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Arbeiten mit Arbeitsassistenz

Für Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsalltag Unterstützung brauchen, gibt es Arbeitsassistenz. Durch individuelle Hilfe im Job ermöglichen es Arbeitsassistent*innen, Nachteile einer Behinderung auszugleichen. In diesem Beitrag erfährst du, was Arbeitsassistenz genau ist, wer sie bekommen kann und wie man sie beantragt.

6 Minuten Lesedauer|von Stefanie Wulff
Ein junger Mann mit Behinderung sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet am Computer. Eine Frau steht daneben und zeigt auf den Bildschirm.

Was ist Arbeitsassistenz? 

David Colletti (links) und sein Sendeleiter (rechts) in den Senderäumen der inklusiven Jugendredaktion bei Radio Dreyeckland in Freiburg. Dank der Barrierefreiheit des Tonstudios können auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen des Medium Radio erfolgreich nutzen.

Arbeitsassistenz erhalten Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsalltag Unterstützung benötigen, um ihre Aufgaben erledigen zu können. Arbeitsassistent*innen helfen ihnen dabei, die Nachteile auszugleichen, die durch die Behinderung entstehen. 

Die Aufgaben, die Arbeitsassistent*innen übernehmen, sind ganz unterschiedlich, zum Beispiel: 

  • Arbeitsmaterialien angeben, die der Mensch mit Behinderung allein nicht erreichen kann
  • Headset aufsetzen, scannen und kopieren
  • als Gebärdensprachdolmetscher*in zur Verfügung stehen
  • Texte vorlesen
  • Begleitung auf dem Weg zur Arbeit oder auf Dienstreisen 

Menschen mit Behinderung können so in ihrem erlernten Beruf und ihren Fähigkeiten entsprechend arbeiten. Die Arbeitsassistenz erledigt also nicht die eigentliche Arbeit, sondern sie ermöglicht es Menschen mit Behinderung, diese selbst zu machen. 

Wer bezahlt die Arbeitsassistenz?

Arbeitsassistenz für Menschen mit Behinderung wird mit Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert, die Unternehmen zahlen müssen, die weniger als fünf Prozent ihrer Stellen mit schwerbehinderten Beschäftigten besetzt haben. Ausgezahlt werden die Gelder für Arbeitsassistenz durch die Integrationsämter.

Wer hat ein Recht auf Arbeitsassistenz? 

Eine Frau im Rollstuhl arbeitet an einem Sprachkomputer. Im Hintergrund steht ein Mann.

Um Arbeitsassistenz beantragen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Du musst einen Grad der Behinderung von 50 (oder gleichgestellt ) haben. 
  • Du musst bei deiner Arbeit dauerhaft und in erheblichem Umfang auf Unterstützung angewiesen sein.
  • Technische Hilfsmittel und eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes allein reichen nicht aus, damit du deine Arbeit erledigen kannst.
  • Auch die Unterstützung, die Arbeitgeber*innen zur Verfügung stellen können, ist nicht ausreichend. 
  • Du musst mindestens 15 Stunden pro Woche angestellt oder selbstständig arbeiten. Falls du in einem Inklusionsunternehmen arbeitest, musst du mindestens 12 Stunden pro Woche tätig sein. 

Grundsätzlich haben Menschen mit Behinderung, die Arbeitsassistenz benötigen, seit dem Jahr 2000 auch einen Rechtsanspruch darauf. Arbeitsassistenz ist somit als wichtiger Baustein der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung anerkannt worden. Sie ermöglicht und erleichtert es Betroffenen, Jobs auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. 

Wie kann ich Arbeitsassistenz beantragen? 

Arbeitnehmer*innen oder Selbstständige mit Schwerbehinderung können einen Antrag auf Arbeitsassistenz beim zuständigen Integrationsamt in ihrer Nähe stellen. Die Kosten werden dann in der Regel von der Agentur für Arbeit (bei einem neuen Arbeitsverhältnis) oder vom Inklusionsamt (bei einem bereits länger bestehenden Arbeitsverhältnis) übernommen. 

Wird dein Antrag auf Arbeitsassistenz bewilligt, erhältst du einmal im Monat einen bestimmten Betrag, mit dem du deine Arbeitsassistent*innen bezahlen kannst.

Arbeiten mit Assistenz organisieren 

Ein junger mann sitzt im Rollstuhl in einem Büro. Vor ihm steht sein Arbeitsassistent und holt eine Akte aus einem Schrank.

Wer Anspruch auf Arbeitsassistenz hat, bekommt ein Persönliches Budget. Mit diesen Mitteln kannst du die Arbeitsassistent*innen bezahlen. Du bist selbst dafür zuständig, dir Arbeitsassistenz zu beschaffen. Es gibt drei verschiedene Möglichkeiten, dies zu organisieren: 

