selbstlernkurse gibt es zum Beispiel zu barrierefreien Webseiten, Diversität, Partizipation, Einfacher, Leichter, gendersensibler und Gebärden-Sprache, Chancengerechtigkeit oder wie du mehr Menschen mit Behinderung im Bewerbungsprozess gewinnen kannst.
Denk auch an Schulungen zur Sensibilisierung: Welche Privilegien habe ich als weiße, nicht behinderte Person? Wie ist es als blinder Menschen zu leben? An welche Barrieren stoßen ältere Menschen oder Menschen mit wenig Geld? Es gibt zum Beispiel Lesungen, Erfahrungsworkshops oder Vorträge zu diesen Themen.
Empowerment-Seminare sind ein wichtiger Türöffner für mehr Inklusion. Wenn du Menschen für mehr Partizipation stärken willst, solltest du dies auf allen Hierarchie-Ebenen tun. Denn es kann für Führungskräfte genauso herausfordernd sein, sich auf Partizipation einzustellen, wie für Menschen, die es nicht gewohnt sind, offen ihre Meinung zu sagen.
Schulungen der Aktion Mensch
Die Aktion Mensch bietet kostenlose Online- und Vor-Ort-Schulungen an. Die Schulungen sind für alle Menschen offen, die sich für mehr Inklusion und Teilhabe einsetzen, zum Beispiel Sozialraum-Akteur*innen, ehrenamtlich Engagierte, kommunale Vertreter*innen, Netzwerk-Koordinator*innen und viele mehr. Schau auf unsere Internetseite mit aktuellen Schulungen.
Eigenständig lernen mit der digitalen Lernplattform
Auf der Lernplattform der Aktion Mensch findest du Selbstlernkurse zu Themen wie barrierefreie Kommunikation, Netzwerk-Arbeit und Prozessmanagement. Wenn du dir ein Nutzer*innen-Konto anlegst, steht dir das digitale Lernangebot kostenfrei zur Verfügung.
2. Bau ein Inklusions-Team auf

Niemand kann Inklusion allein umsetzen. Such dir Verbündete, die dem Thema offen oder positiv gegenüberstehen. Sprich offen über Ressourcen und wie verbindlich Verbündete in deinem Team mitarbeiten können. Selbst wenn Verbündete erst einmal eine aktive Mitarbeit ablehnen, behalte sie für einen späteren Einstieg im Hinterkopf.
Hast du ein Team zusammen, solltest du eure Zusammenarbeit verbindlich festlegen. Wie oft wollt ihr euch treffen? Welche Ziele habt ihr? Verstehen alle dasselbe, wenn ihr von Inklusion sprecht?
Optimalerweise solltest du für die drei Dimensionen Kultur, Struktur und Praxis eine zuständige Person festlegen. Mehr Informationen zu den verschiedenen Dimensionen von inklusiver Veränderung findest du unter „Index für Inklusion“ oder im Selbstlernkurs der Aktion Mensch „Gestaltung inklusiver Sozialräume“.
3. Fang im Zweifel lieber klein an
Inklusion zu verwirklichen ist ein andauernder Prozess. Du gehst also eher einen Marathon als einen Kurzstrecken-Lauf. Setz dir daher eher kleinere Ziele oder leg zumindest Meilensteine fest. Wichtig ist auch, realistische und erreichbare Ziele oder Meilensteine festzulegen. So kannst du über den laufenden Prozess Erfolge oder Zwischenziele feiern.
4. Schaff Orte der Begegnung

Haben Menschen mit und ohne Behinderung oder mit und ohne Zuwanderungsgeschichte regelmäßigen Kontakt miteinander, zum Beispiel im Verein, beim Sport oder am Arbeitsplatz können sie gegenseitige Vorbehalte und Ängste abbauen. Durch regelmäßigen Kontakt können sie sich besser kennenlernen und so mehr Verständnis füreinander entwickeln. Orte der Begegnung sind auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gemeinschaft daher sehr wichtig.
Begegnungsorte mit Aktion Mensch Förderung schaffen
Die Aktion Mensch fördert Projekte oder Orte, die inklusive Begegnungen ermöglichen. Erfahre mehr zur Aktion Mensch Förderung und erfolgreichen Projektbeispielen.
5. Sorg für mehr Barrierefreiheit
Barrieren verhindern, dass alle Menschen gleichberechtigt und selbstbestimmt teilhaben können. Nur wer Zugang hat, kann mitreden und mitbestimmen. Sorg daher für mehr Barrierefreiheit in deiner Organisation, deinem Verein oder deinem Unternehmen. Schon kleine Veränderungen können mehr Teilhabe bewirken. Denk dabei an alle Formen der Barrierefreiheit:
- Räumliche Barrierefreiheit
- Sprachlich-kommunikative Barrierefreiheit
- Technisch-digitale Barrierefreiheit
- Barrierefreiheit in den Köpfen
Barrierefreiheit ist ein Prozess. Geh dieses Thema daher in kleinen Schritten an, wenn du nur begrenzte Ressourcen hast. Frag bei den Mitgliedern deiner Gemeinschaft nach, ob sich Personen mit Wissen, Können oder Technik einbringen wollen.
Organisiere Empowerment-Seminare, um Menschen für mehr Teilhabe zu stärken. Denn sich nicht zu trauen oder mehr Teilhabe nicht zulassen zu können, sind auch Barrieren.
6. Etabliere eine offene und konstruktive Diskussionskultur

