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Schule finden für mein Kind mit Behinderung

Die Einschulung ist ein großer Schritt – für dein Kind und für dich. Wenn dein Kind eine Behinderung hat oder besondere Unterstützung braucht, kommen oft viele Fragen hinzu: Welche Schule ist die richtige? Welche Möglichkeiten gibt es? Und wer kann mich beraten? Du musst diese Entscheidung nicht allein treffen. Es gibt verschiedene Schulformen, Beratungsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten.

Ein Mädchen im Grundschulalter sitzt in einem Klassenraum und zeigt auf etwas.

Bedürfnisse des Kindes beachten 

„Drei Viertel der Eltern wünschen sich, dass ihr Kind mit Behinderung in das so genannte Gemeinsame Lernen kommt“, sagt Andreas Huckschlag vom Kölner Verein mittendrin e.V. „Aber entscheidend ist ja: Welche Qualität finde ich dort vor? Wenn das System an der allgemeinbildenden Schule schlecht ausgestattet ist und das der nahe gelegenen Förderschule gut, fällt die Wahl unter Umständen leicht.“ Wichtig ist vor allem, dass die Schule zu den Bedürfnissen deines Kindes passt. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Schulen für Kinder mit Behinderung.

Diese Schulformen kommen in Frage:

In manchen Bundesländern arbeiten Regelschulen und Förderschulen zusammen. An anderen Orten gibt es inklusive Schwerpunktschulen. Welche Möglichkeiten es in deiner Region gibt, erfährst du beim Schulamt oder einer Schul-Beratungsstelle vor Ort.

Verfahren zur Feststellung des Förderbedarfs 

Wenn dein Kind besondere Unterstützung in der Schule benötigt, wird das in speziellen Verfahren offiziell festgestellt. Sie heißen je nach Bundesland unterschiedlich – in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel AO-SF-Verfahren. Das ist die Abkürzung für „Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung“. Dabei wird geprüft, welche Unterstützung dein Kind braucht und welche Förderung sinnvoll ist. Wenn es einen Unterstützungsbedarf gibt, heißt das aber nicht automatisch, dass dein Kind eine Förderschule besuchen muss. Es kann ebenso gut auf eine Regelschule mit Gemeinsamem Lernen gehen. Ihr als Eltern habt für euer Kind die Wahlfreiheit, welche Schule für euer Kind mit Behinderung die richtige ist. 

Während des Verfahrens spielt deine Einschätzung als Elternteil eine große Rolle. Daher ist es gut, das Kind aufmerksam zu beobachten. „Nicht alle Förderschwerpunkte bestehen von Anfang an“, sagt Andreas Huckschlag. „Die Förderschwerpunkte Lernen oder auch sozial-emotionale Entwicklung werden meist erst im dritten Schuljahr offensichtlich. Dagegen zeigt sich der Förderschwerpunkt geistige Entwicklung meist schon früher.“ 

Beim Übergang zu den weiterführenden Schulen solltest du den Antrag möglichst schon in der dritten Klasse stellen. Denn das ganze Verfahren dauert mehrere Monate. Wenn während der vierten Klasse noch nicht klar ist, ob dein Kind einen Förderschwerpunkt hat, kann das die Anmeldung an einer weiterführenden Schule schwieriger machen. Experte Huckschlag rät deshalb, mit dem Antrag bis zur fünften Klasse zu warten, wenn sich der Bedarf erst in Klasse vier zeigt.

Wie finde ich heraus, welche Schulform zu meinem Kind passt?

Es gibt keine Schulform, die für alle Kinder mit Behinderung die beste ist. Entscheidend sind die individuellen Bedürfnisse deines Kindes. Hilfreiche Fragen, die du dir bei der Auswahl stellen kannst, sind zum Beispiel:

  • Welche Unterstützung braucht mein Kind im Unterricht?
  • Lernt mein Kind lieber in einer kleineren Gruppe?
  • Welche Hilfsmittel benötigt es?
  • Welche Therapien oder Förderangebote sind wichtig?
  • Wie selbstständig ist mein Kind im Schulalltag?
  • Wo fühlt sich mein Kind wohl?
  • Welche Wünsche hat mein Kind selbst?

