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10 Tipps, um Inklusion in einer Organisation zu verankern

Wer Inklusion in seiner Organisation fest verankern möchte, sollte Zeit und Geduld mitbringen sowie offen für Neues sein. Denn Inklusion ist ein Prozess. Denkweisen, Privilegien, Gewohnheiten und mehr werden neu verhandelt, wenn sich Menschen auf den Weg hin zu gleichberechtigter und selbstbestimmter Teilhabe machen. Hab Mut damit zu beginnen, denn es lohnt sich. Wir geben dir Tipps, wie du anfangen kannst.

30. Juni 2026|6 Minuten Lesedauer|Conny Lopez
Drei Personen arbeiten in einem Besprechungsraum, eine Frau sitzt im Rollstuhl.

1. Bilde dich und deine Organisation fort 

Du findest Inklusion richtig und wichtig, fühlst dich aber bei Barrierefreiheit, dem weiten Inklusionsbegriff oder Partizipation nicht fit genug? Das macht gar nichts! Niemand weiß alles und Weiterbildung bedeutet auch Fortschritt. 

Überlege dir, ob du erst einmal selbst in das Thema einsteigen oder ob du eine Fortbildung für deine ganze Organisation planen willst. Die Themenvielfalt ist groß. Schulungen, Workshop und Selbstlern­kurse gibt es zum Beispiel zu barrierefreien Webseiten, Diversität, Partizipation, Einfacher, Leichter, gender­sensibler und Gebärden-Sprache, Chancen­gerechtigkeit oder wie du mehr Menschen mit Behinderung im Bewerbungs­prozess gewinnen kannst. 

Denk auch an Schulungen zur Sensibilisierung: Welche Privilegien habe ich als weiße, nicht behinderte Person? Wie ist es als blinder Menschen zu leben? An welche Barrieren stoßen ältere Menschen oder Menschen mit wenig Geld? Es gibt zum Beispiel Lesungen, Erfahrungs­workshops oder Vorträge zu diesen Themen.

Empowerment-Seminare sind ein wichtiger Türöffner für mehr Inklusion. Wenn du Menschen für mehr Partizipation stärken willst, solltest du dies auf allen Hierarchie-Ebenen tun. Denn es kann für Führungs­kräfte genauso herausfordernd sein, sich auf Partizipation einzustellen, wie für Menschen, die es nicht gewohnt sind, offen ihre Meinung zu sagen. 

Schulungen der Aktion Mensch

Die Aktion Mensch bietet kostenlose Online- und Vor-Ort-Schulungen an. Die Schulungen sind für alle Menschen offen, die sich für mehr Inklusion und Teilhabe einsetzen, zum Beispiel Sozialraum-Akteur*innen, ehrenamtlich Engagierte, kommunale Vertreter*innen, Netzwerk-Koordinator*innen und viele mehr. Schau auf unsere Internetseite mit aktuellen Schulungen. 

Eigenständig lernen mit der digitalen Lernplattform

Auf der Lern­plattform der Aktion Mensch findest du Selbstlern­kurse zu Themen wie barrierefreie Kommunikation, Netzwerk-Arbeit und Prozess­management. Wenn du dir ein Nutzer*innen-Konto anlegst, steht dir das digitale Lernangebot kostenfrei zur Verfügung.

2. Bau ein Inklusions-Team auf 

Niemand kann Inklusion allein umsetzen. Such dir Verbündete, die dem Thema offen oder positiv gegenüber­stehen. Sprich offen über Ressourcen und wie verbindlich Verbündete in deinem Team mitarbeiten können. Selbst wenn Verbündete erst einmal eine aktive Mitarbeit ablehnen, behalte sie für einen späteren Einstieg im Hinterkopf.

Hast du ein Team zusammen, solltest du eure Zusammenarbeit verbindlich festlegen. Wie oft wollt ihr euch treffen? Welche Ziele habt ihr? Verstehen alle dasselbe, wenn ihr von Inklusion sprecht?

Optimalerweise solltest du für die drei Dimensionen Kultur, Struktur und Praxis eine zuständige Person festlegen. Mehr Informationen zu den verschiedenen Dimensionen von inklusiver Veränderung findest du unter „Index für Inklusion“ oder im Selbstlernkurs der Aktion Mensch „Gestaltung inklusiver Sozialräume“.

3. Fang im Zweifel lieber klein an

Inklusion zu verwirklichen ist ein andauernder Prozess. Du gehst also eher einen Marathon als einen Kurzstrecken-Lauf. Setz dir daher eher kleinere Ziele oder leg zumindest Meilensteine fest. Wichtig ist auch, realistische und erreichbare Ziele oder Meilensteine festzulegen. So kannst du über den laufenden Prozess Erfolge oder Zwischenziele feiern.

4. Schaff Orte der Begegnung

Haben Menschen mit und ohne Behinderung oder mit und ohne Zuwanderungs­geschichte regelmäßigen Kontakt miteinander, zum Beispiel im Verein, beim Sport oder am Arbeits­platz können sie gegenseitige Vorbehalte und Ängste abbauen. Durch regelmäßigen Kontakt können sie sich besser kennen­lernen und so mehr Verständnis für­einander entwickeln. Orte der Begegnung sind auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gemeinschaft daher sehr wichtig. 

