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Offener Unterricht

Offener Unterricht bedeutet einen Unterricht, der offen gegenüber neuen Lern-Methoden ist und sich somit vom traditionellen Frontal-Unterricht unterscheidet. Das Ziel des Offenen Unterrichts ist das entdeckende, problemlösende, handlungsorientierte und selbst verantwortete Lernen. Lehrkräfte bilden nicht mehr das Zentrum des Unterrichts, sondern verstehen sich als Lernbegleitung, die den Rahmen vorgeben und bei Fragen unterstützen.

18. August 2026|5 Minuten Lesedauer
Schülerinnen an der Marie-Kahle-Gesamtschule. Dalton Unterricht.

Prinzipien aus der Reformpädagogik 

Es gibt keine feste Definition für „Offener Unterricht“, da sich der Ansatz stetig weiterentwickelt. Wichtige Vordenker*innen des Offenen Lernens waren John Dewey, Célestin Freinet, Maria Montessori oder Peter Petersen. Was alle Ansätze gemeinsam haben, ist das Prinzip, dass Offenes Lernen ein Gegenentwurf zum klassischen Frontalunterricht ist. 

Offenes Lernen nach Falko Peschel 

Der Pädagoge Falko Peschel gilt als Pionier des Offenen Unterrichts. Er unterscheidet fünf Dimensionen, anhand derer sich sämtliche Lern- und Arbeitsformen vergleichen lassen:

  1. organisatorische,
  2. methodische,
  3. inhaltliche,
  4. soziale und
  5. persönliche Offenheit.

Je nachdem, wie weit der Unterricht geöffnet ist, können Lernmaterial und Lernaufgabe Lehrer*innen ersetzen. Oder aber die Schüler*innen steuern ihr Lernen komplett selbst. Wer zum Beispiel völlige organisatorische Offenheit hat, kann Raum, Zeit und Ort des Lernens selbst bestimmen. Bei völliger methodischer Offenheit können Schüler*innen ihren eigenen Lernweg bestimmen. Es gibt auch Abstufungen von eher schwacher, mittlerer bis hin zu hoher Offenheit.

Peschels Dimensionen zeigen, dass es zwischen Geschlossenem und Offenem Unterricht viele Mischformen gibt.

Vier Methoden des Offenen Unterrichts 

Offener Unterricht kann fächerübergreifend oder fachgebunden stattfinden. Die Schüler*innen arbeiten immer in einer bestimmten Zeit an den Aufgaben des Offenen Unterrichts, zum Beispiel eine Stunde pro Tag oder zwei Stunden pro Woche. 

Bei Offenen Unterrichtsmethoden kommen auch Gruppenarbeit und Lernen durch Unterrichten vor: Schüler*innen unterstützen sich gegenseitig bei Aufgaben und gelangen in Partner- oder Gruppenarbeit gemeinsam zu Ergebnissen. Beim Lernen durch Unterrichten vermitteln sich die Schüler*innen gegenseitig die Inhalte. Der Fachausdruck dafür ist „Lernen durch Lehren“ (LdL).

Eine detaillierte Übersicht offener Unterrichtsmethoden nach Peschel findest du ab Seite 18 im Methodenpool der Universität zu Köln.

Ziele und Prinzipien des Offenen Arbeitens 

Durch die Offenen Arbeitsmethoden lernen Schüler*innen selbstständig zu handeln, im Team zu arbeiten, Probleme zu lösen und Verantwortung für ihren Lernfortschritt zu übernehmen. Offener Unterricht fördert Motivation und Selbstvertrauen, wobei sich Schüler*innen auch ihrer Stärken und Schwächen bewusst werden können. Sie setzen sich intensiv mit einem Thema auseinander und lernen nachhaltiger.

Lehrkräfte bereitet den Rahmen vor, begleiten und unterstützen, greifen aber möglichst wenig ein. Statt zu erklären, helfen sie bei Fragen, beraten und unterstützen Schüler*innen, ihre Arbeit zu planen, zu reflektieren und eigene Lösungen zu finden.

Merkmale des Offenen Unterrichts 

Offener Unterricht zeichnet sich also insgesamt durch folgende Merkmale aus:

Grenzen des Offenen Unterrichts

Unterricht an der inklusiven Schule Marie-Kahle-Gesamtschule Bonn.

Nicht immer ist offener Unterricht die beste Wahl. Vor allem motivierte, selbstsichere und leistungsstarke Schüler*innen profitieren von offenen Unterrichtsformen. Wenig motivierte, ängstliche oder Schüler*innen mit Förderbedarf können sich dagegen überfordert fühlen.

Auch strukturell gibt es Grenzen für Offene Unterrichtsmethoden: Feste Leistungsstandards, umfangreicher Lernstoff und starre Stundenpläne nach Fächern erschweren Offene Arbeitsformen über mehrere Unterrichtsstunden oder Fächer hinweg. Zudem hat nicht jede Schule den nötigen Platz. Lehrer*innen müssen für Offenen Unterricht oft mehr Zeit aufbringen und es ist mehr Material erforderlich. Außerdem ist es bei kooperativen Arbeitsformen nicht leicht, Noten zu vergeben. 

Weiterführende Links

Deutscher Bildungsserver
Das Portal bietet viele Informationen zu Offenem Unterricht, Kooperativem Lernen oder Lernen durch Lehren.
www.bildungsserver.de

ZUM-Unterrichten
Offene, nicht-kommerzielle Plattform für Unterrichtsmaterialien und Unterrichtsideen. Hier finden sich viele Impulse für Offenen Unterricht.
www.unterichten.zum.de

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