
Arbeitsassistenz am Arbeitsplatz: Helle Deertz ist für die GIZ in der ganzen Welt unterwegs
Inklusion weltweit vorantreiben - das ist das Ziel von Beraterin Helle Deertz. Für die GIZ bereist sie dazu die Welt und berät rund um die Themen Inklusion und Teilhabe.
„Hier in Bonn bin ich die einzige Mitarbeiterin, die mit einer persönlichen 24-Stunden-Assistenz arbeitet“, erzählt Helle Deertz, die seit 2015 im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet. Ehrlich gesagt wundert sie das ein bisschen, denn eigentlich sollte Inklusion im Arbeitsleben doch etwas völlig Normales sein. Helle Deertz hat seit ihrer Geburt eine infantile Zerebralparese mit Tetraspastik. Sie sitzt im Rollstuhl und hat Assistenz rund um die Uhr.
Für die GIZ berät sie Projekte zur Inklusion in aller Welt. Beauftragt und finanziert wird das Globalvorhaben Inklusion von Menschen mit Behinderung vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Dienstreisen, auch die nach Berlin, machen ihr große Freude.
Inklusion am Arbeitsplatz und in der Arbeit selbst
Ihr Projekt in Burkina Faso betreut sie vom heimischen Rechner aus. „Das ist natürlich etwas ganz anderes als einige Wochen vor Ort zu sein; aber im Moment geht es ja nicht anders.“ Bei Kolleg*innen in Bonn und Projekt-Partner*innen vor Ort bemerkt sie oft dieses kleine Erstaunen: Oh, Helle sitzt im Rollstuhl, hat eine schwere Einschränkung in der Bewegung, und trotzdem füllt sie diesen Job zu 100 Prozent aus. „Diese Scheu verschwindet meistens recht bald. Dann geht es nur noch um Inhalte.“ Auch an ihre Arbeits-Assistenz im Büro, die immer dabei ist, haben sich die Kolleginnen und Kollegen schnell gewöhnt. Sie gehen ganz selbstverständlich mit dieser Situation um.
Persönliche Assistenz ermöglicht den Einsatz für internationale Inklusion

Heute ist Sylvie Toumonzoni mit ihr unterwegs. Sie ist eine von acht persönlichen Assistent*innen, die sich zur Pflege und Arbeits-Unterstützung bei Helle Deertz abwechseln und auch in ihrer Wohnung in einem Assistenten-Zimmer übernachten. „Wenn jemand keine Pflege-Assistenz hat, kommt die Arbeits-Assistenz nur für ein paar Stunden mit ins Büro oder unterstützt im Home-Office. Dann müssen die Angestellten mit Behinderung sehr gut planen, was sie wann machen wollen. Um diese Hilfe auch zu nutzen“, erklärt Helle Deertz. Wichtig ist ihr, dass sie sich mit ihren Assistent*innen auch persönlich gut versteht. „Dann laufen die Routinen auch besser, und natürlich haben dann beide mehr Spaß“, so Helle Deertz. Denn die Assistent*innen sind durchaus auch bei Freizeitaktivitäten dabei. „Bei dir ist es wie in einer wechselnden WG“, sagen viele ihrer Freunde.
Persönliche Assistenz
Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Im Familienratgeber der Aktion Mensch findest du viele wichtige Infos dazu.
Inklusion braucht einen langen Atem

Hilfe braucht sie im Arbeitsleben zum Beispiel, wenn sie einen Raum für einen Workshop oder einen Vortrag vorbereiten möchte. Wenn eine Grafik erstellt oder verschoben werden muss. Oder wenn eine Datei auszudrucken ist. Auf Reisen ist der Unterstützungsbedarf höher, weil die fremden Umgebungen meistens nicht so barrierearm sind wie das gewohnte Umfeld in Bonn. Obwohl: Auch da wäre noch viel zu tun, findet sie. „Inklusion ist ein dauerhafter Prozess. Selbst in Kita und Schule sind wir noch nicht so weit, dass alles inklusiv ist. Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention schon 2009 ratifiziert wurde. Insgesamt werden die Leute aber schon etwas offener. Man braucht halt einen langen Atem.“
Ihre Pläne für die Zukunft? Helle Deertz möchte für die GIZ gern dauerhaft ins Ausland gehen. Am ehesten nach Afrika. Denn als Inklusionsexpertin hat sie von vielen Dingen Ahnung: Zum Beispiel von Bildung oder Stadtentwicklung. Inklusion, als Querschnitts-Thema, gehört überall dazu. Und ihr Wissen, das hat sie bei den letzten Auslandsaufenthalten gemerkt, ist weltweit gefragt.
In diesem englischen Video der GIZ geht es um das Thema Recht auf Inklusion weltweit und in der Entwicklungszusammenarbeit. Auch Helle Deertz und ihr Engagement werden hier vorgestellt.
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