Multiprofessionelles Team in der Schule
Wer zeitgemäße schulische Pädagogik umsetzen möchte, der kommt an der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams kaum vorbei. Die vielen Herausforderungen und Anforderungen, wie Inklusion, volle Lehrpläne, Digitalisierung, Ganztag und Vielfalt der Schüler*innen sind in einem Team von verschiedenen Fachkräften deutlich besser zu meistern. Multiprofessionelles Arbeiten entlastet Lehrkräfte und verbessert das Lehren und Lernen im schulischen Alltag.

Vorteile der multiprofessionellen Teamarbeit in der Schule
In einem vielfältigen Team zu arbeiten, hat viele Vorteile, das ist bereits aus der Wirtschaft bekannt. Doch auch in der Schule zeigt sich, dass Teamarbeit viele Vorteile gegenüber Einzelkämpfertum hat:
Verantwortung teilen
Eine Lehrkraft ist nicht mehr allein für Klasse und Unterricht verantwortlich. Das ist eine zeitliche und emotionale Entlastung.
Mehr Perspektiven und Fachwissen
Eine Fachkraft, wie zum Beispiel ein Sozialpädagoge oder eine Schulsozialarbeiterin, bringt zusätzliches Wissen und neue Perspektiven in den Unterricht ein. Das multiprofessionelle Team kann Unterrichtseinheiten dementsprechend je nach Stärken und Fachwissen aufteilen.
Von Kolleg*innen lernen
Jede Fachkraft bringt andere Fähigkeiten und Kompetenzen mit. Bei bestimmten Unterrichtsinhalten kann sie vielleicht Wissen besonders gut vermitteln. Davon profitieren auch die Schüler*innen.
Nie mehr Einzelkämpfer*in
Im Team können sich Fachkräfte über Situationen oder offene Fragen austauschen. Sie können gemeinsam Ideen entwickeln oder Probleme besprechen. Aufgaben können aufgeteilt und später zusammengetragen werden. Das entlastet und entspannt alle Beteiligten.
Mehr Zeit für einzelne Schüler*innen
Manche Schüler*innen brauchen mehr Aufmerksamkeit. Je mehr Fachkräfte unterrichten, desto mehr Zeit bleibt für einzelne Schüler*innen. Eine Fachkraft könnte den Unterricht weiterführen und eine weitere Fachkraft Schüler*innen individuell unterstützen.
Weniger Ausfall von Unterricht
Fällt eine Lehrkraft aus, kann ein Teammitglied den Unterricht übernehmen. So fällt weniger Unterricht aus und Lerninhalte müssen nicht nachgeholt werden. Das sorgt bei Schüler*innen und Lehrer*innen für Entlastung.
So gelingt die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams

Eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Zusammenarbeit ist der Wille zur Veränderung. Nur wer offen ist für neue Perspektiven, Fachwissen, Methoden und Arbeitsweisen kann sich voll auf die Arbeit im Team einlassen.
Damit ein Team gut zusammenarbeiten kann, müssen sich alle gegenseitig akzeptieren und respektieren. Teamarbeit bedeutet, dass alle Teammitglieder ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre Kompetenzen einbringen können. Es kann nicht sein, dass eine Person bestimmt und die anderen müssen folgen. Stattdessen sollten die einzelnen Teammitglieder sich als kompetente Kolleginnen und Kollegen wahrnehmen und sich gegenseitig entsprechend behandeln. Die Unterrichtsplanung und -leitung wird somit einer Gemeinschaftsleistung.
Auch Vertrauen und Wertschätzung sind Teil einer gelungenen Zusammenarbeit. Vertrauen lässt sich aufbauen indem Teammitglieder sich gegenseitig etwas zutrauen, sich austauschen und offen kommunizieren. Das Team kann bei gemeinsamen Workshops, Austausch-Formaten, Festen oder Ausflügen aktiv weiterentwickelt werden. Gemeinsame Fortbildungen sind ein gutes Mittel, um Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung zu schaffen. Dabei kann zum Beispiel ein gemeinsames Leitbild erarbeitet werden, was bei der Teambildung hilft. Dabei sollten auch Beschäftigte aus der Ganztagsbetreuung eingebunden werden. Das schafft eine gemeinsame Identifikation.
In multiprofessionellen Teams arbeiten Berufsgruppen zusammen, die jeweils eine eigene Ausbildung, eigene Fachsprachen und ein eigenes Selbstverständnis haben. Unterschiedliches Wissen, Können und Persönlichkeiten müssen erst einmal zusammenfinden. Dafür sollte genügend Zeit und Geduld eingeplant werden. Außerdem sollte das multiprofessionelle Team über unterschiedliche Rollen und die damit verbundenen pädagogischen Leitbilder sprechen.
Verbeamtete Lehrer*innen haben meist mehr Stunden zur Verfügung als etwa Fachkräfte aus der Sozialpädagogik. Deswegen ist es wichtig, offen über Ressourcen zu sprechen. Bei der Aufgaben- und Rollenverteilung sollte offen darüber gesprochen werden, wer was in welcher Zeit überhaupt schaffen kann. So kann das Team realistische Ziele setzen und Frust und Überforderung vermeiden.
Gute Teamarbeit erfordert offene, respektvolle und konstruktive Kommunikation. Besonders zu Beginn, wenn Teams noch nicht eingespielt sind oder Unstimmigkeiten auftreten, ist mehr Kommunikation notwendig. Dafür sollte genug Zeit eingeplant werden. Fortbildungen zu gelingender Kommunikation oder gemeinsam festgelegte Grundsätze einer respektvollen Diskussionskultur (zum Beispiel aktiv zuhören, ausreden lassen, andere ernst nehmen, Kritik wertschätzend formulieren) können konstruktive Gespräche befördern.
Grundlage der Zusammenarbeit: Schulleitung ist an Bord
Berufliche Sicherheit und vertrauensvoller Umgang miteinander sind Fachkräften besonders dann wichtig, wenn Schulen bestehende Strukturen ändern und multiprofessionelle Teams einführen wollen. Die Schulleitung sollte ein gutes Fundament für diese neue Form der Zusammenarbeit legen und eine Atmosphäre des beruflichen Vertrauens aufbauen. Dadurch fühlen sich Teammitglieder in ihrer professionellen Rolle in der Gruppe angenommen und müssen keine beruflichen Nachteile fürchten, wenn etwa Strukturen infrage gestellt werden oder etwas kritisiert wird.
Die Schulleitung sollte vorleben, was von multiprofessionellen Teams erwartet wird, wie zum Beispiel den Willen zur Veränderung zeigen oder Regeln der guten Kommunikation einhalten. Auch über entsprechende Ressourcen und Strukturen lässt sich Wertschätzung und Vertrauen ausdrücken: Schulleitungen sollten dem multiprofessionellen Team Räumlichkeiten für Besprechungen bereitstellen, Fortbildungen und festgelegte Zeiten zum Austausch ermöglichen und priorisieren.
Team-Partner*innen von Lehrkräften
Multiprofessionelle Teams setzten sich aus verschiedenen Personengruppen zusammen. Mögliche Partner*innen der Lehrkräfte kommen zum Beispiel aus folgenden Gruppen:
Schulbegleitung
Es gibt unterschiedliche Konzepte für eine Schulbegleitung, wie eine 1zu1 Begleitung oder die Pool-Lösung. Im Familienratgeber der Aktion Mensch kannst du mehr darüber lesen.
Buchtipp: Multiprofessionelle Teamentwicklung
Im Buch „Multiprofessionelle Teamentwicklung " von Elmar Philipp lernst du Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit in der Schule kennen.
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