Begegnungsorte mit Aktion Mensch Förderung schaffen

Die Aktion Mensch fördert Projekte oder Orte, die inklusive Begegnungen ermöglichen. Erfahre mehr zur Aktion Mensch Förderung und erfolgreichen Projektbeispielen.

5. Sorg für mehr Barrierefreiheit

Barrieren verhindern, dass alle Menschen gleich­berechtigt und selbst­bestimmt teilhaben können. Nur wer Zugang hat, kann mit­reden und mit­bestimmen. Sorg daher für mehr Barriere­freiheit in deiner Organisation, deinem Verein oder deinem Unternehmen. Schon kleine Veränderungen können mehr Teilhabe bewirken. Denk dabei an alle Formen der Barriere­freiheit:

  • Räumliche Barriere­freiheit
  • Sprachlich-kommunikative Barriere­freiheit
  • Technisch-digitale Barriere­freiheit
  • Barriere­freiheit in den Köpfen

Barriere­freiheit ist ein Prozess. Geh dieses Thema daher in kleinen Schritten an, wenn du nur begrenzte Ressourcen hast. Frag bei den Mitgliedern deiner Gemeinschaft nach, ob sich Personen mit Wissen, Können oder Technik einbringen wollen.

Organisiere Empowerment-Seminare, um Menschen für mehr Teilhabe zu stärken. Denn sich nicht zu trauen oder mehr Teilhabe nicht zulassen zu können, sind auch Barrieren.

6. Etabliere eine offene und konstruktive Diskussions­kultur

Wer inklusiver werden möchte, muss sich daran gewöhnen, dass alle Menschen mitreden können, wollen und werden. Das kann herausfordernd sein. 

Legt daher gemeinsam fest, was ihr unter guter Kommunikation versteht. Lernt anderen Menschen aktiv zuzuhören, ihre Meinung zu respektieren und sich mit ungewohnten Ansichten auseinander zu setzen. Menschen, die eher zurückhaltend sind oder die es gewohnt sind, nicht gehört zu werden, können Empowerment-Schulungen helfen. Hol dir eine unabhängige Moderation, die bei schwierigen Diskussionen vermitteln kann.

7. Bezieh die Menschen aktiv ein

Ganz nach dem Motto „nichts über uns ohne uns“: Beteilige die Menschen aus deiner Organisation, deinem Verein, deinem Stadtteil an der Planung und Organisation des inklusiven Veränderungs­prozesses. Lass sie mit­bestimmen, welche Aktionen, Projekte oder Maßnahmen wann und wie umgesetzt werden sollen. Sprich nicht über, sondern mit den Menschen. 

Partizipation dauert zwar länger, da Beteiligung oft erst erlernt, geübt und etabliert werden muss. Doch es lohnt sich diese Zeit zu investieren. Partizipativ erarbeitete Pläne, Projekte, Maßnahmen oder Veränderungen werden als gemeinsam erarbeitete Lösung besser akzeptiert.

Partizipation planen und umsetzen

Lies im Praxis­handbuch Inklusion, was Partizipation bedeutet, wie du sie umsetzen kannst und welche Methoden der Beteiligung du nutzen kannst.

8. Hol dir Hilfe

Inklusiver zu werden, kann herausfordernd sein. Denn nicht alle Menschen sind sofort begeistert, Gewohn­heiten zu ändern, Hierarchien zu verhandeln, neue Erkenntnisse oder andere Meinungen zu akzeptieren. Durch eine unabhängige Prozess- oder Transformations­begleitung, kannst du beraten und unterstützt werden. Bei Fragen, Meinungs­verschieden­heiten oder vermeintlichen Sack­gassen kann ein externer Berater oder eine externe Beraterin einen unabhängigen Blick von außen auf den Veränderungs­prozess werfen.

9. Mein es ernst

Menschen merken meist sehr schnell, wenn du nach Meinungen fragst, sie aber nicht berücksichtigst, wenn du Projekte oder Maßnahmen ankündigst und sie nicht konsequent umsetzt. Deswegen ist es wichtig, dass du es ernst meinst. Ansonsten sind Enttäuschung und Frust vorprogrammiert. 

Denk in diesem Zusammenhang nochmals daran, vielleicht erst einmal kleinere Ziele anzugehen, um nicht gleich die ganz großen Erwartungen zu wecken. Wenn die Menschen aus deiner Organisation die Erfahrung machen, dass ihr Engagement einen echten Mehrwert hat, dass es sich also auch für sie lohnt mitzumachen, dann gewinnt dein Vorhaben an Glaubwürdigkeit und kann einen nachhaltigen Nutzen für alle haben. 

10. Nutze bewährte Werkzeuge für mehr Inklusion

Praxis­handbuch Inklusion

Im Modellprojekt Kommune Inklusiv haben sich fünf Kommunen auf den Weg hin zu einer inklusiven Gemeinschaft gemacht. Die Erfahrungen, Erkenntnisse und Tipps aus diesem Prozess hat die Aktion Mensch im Praxis­handbuch Inklusion festgehalten. Das kostenlose Praxis­handbuch lässt sich auch leicht von Organisationen, wie Vereinen, Initiativen oder Unternehmen anwenden.

Index für Inklusion

Der Index für Inklusion ist eine Art Werkzeug, um inklusiver zu werden. Schulen, Kitas, Vereine und inklusive Netzwerke wenden die Methode des Index für Inklusion an. Der Index lässt sich für unterschiedliche Organisation anpassen und anwenden.

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