Wer inklusiver werden möchte, muss sich daran gewöhnen, dass alle Menschen mitreden können, wollen und werden. Das kann herausfordernd sein.
Legt daher gemeinsam fest, was ihr unter guter Kommunikation versteht. Lernt anderen Menschen aktiv zuzuhören, ihre Meinung zu respektieren und sich mit ungewohnten Ansichten auseinander zu setzen. Menschen, die eher zurückhaltend sind oder die es gewohnt sind, nicht gehört zu werden, können Empowerment-Schulungen helfen. Hol dir eine unabhängige Moderation, die bei schwierigen Diskussionen vermitteln kann.
7. Bezieh die Menschen aktiv ein
Ganz nach dem Motto „nichts über uns ohne uns“: Beteilige die Menschen aus deiner Organisation, deinem Verein, deinem Stadtteil an der Planung und Organisation des inklusiven Veränderungsprozesses. Lass sie mitbestimmen, welche Aktionen, Projekte oder Maßnahmen wann und wie umgesetzt werden sollen. Sprich nicht über, sondern mit den Menschen.
Partizipation dauert zwar länger, da Beteiligung oft erst erlernt, geübt und etabliert werden muss. Doch es lohnt sich diese Zeit zu investieren. Partizipativ erarbeitete Pläne, Projekte, Maßnahmen oder Veränderungen werden als gemeinsam erarbeitete Lösung besser akzeptiert.
Partizipation planen und umsetzen
Lies im Praxishandbuch Inklusion, was Partizipation bedeutet, wie du sie umsetzen kannst und welche Methoden der Beteiligung du nutzen kannst.
8. Hol dir Hilfe

Inklusiver zu werden, kann herausfordernd sein. Denn nicht alle Menschen sind sofort begeistert, Gewohnheiten zu ändern, Hierarchien zu verhandeln, neue Erkenntnisse oder andere Meinungen zu akzeptieren. Durch eine unabhängige Prozess- oder Transformationsbegleitung, kannst du beraten und unterstützt werden. Bei Fragen, Meinungsverschiedenheiten oder vermeintlichen Sackgassen kann ein externer Berater oder eine externe Beraterin einen unabhängigen Blick von außen auf den Veränderungsprozess werfen.
9. Mein es ernst
Menschen merken meist sehr schnell, wenn du nach Meinungen fragst, sie aber nicht berücksichtigst, wenn du Projekte oder Maßnahmen ankündigst und sie nicht konsequent umsetzt. Deswegen ist es wichtig, dass du es ernst meinst. Ansonsten sind Enttäuschung und Frust vorprogrammiert.
Denk in diesem Zusammenhang nochmals daran, vielleicht erst einmal kleinere Ziele anzugehen, um nicht gleich die ganz großen Erwartungen zu wecken. Wenn die Menschen aus deiner Organisation die Erfahrung machen, dass ihr Engagement einen echten Mehrwert hat, dass es sich also auch für sie lohnt mitzumachen, dann gewinnt dein Vorhaben an Glaubwürdigkeit und kann einen nachhaltigen Nutzen für alle haben.
10. Nutze bewährte Werkzeuge für mehr Inklusion
Praxishandbuch Inklusion
Im Modellprojekt Kommune Inklusiv haben sich fünf Kommunen auf den Weg hin zu einer inklusiven Gemeinschaft gemacht. Die Erfahrungen, Erkenntnisse und Tipps aus diesem Prozess hat die Aktion Mensch im Praxishandbuch Inklusion festgehalten. Das kostenlose Praxishandbuch lässt sich auch leicht von Organisationen, wie Vereinen, Initiativen oder Unternehmen anwenden.
Index für Inklusion
Der Index für Inklusion ist eine Art Werkzeug, um inklusiver zu werden. Schulen, Kitas, Vereine und inklusive Netzwerke wenden die Methode des Index für Inklusion an. Der Index lässt sich für unterschiedliche Organisation anpassen und anwenden.
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