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Der Klassenrat

Probleme besprechen und Demokratie lernen

Im Klassenrat besprechen, diskutieren und entscheiden Kinder und Jugend­liche gemeinsam über selbst ausgewählte Themen, wie Zusammen­leben in der Klasse, Konflikte, Projekte, gemeinsame Aktivitäten und aktuelle Ereignisse in der Schule. Der Klassenrat als Beteiligungs- und Selbst­bestimmungs­organ ist mittlerweile in vielen Schulen fester Bestand­teil des Schul­konzepts. 

Schülerinnen und Schüler einer inklusiven Klasse sitzen zusammen in einem Stuhlkreis.

Soziale Kompetenzen und Demokratie stärken 

Der Klassenrat hat die Funktion einer Gesprächs-, Entscheidungs- und Reflexions­runde. Hier können Themen angesprochen werden, die den Kindern und Jugend­lichen wichtig sind. Im Klassen­rat können Probleme gelöst und dabei Konflikte oder Heraus­forderungen offen angesprochen werden. 

Der Klassenrat fördert soziale Kompetenzen und ist Teil der Demokratie­bildung. Kinder und Jugendliche lernen respekt­voll miteinander umzugehen, Probleme und Kritik konstruktiv anzusprechen sowie gemeinschaftlich nach Lösungen zu suchen. Sie erleben sich als selbst­wirksam gegenüber Schule und Erwachsenen, wenn ihre Entscheidungen reale Konsequenzen für die Klassen­gemeinschaft haben. Und sie achten stärker darauf, ob ihre gemeinsam aus­gehandelten Lösungen von allen eingehalten werden. 

Klassenrat einführen

Wollen Schulen den Klassen­rat in das Konzept der Schule integrieren, ist es hilfreich, an Fort­bildungen teilzunehmen und in bereits bestehenden Klassen­räten zu hospitieren. Verschiedene Bundes­länder, Vereine zur Demokratie­bildung und Klassenrat-Expert*innen bieten entsprechend Fort­bildungen an. 

Bedeutung des Klassenrates steigt 

Bislang ist der Klassenrat in fünf Bundes­ländern für alle Schul­formen verbindlich im Stunden­plan verankert: Bremen, Rheinland-Pfalz, Thüringen, das Saarland und Berlin. Berlin geht noch einen Schritt weiter: Dort haben Klassen das Recht, innerhalb des Unterrichts mindestens einmal pro Monat für eine Stunde zu einem Klassen­rat zusammen­zukommen. Mit Zustimmung der Schule auch öfter.

Klassenrat-Buch oder -Postbox 

Um Themen für die Klassenrats-Sitzung festzuhalten, kann ein Klassenrat-Buch oder eine Klassenrat-Postbox genutzt werden. Hat ein Kind ein Problem oder eine Idee, steht eine gemeinsame Aktion oder Entscheidung an, dann schreibt es das Thema in das Buch oder wirft eine Notiz in die Postbox, mit Namen, Datum und der Beschreibung des Themas oder des Problems. Einmal in der Woche trifft sich dann die Klasse zur Klassenrat-Sitzung und bespricht, was sich im Laufe der Woche angesammelt hat.

Die Klassenrat-Sitzung

An einem bestimmten Tag kommen Schüler*innen einer Klasse und deren Klassen-Lehrer oder -Lehrerin zur Klassenrat-Sitzung zusammen. Die Sitzung sollte einen vorher bestimmten Rahmen haben und nach Regeln ablaufen. Zum Beispiel:

Es kann vorkommen, dass eine Entscheidung nicht funktioniert. Zum Beispiel wenn sich zeigt, dass ein Problem nach einigen Wochen wieder auftaucht. Auch das gehört zum Lern­prozess: Dann muss das Problem nochmals besprochen und eine andere Lösung gefunden werden.

Klassenrat-Rollen 

  • Der oder die Vorsitzende führt die Tagesordnung, leitet die Diskussion und bemüht sich darum, dass die Sitzung zu Ergebnissen führt.
  • Der Regelwächter oder die Regelwächterin beobachtet die Sitzung genau und weist darauf hin, wenn Regeln verletzt werden.
  • Der Protokollant oder die Protokollantin schreibt alle Beschlüsse auf, die in der Sitzung gefasst werden.
  • Eine Person achtet auf die Zeit. Sie versucht im Blick zu behalten, dass alle Punkte der Tages­ordnung besprochen werden können.
  • Ratsmitglieder sind alle Schüler*innen der Klasse und die Klassen­lehrerin oder der Klassen­lehrer. Alle beteiligen sich aktiv an der Sitzung, bringen ihre Sicht­weisen ein und tragen dazu bei, dass Lösungen gefunden werden.

Klassenrat-Regeln 

Bevor ein Klassenrat starten kann, muss sich die Klasse zusammen auf feste Regeln, Rechte, Pflichten, Aufgaben und Ämter einigen. Regeln könnten zum Beispiel folgende sein: ausreden lassen, aktiv zuhören, andere ernst nehmen, Meinungen anderer respektieren. 

Der Klassenrat sollte ein eigen­verantwortliches Format der Schüler*innen sein. Lehrer*innen schreiten nur dann ein, wenn sie es müssen. Klassen­lehrer oder Klassen­lehrerin haben wie alle anderen Stimm­recht im Klassen­rat. Sie dürfen nur dann sprechen, wenn der oder die Vorsitzende ihnen das Wort erteilt hat.

Der Klassenrat darf nicht für Abrechnungen oder Bestrafungen missbraucht werden, zum Beispiel indem eine Person beschimpft, herab­gewürdigt oder pauschal kritisiert wird. Probleme sollten immer konstruktiv und lösungs­orientiert angesprochen werden.

Unterschiedliche Formen des Klassenrats

Der Klassenrat kann als Ideen-Forum, Austausch-Format oder zur partizipativen Planung genutzt werden. Beispiels­weise kann sich der Klassen­rat über Lern­inhalte und die besten Methoden zu lernen besprechen. Aktionen für Projekt­wochen können vorgeschlagen werden. Auch allgemeine Fragen oder Regeln können diskutiert werden, wie zum Beispiel: Darf ich mir einfach so eine Pause nehmen oder muss ich vorher fragen? 

Klassenrat als Forum zur Konfliktlösung

Wenn Schüler*innen über Konflikte sprechen, können auch mal unter­schiedliche Perspektiven aufeinander­prallen. Manchmal wird aber auch sehr schnell klar, dass banale Dinge, wie Miss­verständnisse, schlechte Laune oder unter­schiedliche Bedürfnisse Gründe für Konflikte sind. 

Durch die Diskussion bekommen Kinder und Jugend­liche eine andere Perspektive auf das Problem. Sie entwickeln die Fähigkeit, sich in andere hinein­zuversetzen, deren Gründe und Gedanken nachzuvollziehen und fühlen mit. 

Es ist wichtig, dass die ganze Klasse bei der Diskussion dabei ist. Dadurch sehen alle, dass es nicht schlimm ist, über Probleme, Gefühle oder Fehler zu sprechen. Jeder Mensch hat sie – man kann darüber reden und Probleme gemeinsam lösen. 

Konflikte gehören dazu

Wenn Kinder (und Menschen allgemein) zusammen­kommen, dann werden immer Konflikte entstehen. Diese Probleme sind da und sollten angesprochen, ernst­genommen und diskutiert werden. Sie zu verschweigen oder auszublenden hilft niemandem.

Weitere Information zum Klassenrat 

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