Arbeiten in Inklusionsunternehmen
Inklusionsunternehmen in Deutschland beschäftigen besonders viele Menschen mit Behinderung. Gleichzeitig sind es ganz normale Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarkts. Wir erklären Dir, was genau ein Inklusionsunternehmen ist und wer dort arbeiten kann. Außerdem erfährst du, wie du dort einen Job finden kannst.

Was sind Inklusionsunternehmen?
Inklusionsunternehmen sind im Grunde Firmen wie alle anderen auch. Sie wirtschaften nach den üblichen Regeln des Marktes. Das Besondere: In Inklusionsunternehmen haben 30 bis 50 Prozent der Mitarbeiter*innen eine Schwerbehinderung. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten hier Hand in Hand zusammen. Alle werden nach den gängigen Regeln des Arbeits- und Tarifrechts angestellt.
Als Ausgleich für den besonderen Aufwand und die Beschäftigung vieler Menschen mit Behinderung erhalten Inklusionsunternehmen Förderung für Investitionen und Personalkosten durch die Inklusionsämter der Bundesländer. Die Mittel stammen aus der Ausgleichsabgabe, die andere Unternehmen zahlen müssen, die weniger als die vorgeschriebenen fünf Prozent schwerbehinderte Mitarbeiter*innen beschäftigen. Auch die Aktion Mensch fördert den Auf- und Ausbau von Inklusionsunternehmen. Denn sie sind ein wichtiger Baustein, um mehr gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erreichen.
Förderung der Aktion Mensch
Die Aktion Mensch hat gleich zwei Förderprogramme zur Unterstützung von Inklusionsunternehmen. Die Förderprogramme konzentrieren sich auf die Strukturentwicklung und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Inklusionsunternehmen.
Welche Jobs gibt es in Inklusionsunternehmen?

Inklusionsunternehmen gibt es heute in ganz unterschiedlichen Branchen: von Industrieunternehmen über Dienstleistungsfirmen bis zu Handel, Handwerk, Gaststättengewerbe und IT-Unternehmen.
Klassische Beispiele für Inklusionsunternehmen sind Kantinen und Cateringbetriebe, Einzelhandelsunternehmen wie die CAP-Märkte und Hotellerie wie beispielsweise die Embrace -Hotels.
Ebenso vielfältig wie die Palette an Inklusionsunternehmen ist auch die Auswahl an Jobs, die man dort finden kann: Während Firmen wie das IT-Unternehmen auticon vom Potenzial von Menschen mit Autismus im Bereich Software-Programmierung profitiert, bieten zum Beispiel Wäschereien, Reinigungsdienste oder Unternehmen für Garten- und Landschaftsbau Arbeitsmöglichkeiten für Menschen, die lieber praktisch anpacken wollen.
Beispiele für Inklusionsunternehmen
Hier findest du eine Auswahl von Videos und kurzen Beschreibungen von Inklusionsunternehmen, die von der Aktion Mensch gefördert werden:
- Beim I-Betrieb der Lebenshilfe Grünstadt-Eisenberg sorgt ein inklusives Team für den Einbau von Küchen oder den Aufbau von Möbeln und Regalsystemen.
- Das Café „Tom am Platz“ in Köln bietet Menschen mit Behinderung Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
- Im Unternehmen Pro Integration gGmbH arbeitet ein inklusives Team im Bereich Lager und Logistik.
- In der Rösterei Tatico in Brakel dreht sich alles um Kaffee aus Mittelamerika.
- Auf dem Riegelbrunnerhof bei Münchweiler stellen Menschen mit und ohne Behinderung hochwertigen Imkereibedarf her.
- Auch die Patisserie Isabella in Frankfurt/Main ist ein Inklusionsunternehmen.
Erfahrung aus der Praxis
Sarah Jud arbeitet im Inklusionsunternehmen ID-Markt in Waiblingen-Beinstein. In diesem Drogeriegeschäft sind sechs Mitarbeiter*innen beschäftigt, drei davon mit Behinderung. Über ihren Job sagt sie:
„Ich liebe es, hier zu arbeiten und fühle mich total wohl. Im ID-Markt räume ich die Regale ein, berate Kundinnen und Kunden und betreue die Post-Station. Das mache ich alles selbstständig. Weil ich eine Lernschwäche habe, schaut bei manchen Sachen nachher nochmal jemand, ob alles richtig ist. Nach der Schule habe ich zwei Jahre Berufsvorbereitung gemacht und dann verschiedene Praktika. Manchmal bin ich dort gemobbt worden, weil ich Übergewicht und auch gesundheitliche Probleme habe. Das war schlimm, aber ist Gott sei Dank jetzt vorbei.“
Wie kann ich in einem Inklusionsunternehmen arbeiten?

