Logo der Aktion Mensch
Computergefertigte Grafik von einem 6-stöckigen modernen Wohnhaus in Holzbauweise und mit Staffelgeschoss

Inklusives Wohnprojekt

Aktion Mensch baut barrierefreien Wohnraum mitten in Berlin

Mit dem Neubau eines inklusiven und nachhaltigen Wohnhauses in Berlin-Wilmersdorf schafft die Aktion Mensch als Bauherrin erstmals selbst barrierefreien Wohnraum. Sie reagiert damit auf den steigenden Bedarf an Wohnungen für Menschen mit und ohne Behinderung. Entstanden sind fünf individuelle Wohneinheiten und eine inklusive WG unter einem Dach. Ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Stephanus-Stiftung in Berlin.

5 Minuten Lesedauer
Projektziel:
Barrierefreier Wohnraum für 20 Menschen
Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit Stephanus gGmbH
Projektträger:
Fertigstellung:
Anfang 2024, Einzug im März 2024
Finanzierung:
Aktion Mensch

Barrierefrei Bauen in Berlin

Aktion Mensch Grundsteinlegung am 17.Mai 2022 in Berlin  Foto: Bernd Schönberger

Bei der feierlichen Grundsteinlegung im Mai 2022 mit vielen Gästen war auch Schauspielerin Leslie Malton mit dabei, die in der Nachbarschaft lebt und das Anliegen auch aus ihrem familiären Hintergrund heraus unterstützt.

Das neue inklusive Wohnhaus wurde auf einem Grundstück errichtet, mit dem eine Berlinerin die Aktion Mensch in ihrem Nachlass bedachte. Den Bau des barrierefreien Gebäudes finanzierte die Aktion Mensch. Für den Betrieb der inklusiven Wohn- und Serviceangebote konnte sie mit der Berliner Stephanus gGmbH einen erfahrenen Partner als Pächter gewinnen.

Nach einer gemeinsamen Planungsphase startete das Projekt im Mai 2022 offiziell mit einer feierlichen Grundsteinlegung. Knapp ein Jahr später, am 23. März 2023, folgte das Richtfest. Ein weiteres Jahr später hieß es Einzug in der Prinzregentenstraße. Seit dem 1. März 2024 füllen 28 Bewohner*innen mit und ohne Behinderung das Haus mit Leben.

Mit der nach Prinzipien der Nachhaltigkeit konzipierten Immobilie schafft die Aktion Mensch damit modernen barrierefreien Wohnraum in zentraler Lage. Das Grundstück ist gut an den Nahverkehr angebunden. Die Wege zum Einkaufen, zur Arbeit, zur Uni oder zum Arzt sind kurz.

Inklusives Zusammenleben unterschiedlicher Menschen

Das inklusive Wohnhaus ist eines der ersten dieser Art in der Hauptstadt. Neben fünf individuellen Wohneinheiten, unter anderem für Familien mit behinderten Kindern, ist auch eine inklusive Wohngemeinschaft Teil des Konzepts.

In der WG gibt es zehn Einzelzimmer mit je eigenem Sanitärbereich sowie Gemeinschaftsräume. Neben Menschen mit Behinderung und Senior*innen wohnen hier Menschen ohne Behinderung, zum Beispiel Student*innen. Sie übernehmen im Alltag einfache Assistenzleistungen für ihre Mitbewohner*innen mit Unterstützungsbedarf. Dabei werden die Studierenden von der Stephanus gGmbH professionell eingeführt und begleitet und profitieren von einer günstigen Miete.

Die Idee dahinter: Im neuen Wohnhaus leben damit viele unterschiedliche Menschen Tür an Tür zusammen und bereichern und unterstützen sich im Alltag gegenseitig.

Unsere Vision von einer inklusiven Gesellschaft zeigt sich hier mitten in Berlin-Wilmersdorf. Es ist uns ein Anliegen, Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen und Barrieren abzubauen. Dieses Wohnprojekt ermöglicht Teilhabe für alle Menschen – es ist beispielhaft für gelebte Inklusion und ein bereicherndes Miteinander.

Armin v. Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch

Armin von Buttlar

Beratungs- und Serviceangebot im Haus

Im Gebäude ist auch eine Beratungs- und Servicestelle der Stephanus gGmbH angesiedelt. Das dortige Team unterstützt nicht nur die Bewohner*innen des Hauses selbst, sondern auf Wunsch ebenfalls interessierte Nachbar*innen im Alltag und in der Freizeit. Auch ambulante Pflegedienste sowie weitere Assistenzleistungen werden von hier aus koordiniert. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist der Concierge-Service im Eingangsbereich, den ein*e Mitarbeiter*in mit Behinderung betreuen wird. Hier können alle Mieter*innen zum Beispiel Pakete abgeben oder abholen und haben eine Ansprechperson für die praktischen Dinge des Alltags.