Auch der Schulweg, Ganztagsangebote oder Freizeitmöglichkeiten können eine Rolle spielen.

Wichtig zu beachten: Beginne möglichst früh mit der Suche nach einer passenden Schule für dein Kind mit Behinderung. Idealerweise ein bis zwei Jahre vor der Einschulung. So bleibt genügend Zeit für Beratungsgespräche, Schulbesuche und notwendige Anträge. Stelle dabei möglichst viele Fragen. Und lass dich nicht unter Druck setzen. Die beste Schule ist nicht unbedingt die nächstgelegene oder die bekannteste – sondern die, in der dein Kind gut lernen, sich entwickeln und am Schulleben teilhaben kann.

Nimm Kontakt zu mehreren Schulen auf

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie an den Schulen gearbeitet wird, kannst du die Tage der offenen Tür nutzen. Dort gibt es auch Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen. Du siehst, ob das Gebäude barrierefrei ist, wie groß die Klassen sind und wie Lehrkräfte und Sonderpädagog*innen zusammenarbeiten. 

In einem persönlichen Gespräch kannst du herausfinden, ob die Schule schon Erfahrung mit ähnlichen Unterstützungs­bedarfen hat, wie sie dein Kind mitbringt. Stell ruhig viele Fragen. Die Schule sollte dir transparent erklären können, wie sie dein Kind unterstützt. So merkst du auch, ob Eltern hier ernst genommen und einbezogen werden. 

Fast überall in Deutschland gibt es spezielle Informations-Abende für die inklusive Beschulung an weiterführenden Schulen, zum Beispiel vom Schulpsychologischen Dienst. Hier bekommen die Eltern von Kindern mit Behinderung wertvolle Infos und weitere Kontakte. Frag am besten beim Schulamt nach, ob es solche Veranstaltungen auch in deiner Nähe gibt. 

Wo finde ich Unterstützung und Beratung?

Es gibt viele Stellen, die dich unabhängig beraten können. Hier eine Auswahl:

Welche Unterstützung kann mein Kind erhalten?

Je nach individuellem Bedarf können verschiedene Unterstützungs­angebote infrage kommen, zum Beispiel:

  • Schulassistenz oder Schulbegleitung
  • sonderpädagogische Förderung
  • Nachteilsausgleich bei Prüfungen und Leistungsnachweisen
  • technische Hilfsmittel
  • barrierefreie Unterrichtsmaterialien
  • Fahrdienste zur Schule

Welche Leistungen möglich sind, hängt vom Einzelfall und von den Regelungen in deinem Bundesland ab.

Was ist dir wichtig? 

 „Es ist immer eine Abwägung: In der einen Schule ist vielleicht die Förderung besser. Dafür liegt die andere näher am Elternhaus und die Kinder können sich nachmittags mit Schulfreund*innen verabreden“, erklärt Andreas Huckschlag von mittendrin e.V. „So muss also jeder und jede für sich selbst die Prioritäten setzen: Was ist wichtig, pädagogisch, therapeutisch, persönlich?“

Vielleicht bringt dieser Gedanke ein wenig Entspannung in deine Situation: Eine Schulwahl ist keine Entscheidung für immer. Wenn sich zeigt, dass eine Schule doch nicht gut zu deinem Kind passt, kann es unter bestimmten Voraussetzungen die Schule wechseln. Wichtig ist, dass dein Kind die Unterstützung erhält, die es braucht, um selbstbestimmt lernen und am Schulalltag teilhaben zu können.

Checkliste

So gehst du Schritt für Schritt vor:

Mehr Infos findest du hier: