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Fachkräfte mit Behinderung einstellen

Menschen mit Behinderung können Unternehmen bereichern und wertvolle Teammitglieder sein. Aus Unwissenheit oder Unsicherheit bevorzugen Personaler*innen in vielen Fällen dennoch Bewerber*innen ohne erkennbare Einschränkungen. Dabei sind Vorbehalte unbegründet. Im Folgenden findest du die wichtigsten Tipps für das Einstellen von Fachkräften mit Behinderung.

8 Minuten Lesedauer|Aktion Mensch-Redaktion
Zwei Männer stehen an einem Gabelstapler in einer Lagerhalle.

Warum lohnt es sich für mich, Menschen mit Behinderung zu gewinnen?

Unter Menschen mit Behinderung gibt es im Vergleich mehr gut qualifizierte Fachkräfte als bei Menschen ohne Behinderung. Im Schnitt haben sie häufiger eine abgeschlossene Berufsausbildung als Menschen ohne Behinderung. Die Firma wird aber auch für andere gute Bewerber*innen interessanter. Denn die meisten erwarten von neuen Arbeitgeber*innen ein wertschätzendes, kollegiales Arbeitsumfeld.

Wenn jemand eine Behinderung hat, heißt das nicht, dass er oder sie weniger leistet als andere. Wer eine Behinderung hat, ist zwar in einer Hinsicht eingeschränkt, hat aber in vielen anderen Belangen vielleicht gerade darum besondere Stärken entwickelt.

Und vor allem: Behinderung ist nicht gleich Behinderung. Viele entstehen durch nicht sichtbare Erkrankungen innerer Organe wie zum Beispiel Diabetes. In einer Studie der Aktion Mensch zeigen sich knapp 80 Prozent der befragten Arbeitgeber*innen überzeugt: Zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gäbe es keine Leistungsunterschiede.

10 gute Gründe, Menschen mit Behinderung einzustellen

In unserer Broschüre „10 Gründe Menschen mit Behinderung zu beschäftigen“ haben wir für dich praktische Tipps und gute Beispiele zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zusammengestellt:

  • Gute Fachkräfte gewinnen
  • Mit Behinderung geht mehr, als man denkt
  • Von wegen unkündbar
  • Finanzielle Vorteile
  • Gutes Image fürs Unternehmen
  • Enge Bindung ans Unternehmen
  • Beratung ist immer zur Stelle
  • Vielfalt sorgt für neue Ideen
  • Barrierefreiheit im Unternehmen ist für alle gut
  • Profis in Sachen Teamarbeit 

Mit Glaubwürdigkeit überzeugen

Sei glaubwürdig in deiner Stellenausschreibung, wenn du Menschen mit Behinderung für dein Unternehmen gewinnen möchtest. Zeige, dass dir Inklusion am Arbeitsplatz wichtig ist. Präsentiere  dich als Betrieb, der die verschiedenen Bedürfnisse von Beschäftigten berücksichtigt. Achte auf Barrierefreiheit am Arbeitsplatz und unterstütze deine Mitarbeiter*innen mit Hilfsmitteln? Dann erwähne  das in der Ausschreibung. Oder spreche Menschen mit Schwerbehinderung oder anderen Diskriminierungsmerkmalen gezielt an. Achte bei Formulierungen immer darauf, niemanden auszuschließen.

Wie werden Unternehmen diverser?

Wie gestalten wir die Arbeitswelt so, dass sich Menschen mit Behinderungen angesprochen und nicht ausgeschlossen fühlen?

In dieser Folge unseres Podcasts “All Inclusive” spricht Ninia LaGrande mit Autorin und Coach Laura Gehlhaar. Laura berät Unternehmen und hält Vorträge über Inklusion und Barrierefreiheit. Ninia wollte von ihr wissen, wie Unternehmen sich auf glaubwürdige Weise für Inklusion einsetzen können.

Zur Podcast-Folge:

Mit Stellenanzeigen punkten

Die meisten gängigen Jobportale haben keine Suchfunktion, mit der sich Stellen für Menschen mit Behinderung herausfiltern lassen. Unternehmen, die das Potenzial von Bewerber*innen mit Behinderung erkannt haben und sie gezielt ansprechen möchten, sollten deshalb:

  • Anzeigen in Stellenbörsen für Menschen mit Behinderung schalten (z.B. My Handicap, Capjob, Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit, Integrationsverbund.de)
  • bei Stellenanzeigen Angaben zur Barrierefreiheit im Unternehmen machen
  • Stellenangebote auf der eigenen Website veröffentlichen und über das eigene Engagement für Menschen mit Behinderung berichten

Fachkräfte mit Behinderung suchen und finden

Noch etwas ist wichtig, damit Firmen die richtigen Bewerber*innen kennenlernen. Sie sollten gezielt Kontakt zu Menschen mit Behinderung aufbauen. So funktioniert die Suche:

  • Kooperiere mit Regelschulen, Förderschulen oder auch Werkstätten für Menschen mit Behinderung und biete dort zum Beispiel Praktika an.
  • Kooperiere mit Weiterbildungsanbietern, beispielsweise der örtlichen Kammer.
  • Pflege den Kontakt zu Berufsförderwerken.
  • Kontaktiere Inklusionsprojekte von Verbänden, Kammern und Vereinigungen (z.B. Inklusion gelingt  oder Unternehmensnetzwerk INKLUSION ).
  • Spreche Jobvermittler*innen an – beispielsweise bei Integrationsfachdiensten oder Berufsförderungswerken.
  • Spreche über dein Jobangebot mit Dozent*innen, Interessengruppen und Organisationen, die gute Kontakte zu Menschen mit Behinderung pflegen.
  • Nutze Beratungsangebote für Arbeitgeber:
    1. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit  unterstützt in allen Personalfragen und vermittelt geeignete Auszubildende oder Arbeitskräfte
    2. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)  hilft bei der Stellenbesetzung zum Beispiel mit dem Arbeitgeber-Service für schwerbehinderte Akademiker.

Auch die Ausbildung von Menschen mit Behinderung stellt für Unternehmen eine attraktive Möglichkeit dar, um die gesuchten Fachkräfte direkt auszubilden.

Wegweiser: Inklusion im Betrieb

Die Aktion Mensch hat in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung einen Wegweiser für Inklusion im Betrieb entwickelt. Er zeigt praxisnah, wie Unternehmen Menschen mit Behinderung erfolgreich rekrutieren, einarbeiten, ausbilden und langfristig beschäftigen.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Tipps für das Einstellen von Fachkräften mit Behinderung.

Gut vorbereitet ins Vorstellungsgespräch

In Unternehmen gibt es mitunter Unsicherheiten: Wie geht man richtig damit um, wenn Bewerber*innen eine Schwerbehinderung angegeben haben? Worauf ist im Bewerbungsgespräch zu achten? Welche Fragen können oder sollten den Bewerber*innen gestellt werden? Befangenheit gibt es manchmal auch beim zwischenmenschlichen Kontakt mit Menschen mit Behinderung. Hier hilft es, Dinge aktiv anzusprechen. Verunsichert es dich zum Beispiel, dass ein*e Bewerber*in wegen seiner Behinderung nicht die Hand geben kann? Dann frage, wie er/sie mit dieser Situation im Alltag umgeht. Grundsätzlich gilt aber: Wie im Vorstellungsgespräch mit Menschen ohne Behinderung sollte es auch bei Bewerber*innen mit Behinderung um fachliche Themen gehen. Entscheidend sollte sein, ob Qualifikationen, Erfahrung und Persönlichkeit des Bewerbers/der Bewerberin zur Firma passen. Darüber hinaus sind rechtliche Vorgaben eine wichtige Orientierung für das Vorstellungsgespräch.

Informationen zu verschiedenen Formen der Behinderung 

Du hast eine Fachkraft mit einer bestimmten Behinderung und möchtest mehr über diese Behinderung erfahren? Oder du möchtest gezielt mehr Menschen mit Behinderung einstellen und dich genauer über mögliche Auswirkung im Arbeitsleben informieren?

Wir haben Steckbriefe zusammengestellt. Diese geben dir einen Überblick über unterschiedliche Behinderungsformen.

Willkommen an Bord - Arbeitsplatzgestaltung und Unterstützung

Nach der erfolgreichen Mitarbeitersuche geht es darum, dass die neue Fachkraft sich auch tatsächlich gut am Arbeitsplatz einlebt. Vieles lässt sich dafür schon tun, sobald der Vertrag unterschrieben ist. Grundsätzlich hilft es, von Anfang an gute Kommunikationswege über das Thema Behinderung im Unternehmen zu schaffen. Vor und nach Arbeitsbeginn sollten immer wieder verschiedene Fragen besprochen werden, zum Beispiel:

  1. Wie soll im Unternehmen mit der Behinderung umgegangen werden? Möchte der/die Mitarbeiter*in darüber sprechen? Soll oder darf der/die Arbeitgeber*in die Kolleg*innen informieren?
  2. Braucht die neue Fachkraft Unterstützung am Arbeitsplatz, um arbeiten zu können?
  3. Welche Hilfsmittel und Unterstützungsleistungen müssen beim Integrationsfachdienst oder auch beim Arbeitsamt beantragt werden?
  4. Sollen beim Integrationsamt Anträge für Hilfsmittel gestellt werden?
  5. Hat der/die Mitarbeiter*in eine Arbeitsassistenz? Wie wird diese in die Arbeitsprozesse einbezogen und wie kann sie zur Geheimhaltung über betriebliche Belange verpflichtet werden?

Es hilft, wenn neue Mitarbeiter*innen von Anfang an feste Bezugspersonen und Ansprechpartner*innen haben. Dies können zum Beispiel Paten*innen sein, die vom ersten Arbeitstag an durchs Unternehmen und die ersten Wochen begleiten. Neue Mitarbeiter*innen sollen bereits am ersten Arbeitstag die Schwerbehindertenvertretung kennenlernen.

Weitere Informationen

Deine Ansprechpartnerin bei der Aktion Mensch

Dagmar Greskamp
Telefon: 0228 20 92 311
Fax: 0228 20 92 333
E-Mail: dagmar.greskamp@aktion-mensch.de

Lesetipp: Broschüre der Arbeitsagentur

Die ausführliche Broschüre „Schwerbehinderte Menschen im Betrieb“ der Arbeitsagentur gibt Arbeitgeber*innen einen guten Überblick von der Suche nach Arbeitskräften mit Behinderung bis zur Einstellung.

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