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Ausbildung für Menschen mit Behinderung

In Zeiten des demografischen Wandels fragen sich Unternehmen, wie sie ihren wirtschaftlichen Erfolg sichern können. Eine Antwort: Indem sie gute Mitarbeiter langfristig an sich binden. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist es deshalb wichtig, auch die Potenziale von Menschen mit Behinderung oder Förderbedarf zu nutzen.

6 Minuten Lesedauer|von Aktion Mensch-Redaktion
Zwei Arbeitskolleginnen des inklusiven Cafés Isabella in Frankfurt  a. M. aus dem Servicebreich servieren von Gästen bestellte Menüs.

Ausbildung für Menschen mit Behinderung: Eine große Chance für Unternehmen

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden. Bei der Suche nach jungen und motivierten Arbeitskräften wird dabei häufig nicht daran gedacht, gezielt junge Menschen mit Behinderung anzusprechen, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Diese bringen häufig gute Abschlüsse mit und sind motiviert, sich langfristig, auch über eine Ausbildung hinaus, an einen Arbeitgeber zu binden.

Ausbildung: Infos für Jugendliche mit Behinderung

Für Jugendliche mit Behinderung ist es nicht so einfach, eine Ausbildung zu finden. Deswegen sollten sie sich gut vorbereiten. Dazu gibt es Beratungsangebote und Informationen von vielen verschiedenen Stellen. Auf dem Familienratgeber der Aktion Mensch finden alle, die auf der Suche nach einer Ausbildung sind, wertvolle Tipps und Adressen.

Aus Azubis werden loyale Mitarbeiter*innen

Zwei Männer arbeiten in einer Fahrradwerkstatt.

Unternehmen gewinnen durch ihr Engagement sehr loyale und motivierte Mitarbeiter*innen. Jugendliche mit Behinderungen oder Förderbedarfen binden sich erfahrungsgemäß gerne lange an ihren Ausbildungsbetrieb. Der Vorteil: Betriebe bilden für ihre eigenen Bedürfnisse aus und verlieren die jungen Fachkräfte nicht sofort wieder an andere Firmen. Die Berufsausbildung für Jugendliche sollten Betriebe inklusiv gestalten. Damit knüpfen sie an die gute Arbeit von allgemeinbildenden Schulen an, in denen junge Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen.

Vielen Betrieben fehlen aber Kontakte und die Erfahrung mit Angestellten mit Behinderung. So erklärt sich auch, dass Arbeitgeber*innen mitunter befürchten, dass Bewerber*innen nicht leistungsfähig genug und dem Berufsleben nicht gewachsen sind. Und sie scheuen sich erst recht davor diese auszubilden.

Auszubildende mit Behinderung: Beratung und Zuschüsse für Betriebe

Viele Betriebe kennen sich zu wenig mit barrierefreien Arbeitsplätzen aus. Um Arbeitgeber*innen aber auch potenziellen Auszubildenden Vorbehalte zu nehmen, ist es mitunter sinnvoll, sich vorab bei einem Praktikum kennenzulernen. So können Bewerber*innen zeigen, was sie können und herausfinden, ob eine Ausbildung das Richtige für sie ist. Damit Arbeitgeber*innen der Verantwortung als Ausbilder*innen gewachsen sind, gibt es viele Informations- und Unterstützungsangebote. Sie bekommen zum Beispiel diverse Zuschüsse, wenn sie Arbeits- oder Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderung schaffen.

Auszubildende mit Behinderung: Finanzielle Unterstützung

Junge Menschen, die ins Berufsleben starten, bekommen Unterstützung und Informationen von der Bundesagentur für Arbeit oder vom Jobcenter. Dabei geht es um Berufsberatung, Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung. Die Bundesagentur für Arbeit fördert finanziell auch Betriebe, die Menschen mit Behinderung oder Schwerbehinderung ausbilden oder beschäftigen.

Finanzielle Zuschüsse gibt es zum Beispiel für:

Die Einstiegs­qualifizierung

Eine Einstiegsqualifizierung (EQ) bietet Jugendlichen die Möglichkeit eines sechs- bis zwölfmonatigen bezahlten Betriebspraktikums. So können die Jugendlichen einen Beruf gut kennenlernen und im Unternehmen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Das erhöht die Chancen, vom Betrieb einen Ausbildungsplatz angeboten zu bekommen. Das Programm richtet sich an Jugendliche unter 25 Jahren, die schlechte Aussichten auf eine Ausbildung haben. Davon profitieren zum Beispiel auch junge Menschen, die lernbeeinträchtigt oder sozial benachteiligt sind. Werden sie nach dem Praktikum als Azubis übernommen, dürfen sie die Ausbildung sogar verkürzen. Arbeitsagentur oder Jobcenter erstatten Unternehmen einen Zuschuss zur Vergütung der Einstiegsqualifizierung von bis zu 243 Euro pro Monat (zuzüglich eines pauschalen Anteils an der Sozialversicherung).

Die Ausbildungs­vergütung

Für Auszubildende mit Behinderung bekommen Arbeitgeber*innen einen Zuschuss zur Ausbildungsvergütung. Voraussetzung dafür: Die Azubis können die Ausbildung sonst nicht erfolgreich durchlaufen. Die Zuschüsse betragen monatlich maximal 60 Prozent, bei schwerbehinderten Menschen 80 Prozent der monatlichen Ausbildungsvergütung. In Ausnahmefällen sind Zuschüsse in Höhe der gesamten Ausbildungsvergütung für das letzte Ausbildungsjahr möglich. Übernimmt der Betrieb die Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss, ist ein Eingliederungszuschuss in Höhe von bis zu 70 Prozent des Gehalts möglich. Diese Förderung gibt es für ein Jahr.

Die Assistierte Aus­bildung (AsA)

Das Ausbildungsmodell funktioniert eigentlich wie eine „normale“ duale Ausbildung. Die Azubis arbeiten im Betrieb und bekommen eine Ausbildungsvergütung. Außerdem besuchen sie die Berufsschule. Hinzu kommt aber nun ein dritter Partner: ein regionaler Bildungsträger. Er unterstützt Auszubildende und Arbeitgeber*innen mit individuellen Vorbereitungs- und Hilfsangeboten. Dazu gehören zum Beispiel: Bewerbungstrainings, Praktika in der Vorbereitungsphase, Nachhilfe und persönliche Beratung. Die Betriebe bekommen Hilfe bei der Verwaltung, Organisation und Durchführung der Ausbildung. Bei regelmäßigen Gesprächen zwischen allen, die an der Ausbildung beteiligt sind, werden mögliche Schwierigkeiten frühzeitig erkannt und Lösungen gefunden. Die Assistierte Ausbildung ist für Jugendliche gedacht, die Schwierigkeiten beim Übergang von der Schule in den Beruf haben. Dazu gehören zum Beispiel Menschen mit Behinderung, Lernbeeinträchtigte, sozial Benachteiligte, junge Alleinerziehende oder geduldete Ausländer*innen. Die Maßnahme wird komplett von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter getragen.

Beratung für Unternehmen, die Auszubildende mit Behinderung einstellen möchten

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