Grundsätzlich stehen Inklusionsunternehmen allen Arbeitssuchenden offen. Ob eine Bewerbung für dich in Frage kommt, hängt davon ab, ob du das Wissen, die Erfahrung oder Kenntnisse für die jeweilige Stelle mitbringst. Es gibt eine breite Palette von Jobs für Menschen mit und ohne Behinderung in Inklusionsunternehmen: Von Helfertätigkeiten über Ausbildungsmöglichkeiten bis zu Fach- und Führungspositionen.
Inklusionsbetriebe richten sich ausdrücklich an schwerbehinderte Menschen, die Schwierigkeiten haben, Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Zum Beispiel weil sie aufgrund schwerer geistiger, seelischer, Körper-, Sinnes- oder Mehrfachbehinderungen oder einer psychischen Krankheit benachteiligt sind. Insbesondere für Menschen mit einer Lernbehinderung, die von einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln möchten, bieten Inklusionsunternehmen gute Möglichkeiten.
In der Regel kannst du dich ganz normal mit einer (digitalen) Bewerbungsmappe auf ausgeschriebene Stellen oder auch initiativ bewerben. Die Bewerbungs- und Einstellungsprozesse unterscheiden sich nicht von anderen Unternehmen.
Wo finde ich freie Jobs in Inklusionsunternehmen?
Freie Arbeitsplätze in Inklusionsunternehmen kannst du finden wie alle anderen Jobs auch: Also über Anzeigen, übliche Job-Portale oder die Agentur für Arbeit. Es gibt auch spezielle Job-Börsen für Menschen mit Behinderung, zum Beispiel Stellenangebote der Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen oder My Ability . Wenn du schauen möchtest, welche Inklusionsunternehmen es in deiner Umgebung gibt, kannst du die Landkarte der Arbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen nutzen. Einen guten Überblick über Job-Börsen für Menschen mit Behinderung im Internet bietet das Portal Rehadat Talent Plus.
Viele Menschen mit Behinderung haben jedoch nach wie vor Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden. Deshalb kann es sinnvoll sein, Beratungsangebote vom Integrationsfachdienst in deiner Nähe zu nutzen. Integrationsfachdienste helfen Menschen mit Behinderungen bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Du kannst auch nähere Auskünfte zu Inklusionsunternehmen geben. Auch die Agentur für Arbeit kann weiterhelfen.
Weitere wichtige Infos rund um Ämter und Beratungsstellen findest du im Familienratgeber der Aktion Mensch.
Das könnte dich auch interessieren

10 Tipps, um Organisationen inklusiver zu machen
Du willst deine Organisation, deinen Verein oder deine Initiative inklusiver machen? Mit unseren 10 Tipps kannst du damit starten. Es lohnt sich.

Arbeitsassistenz am Arbeitsplatz
Für die GIZ bereist Helle Deertz die Welt und berät rund um die Themen Inklusion und Teilhabe.

Arbeiten mit Arbeitsassistenz
Was ist Arbeitsassistenz und wie kann man sie beantragen. Tipps und Infos zur Arbeitsassistenz für Menschen mit Behinderung.