Finanzierung und Förderung ähnlicher inklusiver Wohnprojekte

An einem Esstisch sitzen viele verschiedene Menschen mit und ohne Behinderung.

Du möchtest mehr zu Fördermöglichkeiten für inklusive und barrierefreie Wohnprojekte erfahren? Dann besuche unseren Wegweiser ins Netz: Hier findest du hilfreiche Links und Informationen. Es gibt unter anderem nach Bundesländern aufgeschlüsselte Fördermöglichkeiten für Barrierefreiheit sowie Infos zu Beratungsplattformen und Qualifizierungsangeboten.

Nachhaltig gebaut und sozial investiert

Bei der Planung spielte auch Nachhaltigkeit eine große Rolle: Bei dem Neubau handelt es sich um ein in Holzständerbauweise errichtetes Effizienzhaus. Das bedeutet: Es zeichnet sich durch eine besonders energieeffiziente Bauweise und Gebäudetechnik aus, die über gesetzliche Auflagen hinaus geht.

In nachhaltiges und barrierefreies Wohnen mitten in der Gemeinde zu investieren hat mehrere Vorteile:

  • Dringend benötigter barrierefreier Wohnraum wird geschaffen: Derzeit fehlen rund 2,5 Millionen barrierefreie oder barrierearme Wohnungen in Deutschland, Tendenz steigend.
  • Inklusive Wohnprojekte haben eine positive Stahlkraft. Nicht nur in der Arbeitswelt gelten gemischte Teams als innovativer und erfolgreicher. Das Gleiche gilt für Nachbarschaften, Hausgemeinschaften und Wohnviertel: Inklusiver Wohnraum trägt so zu einer lebendige Stadtteilentwicklung bei.
  • Nicht zuletzt liegt Social Impact Investing im Trend: Projekte, die sich nachweisbar in den Bereichen soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz positiv auswirken, werden unter Kapitalanleger*innen immer beliebter – auch weil wir die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit nicht allein mit staatlichen Mitteln lösen können.

Das Wohnhaus in Berlin-Wilmersdorf soll erst der Anfang sein: Die Aktion Mensch möchte in Kooperation mit Kommunen und Sozialpartnern gerne weiteren barrierefreien Wohnraum auch in anderen Städten und Gemeinden realisieren. Und sie hofft, mit ihrem Beispiel auch andere potenzielle Investor*innen zu überzeugen, dies ebenfalls zu tun.

„Neubau, der seines gleichen sucht“

Dr. Frank Frese spricht bei der Einweihung des Wohnprojekts in Berlin-Wilmersdorf.

Dr. Frank Frese (Mitte), Leiter des Geschäftsbereichs Wohnen und Assistenz der Stephanus gGmbH

 Interview mit Dr. Frank Frese

Das inklusive Wohnprolekt der Aktion Mensch in Berlin wird durch die Stephanus gGmbH unterstützt. Im Interview zieht Dr. Frank Frese, Leiter des Geschäftsbereichs Wohnen und Assistenz der Stephanus gGmbH, eine erste Zwischenbilanz des gemeinsamen Projekts aus seiner Sicht.

Das könnte dich auch interessieren

Die Teilnehmer der inklusiven Wohngemeinschaft der Lebenshilfe Gießen teilen ihren Alltag gemeinsam.

Barrierefrei, rollstuhlgerecht, behindertengerecht – die Begrifflichkeiten auf dem Wohnungsmarkt sind vielfältig. Wir erklären, was hinter den Bezeichnungen steckt. 

Leitung ZSL Erlangen und Projektkoordinatorinnen von Kommune Inklusiv im Gespräch und bei der Arbeit in den Räumlichkeiten des ZSL.

Übersicht aller Studien und Befragungen der Aktion Mensch zu den Lebensrealitäten von Menschen mit Beeinträchtigung.

Zwei Mitarbeiter der inklusiven Möbeltischlerei Hand in Hand-Werk Munster beim Befestigen von Einbauteilen.
Aktion Mensch - 28.01.2022 - Möbeltischlerei Munster - Es braucht handwerkliches Geschick und Präzision, um aus dem
natürlichen und wertvollen Rohstoff Holz Möbel nach Maß zu bauen. In der Tischlerei „Hand in Hand-Werk“ in Munster arbeiten
Menschen mit und ohne Behinderung und erfüllen auch die kniffligsten Wünsche ihrer Kund*innen.

Erfahre, wie du Barrieren beseitigst, finanzielle Hilfen nutzt und Expertentipps bekommst. Für ein selbstbestimmtes und inklusives Wohnen.