  • Du nutzt das Arbeitgebermodell: Das heißt, du suchst selbst Arbeitsassistent*innen aus und stellst sie ein. Somit wirst du zum Arbeitgeber oder zur Arbeitgeberin. Vorteil: Du kannst deine Assistent*innen selbst auswählen. Allerdings bist du auch verantwortlich für eine ganze Menge Bürokratie wie Einstellungsgespräche, Lohnabrechnungen, Urlaubs- und Vertretungspläne usw.
  • Du wählst das Dienstleistermodell: Du kannst auch die Hilfe von Assistenz-Dienstleistern in Anspruch nehmen. Diese Dienste übernehmen die Organisation der Assistenz. Zum Beispiel das Einstellen der Assistent*innen, die Bezahlung und die Abrechnung mit den Leistungsträgern. Vorteilhaft bei diesem Modell ist, dass du weniger Verwaltungsaufwand hast. Andererseits hast du nicht immer die Möglichkeit, die Auswahl der Arbeitsassistenz mitzugestalten.
  • Du entscheidest dich für das Abtretungsmodell: Das Persönliche Budget wird dann an den eigenen Arbeitgeber oder die eigene Arbeitgeberin abgetreten, die davon Ihre Arbeitsassistenz organisieren und bezahlen. Der Vorteil ist auch hier ein geringerer Verwaltungsaufwand für dich. Außerdem kann es Konflikten vorbeugen, wenn der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin entscheidet, wer als Arbeitsassistenz ins Haus kommt. Allerdings hast du auch hier weniger Mitbestimmungsmöglichkeiten, wer dich bei der Arbeit unterstützen soll.  

Mehr zu diesem Thema liest du in den Texten Persöniches Budget und Persönliche Assistenz auf Familienratgeber.de.

Erfahrungen mit Assistenz in der Praxis

Julia Brück (29) aus Bonn arbeitet mit Arbeitsassistenz als Kauffrau für Büromanagement im Bürgerservice der Bundeszentrale für politische Bildung.

„Bei der Bundeszentrale für politische Bildung bearbeite ich seit zweieinhalb Jahren verschiedene Anfragen von Bürger*innen. Viele haben zum Beispiel Fragen zu Publikationen oder Förderprogrammen, die ich per Mail, Telefon oder Post beantworte. 

Ich lebe mit einer Cerebralparese und nutze einen Rollstuhl. Die Assistent*innen kommen schon morgens zu mir nach Hause. Sie helfen mir dabei, Frühstück und Essen für die Arbeit zu machen, packen meinen Rucksack und begleiten mich zum Arbeitsplatz. Dort unterstützen sie mich, indem sie zum Beispiel den Laptop aufbauen, meine Tasche auspacken, Bildschirme einschalten, Mitschriften bei Meetings machen oder mir zwischendurch bei Wegen im Haus helfen. 
Insgesamt sind fünf Assistent*innen abwechselnd tätig. Ein Assistenzdienst unterstützt mich. Er übernimmt unter anderem viel Bürokratie und sucht Assistent*innen für mich. Wenn sich jemand bewirbt, bekomme ich den Bewerberbogen zugeschickt und mache auch die Vorstellungsgespräche. Das ist wichtig, denn die Chemie zwischen uns muss ja stimmen. Leider wurde nicht für meine gesamte Arbeitszeit Arbeitsassistenz bewilligt, sodass ich zwischendurch immer Stunden überbrücken muss.

Arbeitsassistenz erleichtert mir das Leben. Ich kann Aufgaben abgeben, die mir schwerfallen, und mich darauf konzentrieren, was ich wirklich kann. Ich denke, man sollte die eigenen Wünsche und Ziele nicht aufgeben. Auch, wenn einem die Behörden oftmals Steine in den Weg legen. Es lohnt sich, dranzubleiben und die eigenen Rechte einzufordern.“ 

Wer kann als Arbeitsassistenz arbeiten? 

Arbeitsassistent*innen benötigen für ihre Tätigkeit in der Regel keine spezielle Ausbildung. Es sei denn, Menschen mit Behinderung benötigen besondere Kenntnisse, beispielsweise Gebärdensprach-Dolmetschen. Die Kostenträger bewilligen für Arbeitsassistent*innen in der Regel eine „ortsübliche Entlohnung“, meist auf der Basis der Entgeltgruppe 3 oder 4 Stufe 1 des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L).

Hilfe und Beratung

Wo finde ich Arbeitsassistent*innen?

Du möchtest deine Arbeitsassistenz nach dem Arbeitgebermodell selbst einstellen?

Dazu gibt es beispielsweise diese Plattformen: 

Auch auf regionalen Assistenz-Portalen, auf allgemeinen Job-Plattformen oder bei der Agentur für Arbeit kannst du nach Arbeitsassist*innen suchen oder selbst Gesuche aufgeben. 

Du möchtest die Hilfe von Assistenz-Dienstleistern in Anspruch nehmen?

Auf diesen Portalen kannst du zum Beispiel eine Auswahl an Anbietern finden: 

Wo finde ich Beratung zum Thema?

  • Bei den Integrationsämtern wirst du zum Thema Arbeitsassistenz beraten und erhältst Unterstützung bei der Beantragung. Auf der Internetseite der Integrationsämter kannst du nach dem passenden Amt in deiner Nähe suchen. 
  • Weitere Anlaufstellen sind beispielsweise die Agentur für Arbeit oder die Jobcenter. 
  • Du kannst dich auch an eine EUTB-Beratungsstelle in deiner Nähe wenden. 
  • Weitere Infos zu Behörden, Ämtern und Beratungsstellen zum Thema Arbeit mit Behinderung findest du im Familienratgeber der Aktion Mensch.

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