
Rollstuhlgerechtes Familienleben
Seit einem Badeunfall 2016 ist Micha querschnittsgelähmt. Mit seiner Frau Britta und seiner Tochter Karlotta lebt er in Tübingen in einer eigenen Wohnung. Beide haben die Wohnung nach dem Prinzip des universellen Designs modern und ansprechend eingerichtet. Micha kann sich darin mit seinem Rollstuhl frei bewegen und selbstständig leben.
Universal Design
Für Britta und Micha war klar, dass sie nach Michas Reha möglichst viel Normalität in ihren Alltag bringen wollten. Dazu zählte für sie auch eine schöne, modern eingerichtete Wohnung.
Gelungen ist den beiden das mit dem Ansatz des „Universal Design“: Die Sachen sind so gestaltet, dass jede*r sie nutzen kann. Die Vorteile vom Universal Design sind für Britta offensichtlich: „Alles, was ein Rollstuhlfahrer nutzen kann, macht’s auch uns leichter.“ Weil es weniger Schwellen gibt, stolpert man weniger. Weil der Rollstuhl mehr Platz zum Wenden benötigt, hat man mehr Raum. Es ist weniger beengt, dadurch stößt man sich weniger.
Mir fällt nichts ein, was an rollstuhlgerechtem oder barrierefreiem Wohnen oder grundsätzlich in einer barrierefreien Welt für Fußgänger negativ ausfallen würde.
Britta
Michas und Brittas Tipps
Da Micha im Rollstuhl sitzt, bewegt er sich einerseits ganz anders als Britta durch die Wohnung. Andererseits ist er dadurch auch nicht so groß: Er kommt nicht überall heran und sein Sichtfeld ist wesentlich tiefer. Zudem hat Micha eine eingeschränkte Handfunktion. Seine rechte Hand ist gelähmt, mit der linken kann er nicht so fest zugreifen.
Was Micha im Alltag hilft:
In der Küche
- Die Mischbatterie ist oben am Hahn angebracht. (Im Video ab Minute 0:43 zu sehen.)
- Die Griffe der Küchenschränke sind sehr breit. Da kann Micha sich gut einhaken.
- Da Micha und Britta die Küche vom Vormieter übernommen haben, ist sie leider nicht unterfahrbar. Der neu gekaufte Thermomix steht allerdings auf einem Tisch mit optimaler Höhe. So kann auch Micha Essen zubereiten und in den „Topf“ schauen.
- Der Esstisch hat genügend Beinfreiheit, sodass sich Micha nicht die Knie anschlägt.
- Um in der Küche helfen zu können, hat Micha ein spezielles Messer: Dieses schnallt er sich um die Finger. (Im Video ab Minute 3:42 zu sehen.)
Im Wohnbereich
- Das Sofa hat längere Beine als gewöhnlich. So hat es die gleiche Höhe wie Michas Rollstuhl und er kann bequem vom Rollstuhl aus aufs Sofa rutschen.
- Die Bilder hängen auf unterschiedlichen Höhen, damit auch Micha sich darüber freuen kann.
- Um auf den Balkon zu kommen, gibt es bei einer der beiden Türen eine kleine Rampe. Darüber kann Micha den Balkon erreichen.
- Schiebetüren helfen Micha, da er dadurch viel Platz zum Rollern gewinnt.
Im Bad
- Der Spiegel hängt tiefer.
- Die Dusche ist ohne Schwellen erreichbar. Allerdings muss Britta nach dem Duschen daran denken, dass sie den Duschkopf wieder nach unten schiebt.
- Der Mülleimer im Badezimmer lässt sich über Gesten öffnen.
Im Schlafzimmer
- Obwohl Micha ein Pflegebett hat, sieht man es dem Bett nicht an: Micha und Britta haben das Bett außenherum neu bauen lassen. So muss Micha nicht auf den Komfort des Pflegebetts verzichten, kann aber mit Britta in einem Bett schlafen.
- Micha nutzt ein langes Seitenschläferkissen: Wenn er sich im Schlaf dreht, rutscht er nicht vom Kissen herunter.
- Für einen stabilen Sitz hat seine Matratze eine kleine Verstärkung an der Seite. In der Mitte ist sie schön weich.
- Im Kleiderschrank nutzt Micha die unteren Bereiche, Britta die oberen.
Überall
- Rutschbrett: Um von seinem Rollstuhl aus alleine aufs Sofa oder ins Bett zu kommen, nutzt Micha ein Rutschbrett. Im Video ab Minute 9:42 zeigt er, wie das geht.
Wohnen wie Micha und Britta: So klappt es
Micha und Britta hatten Glück bei der Wohnungssuche: Über einen Bekannten haben sie eine barrierefreie Wohnung bekommen, in der schon viele Dinge so eingerichtet waren, dass Micha sie gut nutzen kann.
Wie finde ich eine barrierefreie Wohnung?
In Deutschland gibt es zu wenig barrierefreie Wohnungen. Für Menschen mit Behinderung kann es daher eine große Herausforderung sein, eine Wohnung zu finden, die zu ihren Bedürfnissen passt.
Bei der Suche nach einer passenden, barrierefreien Wohnung hast du folgende Optionen:
- Immobilienbörsen
- Inklusive Wohnungsbörsen, wie WOHN:SINN
- Sozialverbände
- Kommunale Wohnungsgesellschaften
- Wohnungsbaugenossenschaften
Wie kann ich meine Wohnung anpassen?
Manchmal helfen schon bestimmte Anpassungen in der eigenen Wohnung, um diese barrierefreier zu machen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Micha und Britta im Video zeigen.
Wichtig ist dabei, dass bei bestimmten Anpassungen in Mietwohnungen der Vermieter informiert werden muss. Außerdem gibt es für viele Hilfsmittel finanzielle Unterstützung.
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