Inklusives Wohnen
Zahlen, Daten, Fakten
Wie wohnen Menschen mit Behinderung in Deutschland? Und wie weit ist das Land beim barrierefreien und inklusiven Wohnen? Wir geben einen Überblick über die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung.

Wie wohnen Menschen mit Behinderung in Deutschland? Und wie weit ist das Land beim barrierefreien und inklusiven Wohnen? Wir geben einen Überblick über die Wohnsituation von Menschen mit Behinderung.

Im Jahr 2024 erhielten 495.722 erwachsene Menschen mit Behinderung in Deutschland Assistenzleistungen. Die Daten stammen von der BAGüS. Diese Personen leben völlig unterschiedlich: In der eigenen Wohnung, in Wohngemeinschaften oder in Pflegefamilien. Je nach Schwere und Art der Behinderung unterstützen Persönliche Assistent*innen Menschen mit Behinderung bis zu 24 Stunden am Tag. Manche benötigen nur wenige Stunden Begleitung im Alltag, andere sind auf mehr Assistenz angewiesen, etwa bei Körperpflege, Einkauf oder Behördengängen. So machen Assistenzleistungen ein selbstständiges Leben jenseits besonderer Wohnformen möglich.
lebten im Jahr 2024 in sogenannten besonderen Wohnformen – früher bekannt als stationäre Einrichtungen oder Wohnheime. Die neue Bezeichnung soll verdeutlichen, dass auch bei umfassender Betreuung die Selbstbestimmung der Bewohner*innen im Mittelpunkt steht.
Im Vergleich zu 2023 sank die Zahl der Menschen in besonderen Wohnformen leicht um 0,5 Prozent. Ein Großteil der Bewohner*innen dieser Wohnform (64 Prozent) lebt mit einer geistigen Behinderung.
nutzten im Jahr 2024 Assistenzleistungen außerhalb besonderer Wohnformen, zum Beispiel in der eigenen Wohnung oder in einer Wohngemeinschaft. Das bedeutet einen Anstieg von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es gibt also einen Trend weg vom Wohnen in besonderen Wohnformen hin zum selbstständigen Wohnen in den eigenen vier Wänden. Das kommt dem Wunsch von Menschen mit Behinderung entgegen, nicht stationär, sondern möglichst selbstständig zu wohnen.

Die Ambulantisierungsquote beschreibt den Anteil der Menschen mit Behinderung, die ambulant (zum Beispiel in der eigenen Wohnung) statt stationär wohnen. Ambulante Wohnformen bieten mehr Selbstbestimmung und Teilhabe. 2024 lag die Quote nach Angaben der BAGüS bundesweit bei knapp 62 Prozent – ein leichter Anstieg von etwa zwei Prozent gegenüber dem Jahr 2023.
Die Quote unterscheidet sich jedoch stark zwischen den Bundesländern. Hier einige Beispiele aus dem Jahr 2023:
In Deutschland leben rund 7,9 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Viele von ihnen benötigen barrierefreien Wohnraum, unabhängig davon, ob sie Assistenzleistungen in Anspruch nehmen oder nicht.
Laut einer Untersuchung des Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag der KfW fehlen in Deutschland im Jahr 2025 rund 2,1 Millionen Wohnungen, die barrierearm sind. Bis 2035 rechnet das Institut damit, dass es etwa 3,7 Millionen Haushalte mit eingeschränkter Mobilität geben wird – vor allem wegen des Älterwerdens der Bevölkerung. Laut Statistischem Bundesamt sind insgesamt weniger als zwei Prozent der Wohnungen in Deutschland barrierefrei, altersgerecht oder barrierearm ausgestattet.

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) im Jahr 2009 hat sich Deutschland verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um
Trotz des bestehenden Mangels an Wohnangeboten gibt es Initiativen für mehr Vielfalt auf dem Wohnungsmarkt für Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel:
Diese Modelle stärken die Selbstbestimmung und bieten Alternativen zu stationären Einrichtungen. Allerdings sind solche Angebote regional ungleich verteilt und oft nicht in ausreichender Zahl vorhanden.

Damit Menschen mit Behinderung gleichberechtigt wohnen können, müssen Bund, Länder, Kommunen gemeinsam daran arbeiten – und dabei Menschen mit Behinderung als Expert*innen in eigener Sache in die Planungen einbeziehen. Die zentralen Handlungsfelder:
lebten im Jahr 2024 in Pflegefamilien, das ist ein Plus von knapp 5 Prozent gegenüber 2023. Bei dieser Wohnform leben Menschen mit Behinderung in einer sogenannten Gast- oder Pflegefamilie. Hier werden sie von den Familienmitgliedern selbst und häufig auch zusätzlich von Fachkräften im Alltag unterstützt. Oft entscheiden sich etwa Menschen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Krankheit für eine Pflegefamilie, wenn sie nicht in einer besonderen Wohnform leben wollen, sich das Leben in der eigenen Wohnung aber (noch) nicht zutrauen.
Die Entwicklung in allen Bundesländern zeigt aber insgesamt einen Trend zu mehr ambulanten Wohnformen. Die Zahl der stationären Wohnplätze nimmt langsam ab, die der ambulanten Plätze steigt langsam an.
Niemand soll gezwungen sein, in einer besonderen Wohnform zu leben, wenn er oder sie das nicht möchte. Vom Erreichen dieser Ziele ist Deutschland jedoch noch weit entfernt. Denn es fehlen unter anderem barrierefreie Wohnungen und überall verfügbare ambulante Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

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Barrierefrei, rollstuhlgerecht, behindertengerecht – die Begrifflichkeiten auf dem Wohnungsmarkt sind vielfältig. Wir erklären, was hinter den Bezeichnungen steckt.